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| 18:40 Uhr

Forst
Aus Stoff genähte Collagen wecken Emotionen

Textilkünstlerin Brigitte Kopp (2.vr.) ist bei der Eröffnung der Ausstellung im Textilmusuem ständig umringt und im Gespräch mit Besuchern.
Textilkünstlerin Brigitte Kopp (2.vr.) ist bei der Eröffnung der Ausstellung im Textilmusuem ständig umringt und im Gespräch mit Besuchern. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Die Ausstellung von Brigitte Kopp zeigt im Brandenburgischen Textilmuseum 30 textile Arbeiten der international bekannten Künstlerin. Von Angela Hanschke

Mit der neuen Sonderausstellung „Brigitte Kopp – Über Menschen“ ist dem Brandenburgischen Textilmuseum wieder ein großer Wurf gelungen. Zu verdanken ist er der kreativen Neugier von Museumsleiterin Michaela Zuber und Museumsgeschäftsführerin Angela Maaß, die im vergangenen Jahr im Luckauer Niederlausitz-Museum eine Ausstellung der Künstlerin besuchten.

Die Werke von Brigitte Kopp nach Forst zu holen, erwies sich als richtig. Das bewiesen die begeisterten Reaktionen der Kunstfreunde, die sich von den böigen Ausläufern des  Orkanstiefs „Friederike“ nicht vom Besuch der Vernissage abhalten ließen. Ihnen war ebenso wie anfangs den beiden Museumsmitarbeiterinnen nicht klar, dass es sich bei Brigitte Kopp um eine bereits weltweit erfolgreiche Künstlerin handelt. „In den USA bin ich bekannter als hier“, sagte Brigitte Kopp, die inmitten ihrer textilen Collagen und Skulpturen ständig von Ausstellungsbesuchern umringt und befragt wurde. Von einem zumeist sehr fachkundigen Publikum aus der Stadt, die mehr als 150 Jahre von der Textilindustrie geprägt wurde. Da wog die Begeisterung schwer. Auch die Auszeichnungen, darunter der „Fine Art Quilt Master 2014“ in Birmingham oder der hoch dotierte erste Preis der „Gala oft the Unexpected“ in Paducah im US-Bundesstaat Kentucky.

Das besondere Talent scheint Brigitte Kopp in die Wiege gelegt zu sein, denn die gebürtige Berlinerin wuchs teilweise in Paris auf, bei einer Tante, die als Schneiderin für die Oper und für die Pariser Couture, darunter Karl Lagerfeld, tätig war. Diese kreative Umgebung inmitten von Stoffen, Nadel und Faden hat sie nachhaltig geprägt. Doch erst im Jahre 2008 entdeckte sie die Textilgestaltung für sich, absolvierte zuvor ein Kunst- und Musikstudium, wandte sich der Malerei und Graphik zu und unterrichtete an Musikhochschulen in Berlin, Linz und Wien. „Inzwischen lebe ich freischaffend von und für meine Kunst“, sagte sie am Donnerstagabend.

Ins Gespräch kam sie nicht nur mit der Forsterin Ingrid Ebert, die sich privat dem Filzen verschrieben hat, sondern auch mit deren Begleiterin, der aus dem Iran stammenden Textildesignerin Fatime Koovepazi, die am Kalenderprojekt „Ich bin Vielfalt“ des Forster Flüchtlingsnetzwerk mitwirkte sowie den Mitgliedern des „Amateur-Flötenensembles“ um die Musikpädagogin Beate Lumpe vom Cottbuser Konservatorium, die den musikalischen Rahmen boten. Die Collage „Die Ankunft“ würde sie am liebsten mal für Gesprächsrunden ausleihen, meinte Ingrid Ebert. Auch die Forster Textilkünstlerin Sigrid Henschke (76), deren große Leidenschaft dem Patchwork und dem Gestalten von klassischen Quilts gehört und die seit mehr als einem Jahrzehnt mit Gleichgesinnten zweimal monatlich im Textilmuseum diesem Hobby nachgeht, war beeindruckt. Angesichts der ausgestellten modernen, nach individuellen Entwürfen gefertigten Artquilts verbarg sie ihre Bewunderung nicht. „Totaler Wahnsinn! Wie viel Fleiß und Mühe hier drin steckt“, sagte sie.

30 Werke von Brigitte Kopp, die als „shooting star“ der Quilter-Szene gilt, können nun in Forst betrachtet werden. Sie bestehen aus Seide, Leinen, Baumwolle, aber auch Latex und verführen geradezu zum „Berührenwollen“. Das Besondere daran ist: Es gibt keine Vorlagen für ihre Kompositionen und ihre künstlerische Ausdrucksform – eine Kombination von Freihandzeichnen mittels Nähmaschine und handgearbeiteten, gestickten Stichen, die sie auf Lagen von dezent kolorierten, selbstgefärbten oder bemalten Stoffen aufbringt. „Collagen, genäht, bemalt, zerschnitten, zusammengesetzt, ausgestopft, Einschlüsse verdeckend“, beschrieb dies Michaela Zuber in ihrer Laudatio. Doch nicht nur ihre handwerkliche Perfektion berührte, sondern die Aussage ihrer mit dunklem Faden umrissenen „Zeichnungen“.

„Was mich bewegt, was mich fasziniert, verarbeite ich mit Textilien“, so Brigitte Kopp und ergänzt: „Ich will keine Botschaften verkünden sondern Emotionen wecken.“ Zum Nachdenken regten ihre Themen wie Kindesmissbrauch, Angst, Furcht, Ausbeutung und Überforderung von Frauen, aber auch Flucht ausgiebig an. Manche Details werden sich erst beim nochmaligen Besuch der Ausstellung offenbaren.