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| 16:56 Uhr

Festival-Vorgeplänkel
Wundersame Welt stimmt auf Zeitreise-Festival ein

 Die Zeitreise-Kunstausstellung im Besucherzentrum des Forster Rosengartens wurde nur durch Leihgaben von Unterstützern möglich.
Die Zeitreise-Kunstausstellung im Besucherzentrum des Forster Rosengartens wurde nur durch Leihgaben von Unterstützern möglich. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Ausstellung im Besucherzentrum des Rosengartens eröffnet, die ins mystische Steamrose-Reich entführt. Von Thoralf Haß

Einen ersten Vorgeschmack auf das am 7. September in Forst stattfindende „Steamrose“-Zeitreise-Festival bekommen derzeit Gäste des Rosengartens im dortigen Besucherzentrum vermittelt. Am vergangenen Freitag eröffneten Festival-Organisator Dirk Ruhbach und die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) eine Kunstausstellung, die Lust und Neugier auf den Veranstaltungshöhepunkt im zweiten Halbjahr 2019 machen soll.

Mit Sekt und Musik aus dem Leierkasten wurden die ersten Ausstellungsbesucher empfangen. Neben zahlreichen originell verkleideten Fans der Steampunk-Szene waren auch die Forster Rosenkönigin Stephanie II. sowie Vertreter der Senioren-Universität aus der polnischen Partnerstadt Lubsko zur Eröffnung erschienen. Die Begrüßungsreden wurden dafür ins Polnische übersetzt.

Simone Taubeneck betonte noch einmal das Alleinstellungsmerkmal des Festivals für die gesamte Region und lobte das Engagement der Organisatoren: „Immer mehr Forster sind in das Projekt involviert und mit dem Festival-Fieber angesteckt“, sagt sie.

Obwohl zeitgleich in Forst ein Bischofstreffen mit etwa 600 Teilnehmern stattfindet und viele Steampunker höchstwahrscheinlich stilecht mit Säbel- oder Dolchrepliken anreisen, werde von den Behörden auf die Sicherheit der Besucher geachtet, damit diese „ein richtig geiles Festival genießen können“, verspricht Taubenek. Sie hofft auf viele Besucher der Ausstellung, die sich Anregungen zum 7. September holen und hoffentlich später auch zum Fest kommen.

Dirk Ruhbach verkündete in seiner launigen Begrüßung die „eigentliche Wahrheit“ des Festivals: Im 19. Jahrhundert seien die ersten Boten auf eine Zeitreise ins Heute geschickt worden. Jahrelang hätten sich die Zeitreisenden ruhig verhalten, doch vor 15 Jahren stellte man fest, dass nun die Zeit reif sei, sich zu zeigen. Und weil die Deutschen vor allem für ihre Ämter und Behörden bekannt sind, habe man vor wenigen Wochen als erste Handlung in Forst das „Amt für Ætherangelegenheiten“ der Niederlausitz eröffnet, so Ruhbach. Mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht verspricht er: „Es wird nicht nur ein Festival, es wird eine Invasion!“

Mit ihren Leigaben haben Unterstützer die Ausstellung erst möglich gemacht. Die Schaupuppen für die Kostüme stammen von Günter Andreck vom Verein „Bündnis Noßdorf – Tradition und Zukunft“. Die Blumenarrangements stellt Gartenbau und Baumschule Engwicht zur Verfügung, die Infotafeln kommen von der Steampunk-Band „Drachenpflug“.

Die ausgestellten Objekte, Maschinen und Kostüme kommen größtenteils aus den Beständen der Initiatoren der Ausstellung. Alles sei handgemacht oder selbstgenäht, verraten Chris und Dirk Ruhbach. Und so warten viele Ausstellungsstücke mit originellen und überraschenden Details auf, die sich dem Betrachter erst auf den zweiten oder dritten Blick erschließen: Ein Korsett eines Frauenkostüms besteht aus Hunderten winzigen Zahnrädern, die ineinander verwoben wurden.

Dass die in der Raummitte bereitgestellten Sitzmöbel im früheren Leben einmal Fahrradteile waren, erkennt man erst bei genauerem Betrachten. Ganz Mutige trauten sich sogar, in eine Springfalle zu greifen und wurden vom unblutigen Ergebnis überrascht.

Größtes Ausstellungsstück ist ein Endzeit-Motorrad, „welches von einer Zeitreise aus dem Jahr 2069“ mitgebracht wurde, wie Besitzer Michael Zabel alias Freiherr von Bienitz aus Dolzig bei Leipzig erklärt. Über ein Jahr lang schraubte er an einem S50-Moped, baute einen Fahrradanhänger als Seitenwagen an, stattete das Fahrzeug mit einer Mini-Bar und einer simulierten Laserkanone aus. „Das Fahrzeug ist voll funktionstüchtig und fahrbereit“, verrät der stolze Besitzer.

Die mechanische Papageiendame Marie Antoinette begrüßte im strengen Beamtenton im eigens für die Ausstellung eingerichteten „Amt für Ætherangelegenheiten“ mit einem krächzenden „Der Nächste bitte!“ die Besucher. Auch neue Stempel für den Zeitreisepaß sind hier erhältlich.

Im magischen Bilderrahmen gibt es Bewegtbilder, viele kleine Kästchen und Dosen versprechen geheimnisvolle Inhalte. Einen kurzen Ausschnitt aus dem Videofilm, der auf das Festival hinweisen soll und der kürzlich in Forst gedreht wurde, gibt es in einer Ecke der Ausstellung zu sehen.

Umrahmt wird die Kunstausstellung von faszinierenden Fotos des Cottbuser Fotografen Jörg Friebe. Er hat reale Menschen fotografiert und per Computer in eine Fantasywelt eingefügt. Das Endergebnis beeindruckt mit einer ungewöhnlichen Farbbrillanz und Vielfalt an Stimmungen. „Ich schaue mir die Leute an, die ich fotografiere, und lasse mir von ihnen erzählen: wie sieht ihre Welt aus? Darauf aufbauend montiere ich die Personen, unterstützt mit anderen Details, in vorgefertigte Landschaften“, erklärt der Fotokünstler seine Arbeitstechnik. Aus 50 bis 80 einzelnen, manchmal noch so kleinen Motiven entsteht in ein bis zwei Monaten das endgültige Foto. „Ich will beim Betrachter des Bildes das Kopfkino in Gang setzen“, sagt Friebe.

Es ist eine kleine Welt voller wundersame Dinge, die es im Besucherzentrum zu entdecken gibt. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 11. Juni täglich zu den regulären Öffnungszeiten des Rosengartens. Der Eintritt ist frei.

 Die Zeitreise-Kunstausstellung im Besucherzentrum des Forster Rosengartens wurde nur durch Leihgaben von Unterstützern möglich.
Die Zeitreise-Kunstausstellung im Besucherzentrum des Forster Rosengartens wurde nur durch Leihgaben von Unterstützern möglich. FOTO: Thoralf Haß