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| 18:30 Uhr

Forst
Ausstellung 130 Jahre Sport in Sacro feierlich eröffnet

 Groß war das Interesse an der Ausstellungseröffnung in Sacro. Bei frühlingshaften Temperaturen saßen die Besucher auf dem Hof unter Sonnenschirmen. 
Groß war das Interesse an der Ausstellungseröffnung in Sacro. Bei frühlingshaften Temperaturen saßen die Besucher auf dem Hof unter Sonnenschirmen.  FOTO: Margit Jahn
Forst. Der Hüter der Erinnerungen- Reinhard Natusch lud zu einer Zeitreise in eine sportliche Vergangenheit ein Von Margit Jahn

„Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis, aber jeder Augenblick ist ein Geschenk.“ Reinhard Natusch freute sich über  die große Resonanz auf seine neue Ausstellung. Gleich zwei lange Bankreihen als Kaffeetafeln waren zur besten Kaffeezeit gut gefüllt.

Natusch erzählte, wie schwer es nach 1945 war, den Sport wieder auf zu bauen. Besonders der traditionelle Handball sollte wieder entstehen.

Herbert Puder war einer von ihnen. Erst am 16. März feierte er senen 90. Geburtstag.  1951 wurde er mit der Sacroer Mannschaft Handball-Landesmeister. Sport bedeutete damals, ein geselliges Vereinsleben zu pflegen und Freude an der Bewegung zu haben. Im Lokal ging man anschließend seine Siege feiern, aber auch seine Niederlagen verkraften.

Am 31. Oktober 1888 wurde ein Gewerbeverein gegründet, am 3. Dezember 1906 die Turnerabteilung. Der Sacroer Georg Pfau kehrte als erster Sieger des Vereines vom Jahnturnen aus Freiburg a.U. zurück.

Die Radfahrriege entstand 1910. Neben der Theaterabteilung gab es vor dem ersten Weltkrieg Gesang, Reigendamen und -herren und eine Faustballmannschaft. Ein Eichensträußchen belohnte die Sieger im Wettturnen der Jugendturner am Reck, Barren, Pferd, Freiübung, Stabweitspringen, Kugelstoßen und 100-Meter-Lauf im Siebenkampf 1913.

Unzählige und unschätzbare Fotos dokumentieren die stolzen Sportler im Heimatstübchen. Die meisten sind mit Namen versehen, einige sind noch offen. Aus dem Gewerbe-und Turnverein wurde am 1. Januar 1925 der „Turnverein 1888 Sacro“. Unzählige Medaillen folgten.

Als gemeinsam das ehemalige Vereinslied „Schwarz und Rot“ gesungen wurde, brauchte Herbert Puder kein Textblatt. „Ich war von Kind an, seit dem achten Lebensjahr im Verein.“ Barren und Boden waren seine Favoriten. Bei den Kindern war er später der Vorturner. Mit 17 Jahren hat er, wie auch Reinhard Natusch und der anwesende Werner Krause, in der Männermannschaft mitgespielt. „Wir hatten damals keinen Trainer, haben das unter uns ausgemacht“, sagte er.

Auch Manfred Mudlack war bei der Eröffnung dabei. Der „Cortinas“-Artist ist heute 92, kann aber noch viele Episoden so bildhaft erzählen, das sie andere mitreißen.  So erinnert er sich an das große Schauturnen 1942, für den damals 16-Jährigen „ein Riesen Erlebnis“, von 146 Teilnehmern mit vier Forstern unter den 20 Besten von Deutschland gewesen zu sein. „Wir durften an allen Geräten zur gleichen Musik im Olympiastadion beim Schauturnen turnen.“ Dann aber auch die Erkenntnis: „Und wer ist davon noch übrig? Wer ist unverwundet aus dem Krieg gekommen?“ Mudlack selbst ist erst vor erst drei Jahren „in Rente“ gegangen. Er kann sich auch nicht gut ans Reigenradfahren erinnern. Weil die Zahl 13 nicht beliebt ist, wurden Manegen 12,5 oder 13,5 Meter groß gebaut, verriet er. Der Reigenfahrer fuhr seine Kreise, während der Fahrt sprangen bis zu fünf Sportler auf und machten ihre Kunsttücke auf dem Rad. Leider gibt es diesen Sport derzeit nicht mehr, so Mudlack. Im Kreis wird übrigens immer links gefahren, wegen der Herzseite, verrät der Artist.

Der Forster Maler Manfred Gebhardt übergab Reinhard Natusch ein großes gemaltes Bild als Schenkung, welches die Mühlgrabenlandschaft darstellt. Er wollte schon immer mal ein Original haben, sagte Natusch, und freute sich sehr über das schöne Werk. Und erhielt noch mehr Lob vom aus dem Nachbarort stammenden Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD): „Danke, das wir dich haben. Du bist jemand, der Tolles leistet!“ Und er fragte sich, wie so ein  kleines Dorf solche Erfolge im Sport feiern konnte. Seine Antwort: „Der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung.“

 Groß war das Interesse an der Ausstellungseröffnung in Sacro. Bei frühlingshaften Temperaturen saßen die Besucher auf dem Hof unter Sonnenschirmen. 
Groß war das Interesse an der Ausstellungseröffnung in Sacro. Bei frühlingshaften Temperaturen saßen die Besucher auf dem Hof unter Sonnenschirmen.  FOTO: Margit Jahn