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Auslaufende Bürgerarbeit bereitet Probleme

Basisarbeit bei der Talentsichtung in Schulen: Radsport-Trainer Andreas Lehmann konnte über das Projekt Bürgerarbeit beim PSV in Forst arbeiten. Eine echte Anstellung kann der Verein nicht bezahlen. Er hinterlässt eine Lücke.
Basisarbeit bei der Talentsichtung in Schulen: Radsport-Trainer Andreas Lehmann konnte über das Projekt Bürgerarbeit beim PSV in Forst arbeiten. Eine echte Anstellung kann der Verein nicht bezahlen. Er hinterlässt eine Lücke. FOTO: Jan Selmons
Spree-Neiße. Die Bürgerarbeit läuft aus. Ein vergleichbares Nachfolgeprojekt gibt es nicht. Das bereitet vielen Kommunen und Vereinen Kopfzerbrechen. Denn die auslaufenden Stellen reißen Löcher. Christian Köhler, Jan Selmons, René Wappler und Silke Halpick

Andreas Lehmann steht in der Sporthalle der Grundschule Mitte in Forst mit Fahrrädern vor Dutzenden Kindern. Er erklärt Gangschaltungen, Fahrradtypen und Fahrradkleidung. "Wir machen solche Veranstaltungen regelmäßig, um Nachwuchs zu gewinnen", erklärt er. Für den PSV war er über das Projekt Bürgerarbeit als Trainer angestellt. Damit ist jetzt Schluss. Das Loch, das er hinterlässt, ist schwer zu stopfen. "Ich versuche halt, ehrenamtlich so viel wie möglich zu machen", so Lehmann.

Soziale Träger trifft es hart

Andreas Lehmann ist kein Einzelfall. Am 1. Januar 2015 läuft die Förderung für das Projekt Bürgerarbeit in Brandenburg aus. Sie soll sukzessive, je nachdem, wann der Bürgerarbeiter mit seiner Tätigkeit begonnen hat, eingestellt werden. Der Landkreis Spree-Neiße sowie dessen Kommunen sind stark von dem Wegfall der Bürgerarbeit betroffen.

Nach Angaben des Werkleiters des Jobcenters und ersten Beigeordneten Hermann Kostrewa (SPD) waren in dem Programm 370 Leute untergekommen. Etwa 20 bis 30 werden in den kommenden Monaten demnach pro Monat aufhören. "Gerade für viele soziale Träger ist das ein Problem", so Kostrewa. Zwar wird auf Landesebene von einem Nachfolgeprogramm geredet, sagt Jörg Noack, Leiter Beschäftigungsförderung des Eigenbetriebes Jobcenter. Doch das sei nicht mit dem bisherigen Programm vergleichbar und anders gelagert. "Das war eine zentrale Entscheidung, bei der die Landkreise geringen Einfluss hatten", bedauert er.

Der Spremberger Bundestagsabgeordnete und frühere Stadtchef Klaus-Peter Schulze (CDU) bestätigt: "Zurzeit ist an eine Fortsetzung der Bürgerarbeit nicht gedacht." Diese Tatsache bereitet auch seiner Nachfolgerin, der parteilosen Bürgermeisterin Christine Herntier, Kopfzerbrechen. "Im Bereich der Grünpflege werden wir künftig wohl nur noch unsere grundlegenden Aufgaben bewältigen können", sagt sie. "Vom Winterdienst in der bisherigen Dimension rücken wir aber bei allen Schwierigkeiten nicht ab — der steht keinesfalls zur Debatte."

Auch für die Stadt Döbern bedeutet der Wegfall der Bürgerarbeit tiefgreifende Einschnitte. "Mit dem Auslaufen der Förderung fallen sechs Bürgerarbeiter zum 30. April auf einen Schlag weg", erklärt der stellvertretende Amtsdirektor Mike Lenke vom Amt Döbern-Land im Bauausschuss. Umso bitterer für die Stadt: Auch die vier Bundesfreiwilligendienstler hören in diesem Jahr auf. Damit fehlen Döbern zehn Arbeitskräfte, die im Bauhof und Friedhof ihren Dienst verrichten. "Wir haben uns die Haare gerauft, wie wir das Problem in den Griff bekommen", berichtet Amts-Kämmerer Sören Reichelt. Er sehe wenig Möglichkeiten, dass Neueinstellungen und damit höhere Kosten für das Amt umgangen werden könnten. Ohnehin hätten keine Neueinstellungen zur Folge, dass das Stadtbild Döberns durch fehlende Reinigungsmaßnahmen erheblich leiden würde. Darauf verweist Uwe Eppinger, der zudem auf die hohe Altersstruktur bei den Friedhofsmitarbeitern aufmerksam macht. "Wir brauchen nun schnelle Lösungen", sagt er.

Stadtpflege ungewiss

In Guben werden ebenfalls insgesamt elf Bürgerarbeiter-Stellen auslaufen. Das bestätigt Susann Winter, Pressesprecherin der Stadtverwaltung. Zwei Bürgerarbeiter hatten an den Chroniken der Gubener Ortsteile Kaltenborn, Schlagsdorf, Bresinchen, Groß Breesen, Deulowitz und Reichenbach mitgearbeitet. Die Chroniken sind fertig, das Projekt somit abgeschlossen.

Anders sieht es bei den neun Bürgerarbeitern aus, die bisher im gesamten Gubener Stadtgebiet für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Sie fegen im Herbst das Laub oder sammeln Müll von den Gehwegen und Grünanlagen. Welche Auswirkungen der Wegfall der Stellen hat, kann derzeit nicht konkret gesagt werden. Möglicherweise sehen die Bürger das künftig an der einen oder anderen Stelle. Die Stadt wolle sich zumindest bemühen, den Wegfall wenigstens teilweise mit Mitteln aus dem Haushalt zu kompensieren, betont Winter. Allerdings werde das nicht im bisherigen Maß möglich sein.