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Behindertenwerkstatt Forst funkelt nach Umbauarbeiten

Beim feierlichen Band-Durchschneiden: Hartmut Höhna, Sven Zuber, die neue Spree-Neiße-Integrationsbeauftragte, Annett Noack, Harald Altekrüger und Olaf Taubenek (v.l.).
Beim feierlichen Band-Durchschneiden: Hartmut Höhna, Sven Zuber, die neue Spree-Neiße-Integrationsbeauftragte, Annett Noack, Harald Altekrüger und Olaf Taubenek (v.l.). FOTO: S. Ludwig
Forst. In der Forster Werkstatt des Behindertenwerkes Spremberg ist bei einem Tag der offenen Tür ein Erweiterungsbau eingeweiht worden. Die derzeit 108 Menschen mit Behinderung, die hier arbeiten, schätzen die Wohlfühlatmosphäre und danken es mit mehr Produktivität. Steffi Ludwig

Phillip Werner hantiert eifrig mit seinem Schraubenzieher. Der mehrfach schwerstbehinderte 19-Jährige will Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) unbedingt zeigen, wie er Relayschalter montiert. In dem komplett neuen Werkraum gibt es dazu beste Bedingungen. "Wir beschäftigen uns hier vorrangig mit kleinen Werkarbeiten", erklärt Gruppenbetreuer Robert Heydel. "Da hier 13 mehrfach Schwerstbehinderte arbeiten, machen wir hier eher kleinere Arbeiten ohne Zeitdruck, andere Bereiche der Behindertenwerkstatt geben uns gelegentlich Aufgaben ab."

Der Raum ist einer in dem umgebauten Gebäude im Eber eschenweg, das am Donnerstag offiziell eingeweiht wurde. Das Behindertenwerk Spremberg befindet sich seit rund 20 Jahren im Ebereschenweg, 1996/97 war die Betriebsstätte für 60 Menschen mit Behinderungen neu gebaut und durch die damalige Sozialministerin Regine Hildebrandt eingeweiht worden. "Wir haben schnell gemerkt, dass wir aus allen Nähten platzen", sagt Hartmut Höhna, Vorsitzender des Trägervereins Behindertenwerk Spremberg. Als bekannt wurde, dass das Nebengebäude, ein Wirtschaftsbetrieb, in schwierige Lage geriet, habe man es 2012 nach langwierigen Verhandlungen gekauft, so Höhna. Das Haus wurde umgebaut, auch das Bestandsgebäude wurde Anfang des Jahres umfangreich saniert. Insgesamt sind laut Hartmut Höhna 800 000 Euro investiert worden.

"Es ist für uns ein großer Grund zur Freude", sagte Geschäftsführer Olaf Taubeneck. Ein Großteil der 108 Menschen mit Behinderung, die derzeit in Forst arbeiten, lauschten bei bestem Sonnenschein und applaudierten den Rednern und den Schülern der Wichernschule, die musikalische Ständchen brachten. Auch die neue Integrations- und Behindertenbeauftragte des Landkreises, Annett Noack, die seit 1. April im Amt ist, stellte sich vor.

"Sie werden es nicht glauben, aber unsere Arbeitsproduktivität ist um mindesten 50 Prozent gestiegen", sagte der behinderte Mitarbeiter Michael Böttcher, der sich im Namen der Belegschaft bei Baufirmen und Geldgebern bedankte. "Es sind sehr schöne Arbeitsräume entstanden."

40 neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in den Bereichen Montage sowie Garten- und Landschaftspflege konnten geschaffen werden. Wesentlich bessere Arbeitsbedingungen und größere Arbeitsmarktnähe sind so entstanden.

Davon konnten sich die Besucher des Tages der offenen Tür dann überzeugen. Auch Manfred Peter wandelte durch die neuen Räume. Der jetzige Rentner war jahrelang Gruppenleiter in der Behindertenwerkstatt. Er erinnert daran, dass die Ursprünge dafür vor 45 Jahren in Forst gelegt wurden, damals noch in der geschützten Werkstatt der TGH Forst. "Wir haben damals Teile für die Forster Etagenheizung zugeliefert", erinnert sich Manfred Peter. "Schön, wie groß das jetzt hier geworden ist."