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Aus für Kurs verärgert Teilnehmer

Seit zehn Jahren gibt es den Tai-Chi-Kurs an der Kreisvolkshochschule. Überraschend für die Teilnehmer findet er im neuen Semester nicht mehr statt. Während die Kreisvolkshochschule auf eine Verordnung des Landes verweist, sieht man in Cottbus keine Probleme.
Seit zehn Jahren gibt es den Tai-Chi-Kurs an der Kreisvolkshochschule. Überraschend für die Teilnehmer findet er im neuen Semester nicht mehr statt. Während die Kreisvolkshochschule auf eine Verordnung des Landes verweist, sieht man in Cottbus keine Probleme. FOTO: Katrin Kunipatz
Spree-Neiße. Ein Volkshochschulkurs wird ersatzlos gestrichen. Teilnehmer und Dozentin sind überrascht. Ihre Fragen zu den Gründen werden unbefriedigend beantwortet. Die angebotenen Alternativen sind für die Senioren wenig hilfreich. Im Kreistag machen sie ihren Ärger öffentlich. Eine Lösung deutet sich erst für September an. Katrin Kunipatz

Seit zehn Jahren besuchen Günther Mattern und seine Frau den Tai-Chi-Kurs in der Kreisvolkshochschule (KVHS). Gemeinsam mit zehn anderen Damen und Herren zwischen 65 und fast 80 Jahren trifft man sich im Gymnastikraum an der Turnhalle des Oberstufenzentrums. Die langsamen Übungen schulen Gleichgewicht und Koordination und kräftigen gleichzeitig die Muskulatur. Genau richtig für viele der Senioren, die aufgrund verschiedener Beeinträchtigungen keinen anderen Sport ausüben können. Siegfried Paul beschreibt Tai Chi, das auch unter dem Namen chinesisches Schattenboxen bekannt ist, als "Massage für Körper und Seele". Für andere langjährige Teilnehmer ist der Kursbesuch eine wichtige Möglichkeit, Kontakte zu pflegen. Freundschaften sind über die Jahre gewachsen.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam Ende November die Nachricht von der Kreisvolkshochschule, dass der Tai-Chi-Kurs im Frühjahrssemester nicht mehr angeboten wird. Selbst Dozentin Trixi Kaiser-Klopfleisch erhielt erst auf Nachfrage die Information, dass dieser Kurs und ein ebenfalls seit zehn Jahren von ihr gegebener Pilates-Kurs im nächsten Semester nicht mehr angeboten werden. Briefe wurden verfasst und Gespräche mit dem Team der KVHS geführt. Für Teilnehmer und Dozentin blieben die Antworten unbefriedigend. Von einer inhaltlichen Umstellung der KVHS war die Rede. Unverständlich für die Kursteilnehmer blieb, warum gerade ihr Kurs, der jedes Semester ausgebucht ist, wegfallen soll, während andere Kurse wegen mangelnden Interesses gar nicht erst stattfinden.

Seiner Verärgerung machte Günther Mattern im Namen aller Teilnehmer in der Dezember-Sitzung des Kreistages Luft. Landrat Harald Altekrüger bot ein Gespräch an, mit dem Ziel eine Lösung im Sinne der Teilnehmer zu finden. Man traf sich kurz vor Weihnachten. In dieser Runde erläuterte Eva Szramek, die Fachbereichsleiterin für Schule und Kultur im Landratsamt, den Teilnehmern, warum der Kurs nach zehn Jahren nicht mehr weitergeführt werden kann. Die KVHS Spree-Neiße erhält Landesmittel und muss deshalb bestimmte Regeln bei der Auslegung der Kurse einhalten. Eine ministerielle Verordnung verpflichtet die Volkshochschulen Kurse anzubieten, in denen die Teilnehmer etwas erlernen, um es dann selbst weiterzuführen. Wenn ein gleichbleibender Personenkreis über Jahre hinweg den immer gleichen Kurs besucht, könne nicht mehr vom Erlernen eines Sports gesprochen werden, so Eva Szramek: "Deshalb darf der Kurs so nicht weiterlaufen." In zurückliegenden Semestern habe man immer wieder mit andere Kursnamen und Beschreibungen gearbeitet, aber die Möglichkeiten seien jetzt erschöpft. Den Teilnehmern habe man angeboten, eine private Sportgruppe zu gründen und die Räume dafür über den Landkreis zu mieten. Ein Angebot, das Günther Mattern und die anderen nicht annehmen wollen. Die Senioren schrecken vor dem organisatorischen Aufwand zurück.

Da das neue Semester schon Anfang Februar beginnt, werden die Damen und Herren im nächsten halben Jahr auf ihren Tai-Chi-Kurs verzichten müssen. Wahrscheinlich werden sie an der KVHS gar keinen Sportkurs belegen, weil die anderen Angebote nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Eva Szramek erklärt: "Wir wollen für das nächste Semester etwas hinstricken, das passt und für die Teilnehmer funktioniert." Wie die Inhalte konkret aussehen werden, hänge letztlich vom Dozenten ab. Wer es sein wird, steht noch nicht fest. "Angefragt werden immer mehrere Dozenten, ob sie entsprechende Kurse in Forst anbieten können", so die Fachbereichsleiterin.

Die Teilnehmer des Tai-Chi-Kurses sind mit diesen Antworten noch nicht zufrieden. "Wir ärgern uns fürchterlich, dass man uns einfach auf die Straße setzt", so Günther Mattern. Auch seien von der Schule selbst keine Lösungsvorschläge gekommen. Erst der laute Protest scheine etwas in Bewegung gesetzt zu haben.

In Cottbus stellt sich die Frage offenbar überhaupt nicht. In der kreisfreien Stadt macht man weiter wie bisher. "Die von Ihnen benannten Probleme sind uns nicht bekannt", antwortete der Cottbuser Volkshochschulleiter Peter Rahmfeld auf eine entsprechende RUNDSCHAU-Anfrage. Entscheidungen zu Kursveranstaltungen in der jeweiligen Volkshochschule würden in Eigenverantwortung getroffen, so Rahmfeld.