Von Nils Ohl

Timmy Sandebasser hantiert in der Werkstatt der Forster Gutenberg-Oberschule an einem blauen Schraubstock mit einem Gewindeschneider. Als der Schneider sich leicht festgefressen hat, kommt ihm Robin Hamrol zu Hilfe. Schon geht es besser.  Die beiden  Neuntklässler beteiligen sich an der Berufsorientierungsmesse ihrer Schule und lassen sich von Leag-Ausbilder Alexander Piekos den praktischen Umgang mit Handwerkszeug zeigen.

„Ich hoffe, dass es mir Spaß macht“, meint Timmy Sadebasser zu seinen Erwartungen an diesen Tag. Gewindeschneiden hat er noch nie gemacht und findet es spannend. Und Robin Hamrol sagt: „Ich hoffe, dass ich was lerne für den Beruf.“

Insgesamt 14 Aussteller – von der LWG Lausitzer Wasser GmbH über die Lausitz Klinik Forst bis zur Agentur für Arbeit – präsentieren sich.

Sylvia Dräger, WAT-Lehrerin der Schule und eine der Organisatorinnen, erklärt: „Unser wichtigstes Anliegen ist, dass wir den Schülern heute etwas Praktisches mitgeben.“ Ihre Kollegin Vera Barz ergänzt: „Diese Messe ist der Höhepunkt unserer Berufsorientierungswoche für den Jahrgang neun.“ Diese Woche findet immer im 1. Halbjahr der Jahrgangsstufe statt, um den Schülern den Weg in die Lehre zu ebnen und als Nahziel auf das Betriebspraktikum vorzubereiten.

Am Anfang steht für die Jugendlichen ein Kompetenztraining, bei dem sie ihre Stärken, aber auch Schwächen analysieren. Aber auch das Schreiben von Bewerbung und Lebenslauf sowie der Ablauf von Vorstellungsgesprächen werden trainiert.

„In dieser Form findet die Messe aber zum ersten Mal statt“, betont Sylvia Dräger. Da die Gutenberg-Schule die einzige Oberschule der Stadt ist und ihre Schüler die wichtigste Zielgruppe dieser Messe, habe man sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung entschlossen, die Veranstaltung nicht wie im vergangen Jahr in der Mehrzweckhalle, sondern direkt an der Schule durchzuführen.

Schon im August hat die Schule dazu rund 30 Unternehmen angeschrieben. „Allerdings war die erste Resonanz nur mäßig“, so Sylvia Dräger. Mit persönlichem Nachfassen – und auch mit Unterstützung der  Stadt – hat es dann aber gut funktioniert.

Auf dem Schulgelände können die Aussteller mit den rund 75 Schülern der 9. Klassen sehr direkt in Kontakt kommen – in den Pausen auch mit Zehntklässlern und anderen Schülern. Leag-Ausbilder Piekos erklärt: „Wir stellen vor allem die Berufsbilder Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik vor.“

Die Schüler seien sehr interessiert, und seine Angebote würden gut angenommen. „Man merkt aber auch, wie nötig solche Aktionen sind. Manche Jugendliche sehen hier zum ersten Mal richtiges Werkzeug.“ Deshalb bietet die Leag sehr gern Schülerpraktika an. So  können die Jugendlichen rechtzeitig mit dem Berufsalltag in Berührung kommen und besser einschätzen, wo ihre wirklichen  Interessen liegen.

In die gleiche Richtung denkt auch Thomas Neuhunger von der freien Werkstatt Auto-Spezialist: „Ich will nicht nur vom Berufsbild Kfz-Mechatroniker erzählen, sondern praktisch zeigen, was wir machen.“ Deshalb hat er ein Fahrzeug auf den Schulhof gestellt, an dem die Schüler selbst ein Rad wechseln, den Ölstand messen oder Sicherungen überprüfen können.

Bernd Malke ist Technischer Leiter und Ausbilder  der Forster System-Montage-Technik GmbH SMT, der auf seinem Stand zugleich die Firma Technischer Handel-Industriebedarf Mrose vertritt. Diese Unternehmen bilden vor allem Industriekaufleute und Industriemechaniker sowie Lagerlogistiker aus. Er sagt: „Bis jetzt hatten wir zwar noch keine Probleme, Azubis zu finden. Aber wir sind ein Forster Unternehmen und finden es wichtig, uns hier vorzustellen und den Jugendlichen zu zeigen, welche Arbeit es in ihrer Heimat gibt.“

Am Ende kann Lehrerin Sylvia Dräger schon erste konkrete Ergebnisse feststellen:  Mehrere Schüler haben gleich vor Ort die Bewerbungen für ihre Betriebspraktika abgegeben.