Nicht nur im Schulalltag hat Corona viel verändert – auch in der Berufsausbildung ist in diesen Monaten einiges anders als sonst.

So steht Christopher Bautz als Azubi im ersten Lehrjahr im Verkaufsraum der Technischer Handel - Industriebedarf Mrose GmbH, statt laut normalem Stundenplan im Oberstufenzentrum in Cottbus die Schulbank zu drücken.

„Wir haben sechs Azubis“, erklärt Ines Bruck. Sie ist Ausbildungsverantwortliche bei der Mrose GmbH. Solange die Berufsschulen geschlossen sind, bekommen die Lehrlinge von ihren Lehrern Aufgaben für das Selbststudium.

Bei Schulausfall müssen Azubis von Mrose in Forst in den Betrieb

Allerdings müssen Azubis, anders als Schüler, in ihren Ausbildungsbetrieb kommen, wenn die Schule ausfällt.

„Aber wir klären dann in Abstimmung mit ihren Vorgesetzten, was die Azubis im Betrieb tun und was sie zu Hause erledigen können“, so Ines Bruck.

Christopher Bautz hat sich inzwischen an den neuen Rhythmus gewöhnt – seine Berufsschulaufgaben erledigt er am Nachmittag. Das Pensum sei zu schaffen. „Und wir können bei Fragen auch die Lehrer anmailen“, erklärt er. „Trotzdem lernt man mehr, wenn die Lehrer einem direkt etwas beibringen.“

Unterricht am Cottbuser Oberstufenzentrum soll wieder starten

In seinem Lehrjahr wurde bisher nur eine Zwischenprüfung gestrichen und er hat die Info, dass für ihn die Berufsschule am 25. Mai mit Sicherheitsauflagen wieder startet.

Ansonsten läuft seine praktische Ausbildung im Betrieb fast wie gewöhnt, meint Christopher Bautz. Nur dass er auf seiner jetzigen Station im Verkaufsraum natürlich mit Schutzmaske arbeiten muss, Abstände einzuhalten sind und die Kunden nur einzeln eintreten.

Wobei er bei seinem Berufsziel Kaufmann im Groß- und Einzelhandel normalerweise im Büro Aufträge bearbeitet, was ihm auch viel Spaß macht. „Aber das Mithelfen in anderen Bereichen ist sehr wichtig, um die Warenkenntnis zu bekommen.“

Bei Bedarf stellt Mrose Forst seine Azubis für Nachhilfe frei

Neben Kaufleuten im Groß- und Einzelhandel bildet Mrose unter anderem Industriekaufleute und Fachinformatiker aus.

„Wir sind sicher, dass alle unsere Azubis ihre Lernziele erreichen. Sie sind schon sehr clever“, meint Ines Bruck. Und falls es doch eng werden sollte, gibt es Nachhilfe-Angebote von den Berufsschulen oder der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Dafür stellen wir unsere Lehrlinge bei Bedarf auch frei“, so die Ausbildungsverantwortliche. „Wir möchten, dass vernünftige Ausbildung stattfindet. Wenn Leistung stimmt, wollen wir die Azubis auch übernehmen.“

Und dass wegen der Schulschließung die Azubis jetzt häufiger als sonst im Betrieb sind, darüber sei man ganz froh. Mehrere Kollegen sind aktuell wegen der Kinderbetreuung bei den Arbeitszeiten eingeschränkt. Da können die Azubis aushelfen. „Denn unser europaweiter Vertrieb läuft bisher weiter wie immer und in den Verkaufsbereich auf dem Betriebsgelände kommen sogar mehr Kunden als sonst“, erklärt Ines Bruck.

Forster Firma Mrose strebt reibungslose Nachbesetzung an

In diesem Herbst sollen auch wieder neue Azubis eingestellt werden. Wie es mit der konkreten Ablauf der Ausbildung nach den Sommerfeiern weitergeht, werde man dann schauen. „Für unsere Entscheidung ist aber relevant, wo in nächster Zeit Leute ausscheiden, beispielsweise wegen Rente, so dass wir die Stellen ohne Brüche nachbesetzten können.“

Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Besetzung mit eigenen Nachwuchskräften, die viele Prozesse schon beherrschen, besser sei, als jemand von außen einzustellen.

Auch jetzt soll ein eigener Lehrling, eine Industriekauffrau, übernommen werden, wenn sie die Abschlussprüfung besteht.

Die Abschlussprüfung hat sich auch für Forster Mrose-Azubis verschoben

„Aber die Abschlussprüfung, die im Mai gewesen wäre, ist verschoben worden. Das ist natürlich für sie von Nachteil, weil ihr richtiger Arbeitsvertrag dadurch etwas später kommt“, so Ines Bruck.

Die meisten bei der IHK Cottbus registrierten Ausbildungsverträge laufen am 31. August aus, etwa ein Drittel am 31. Juli und nur sehr wenige schon am 30. Juni, wie Regina Altmann, zuständige Managerin bei der IHK, sagt. „Wir sind bestrebt, bis auf wenige Ausnahmen, die Prüfungen zum 31. Juli zu beenden“, so Regina Altmann.

In Einzelfällen müssten Azubis wegen der verschoben Prüfungszeit ihrem Abschluss außerhalb der Ausbildungszeit beenden. Die IHK empfiehlt, dann eine Verlängerung de Lehrvertrages zu vereinbaren.

Normalerweise finden die schriftlichen Prüfungen von Ende April bis Mitte Mai statt. Das ist jetzt auf den Juni verschoben. Die praktischen und mündlichen Prüfungen laufen wie geplant von Juni bis Mitte Juli.

Cottbuser Kammern verzeichnen bisher stabile Ausbildungszahlen

Im Bereich der IHK Cottbus absolvieren in diesem Sommer etwa 1200 Azubis ihre Abschlussprüfung, wobei rund 500 ehrenamtliche Prüfer zum Einsatz kommen.

Bei den neuen Ausbildungsverträgen ist bisher kein Einbruch zu verzeichnen. Bei der Handwerkskammer (HWK) Cottbus sind bisher rund 100 Ausbildungsverträge erfasst. „Nur geringfügig weniger als 2019“, wie Pressesprecher Michel Havasi sagt. Dazu kommen bei der HWK weitere 400 offene Lehrstellenangebote – das liegt sogar über dem Vorjahr.

Bei der IHK Cottbus gab es am Stichtag 30. April 2020 insgesamt 378 registrierte betriebliche Ausbildungsverträge – gegenüber 388 im Vorjahr.

„Davon lässt sich noch kein Trend ableiten. Wir hoffen, dass die Ausbildungsbereitschaft nicht nachlässt, aber wissen auch um die Schwierigkeiten in Branchen wie der Gastronomie“, meint Regina Altmann.