| 13:22 Uhr

Geschichtsstammtisch
Berührende Geschichten entwurzelter Menschen

Frank Henschel überreichte das Buch „Forst – eine Stadt im Wandel der Zeit“ an Ewa Wojciechowska, Barbara Laris und Christoph Schneider-Laris (v.l.).
Frank Henschel überreichte das Buch „Forst – eine Stadt im Wandel der Zeit“ an Ewa Wojciechowska, Barbara Laris und Christoph Schneider-Laris (v.l.). FOTO: Angela Hanschke / Hanschke Angela
Forst. Im Textilmuseum wurde der Dokumentarfilm „Unvergessene Geschichte“ gezeigt, der deutschen und polnischen Schicksalen nachspürt.

65 Besucher des 47. Geschichtsstammtisches begrüßte Frank Henschel am Donnerstag im Brandenburgischen Textilmuseum, Forst, als der auf Initiative des Kulturhauses Trzebiel (Triebel) entstandene Dokumentarfilm „Unvergessene Geschichte – Historie niezapomniane“ gezeigt wurde. Auch die zweite Aufführung über die Folgen des Zweiten Weltkrieges vor deutschsprachigen Zuschauern fand lebhaftes Interesse in Forst – deren ehemalige Stadtteile Scheuno (Brozek) und Berge (Zasieki) seit 1945 zu Polen gehören. Man habe hier ein offenes Geschichtsbuch vorgefunden, das zum großen Teil noch nicht aufgearbeitet sei, betonte Christoph Schneider-Laris vom deutsch-polnischen Verein Musknica. „Wir wollten die Schicksale von Deutschen, die durch die neue Grenzziehung entwurzelt wurden, den Schicksalen der Polen gegenüberstellen, die zwischen 1945 und 1947 aus der Region Lemberg und Kaschubien nach Trzebiel kamen“.

Es war nicht leicht, die fünf inzwischen 81- bis 93-jährigen Gesprächspartner zu finden. Vertrauen musste behutsam aufgebaut werden. Sehr emotional und aufwühlend seien die Interviews mit Herbert Poelzig und Günter Dutschke sowie Bozena Danielska, Olga Wisniowska und Wladyslaw Zolinski verlaufen, ergänzte Barbara Laris vom Kulturhaus Trzebiel.

Gerade die ganz persönlichen Geschichten von damals berührten die Zuschauer. Ebenso die Filmmelodie des Regisseurs Andrzej Winiszewski, die sich geradezu ins Gedächtnis einbrannte. „Diese Gegend schreit nach Geschichten von Leuten, die auf beiden Seiten ihre ursprüngliche Heimat verloren haben“, meinte Ewa Wojciechowska  aus Brozek (Scheuno) und warf die Frage nach solch einem Film von deutscher Seite auf. „Unheimlich interessant“, befand der Cottbuser Michael Max. „Viel berührender als manch gut gestylte, doch inhaltlich flache TV-Dokumentation“, lautete das Urteil des Gubener Verlegers Andreas Peter, der weiterführende Literatur vom „Niederlausitzer Verlag“ vorstellte. Am 1. Dezember um 21 Uhr wird im RBB bei „Kreuz und Quer“ ein Beitrag über das Filmteam ausgestrahlt.

(aha)