Von Steffi Ludwig

„Klar, Forst ist nicht New York, aber Forst ist Forst. Und das ist ja auch was Tolles!“ Die Aussage von Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen, ist deutlich – genau wie die Liedtexte der Leipziger Band. Vor dem Konzert in der Forster Stadtkirche St. Nikolai, zwischen Soundcheck und Abendbrot, hat er sich kurz Zeit genommen, um mit der RUNDSCHAU zu sprechen.

Ob er sich an den fulminanten Auftritt zum 750. Forster Stadtjubiläum im Jahr 2015 erinnere, als ihnen 10 000 Menschen zujubelten? „Na klar, da haben wir erst vorhin drüber gesprochen, als wir am Markt an der damaligen Festwiese vorbeigelaufen sind“, sagt Sebastian Krumbiegel. „Das war toll damals, es waren wirklich viele Leute da.“ Klar verwischten die Erinnerungen angesichts der vielen Konzerte – in diesem Jahr standen mindestens 40 Kirchenkonzerte, vier große Open-Airs und auch „normale“ Konzerte an – aber Besonderes steche eben heraus.

Und er sowie die anderen Prinzen versuchen, sich auch Zeit zu nehmen, sich die jeweilige Tour-Stadt anzusehen. „Jede Stadt hat sympathische Ecken und coole Leute“, hat der Sänger festgestellt. So sei er nach der Ankunft in Forst auch ein Stückchen herumgelaufen. „Die Fahrt von Burg, wo wir am Mittwoch waren, war ja nicht so weit.“ In der Forster Kirche – es ist das zehnte Konzert ihrer Tour – treten sie das erste Mal auf. „Jede Kirche ist anders, von der Akustik her, aber auch von der Mentalität des Publikums“, hat Sebastian Krumbiegel festgestellt.

Die Forster Stadtkirche bebt am Donnerstagabend jedenfalls, als die Prinzen die Bühne vor dem Altar betreten. Mit tosendem Applaus und lautem Jubel werden sie schon nach den ersten Titeln im Kirchenschiff und von der Empore gefeiert. „Es war nicht alles schlecht“ oder „Du musst ein Schwein sein“ – die Leipziger legen sich voll ins Zeug. Obwohl die fünf Sänger inzwischen alle über 50 sind, scheinen sie doch nichts von ihrer stimmlichen Qualität und ihrer Auftrittsfreude eingebüßt zu haben. „Es ist toll, dass wir das machen können, was uns am meisten Spaß macht, und dass uns die Leute auch nach fast 30 Jahren noch hören wollen“, bekennt Sebastian Krumbiegel, der euphorisch in seinen Turnschuhen über die Bühne springt.  Es sei zudem ein großes Glück, dass sich die vier ehemaligen Thomaner Tobias Künzel, Wolfgang Lenk, Henri Schmidt und Sebastian Krumbiegel seit der Kindheit kennen. Nur Jens Sembdner sang damals im Dresdner Kreuzchor.

Zwischen ihren Liedern von vergammelten Speisen oder dem Mann im Mond flechten sie immer wieder witzig-ironische Anekdoten ein: von ihrer Ankunft im Forster Hotel Rosenstadt oder vom sportlichen Jens Sembdner, der am Nachmittag noch schnell eine Rose gepflanzt und die Neiße durchschwommen habe.  

Die Forster Kirche ist mit ihren rund 420 verkauften Karten bei rund 550 Plätzen nicht ganz ausverkauft – aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren bilden einen großen Chor, wären gerne Millionär oder besingen, dass alles nur geklaut ist. „So etwas Tolles habe ich hier noch nicht erlebt“, schwärmt die Forsterin Ingeborg Fabian, der man ihre 90 Jahre nicht ansieht. Begeistert jubelt und klatscht sie in der vierten Reihe mit.

Nach rund 20 Liedern und einer schweißtreibenden Vorstellung verkünden die Prinzen: „Wir machen noch so lange Musik, wie wir krauchen können!“

Am 24. September besuchen die Prinzen auf ihrer Tour auch die Oberkirche Cottbus. Das Konzert ist jedoch ausverkauft.