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Auf Spurensuche am ehemaligen Gut Berge

Übrig geblieben vom ehemaligen Gut Berge ist unter anderem dieses Haus, das heute zwei Familien bewohnen.
Übrig geblieben vom ehemaligen Gut Berge ist unter anderem dieses Haus, das heute zwei Familien bewohnen. FOTO: Hans-Joachim Schulz
Forst/Zasieki.. Gegenüber der ersten Tankstelle in Zasieki (Berge) hinter dem Grenzübergang Forst-Sacro stehen Wohnhäuser, Scheunen, Stall- und Nebengebäude und ein einstöckiges, helles Wohnhaus: Das ehemalige Gut Berge. Hans-Joachim Schulz

Es lag am Ende der damaligen Richtstraße, die heute die Straße zwischen Tankstelle und Kreisverkehr ist.
Das Dorf Berge war einst Vorwerk der Herrschaft Forst-Pförten. In den Lehnsakten zur Zeit der Herrschaft der Bibersteiner (aus „Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer“ , Band 2 von 1981) wird es mit Jähnsdorf (heute Janiszowice) und Sacro erstmals im Jahre 1627 erwähnt. Zu Berge gehörten damals 21 auf dem Vorwerk Gut Berge wohnende Personen. Das Gut war von 1914 bis 1923 Besitz des größten Großgrundbesitzers in der Niederlausitz, des Grafen von Brühl in Pförten (heute Brody). Es umfasste 182 Hektar Ackerfläche. Ende der 1920er-Jahre wurde es mit 250 Hektar nach Forst eingemeindet. Die Stadtgrenze verlagerte sich bis an das heutige Ortseingangsschild Zasiekis.
Die Forsterin Elfriede Gadsch hat bis 1945 am Gut gewohnt. Ihr zufolge standen an der damaligen Richtstraße in Richtung Jähnsdorf mehr als 15 Wohngebäude, Stallungen, Scheunen und Nebengebäude. Erhalten sind heute nur elf. Auf der rechten Straßenseite aus Richtung Berge standen zwei nach dem Krieg abgerissene Bauernhöfe. Dazwischen führte ein Weg zum Forsthaus, wo Förster Mocek bis 1945 arbeitete. Nach der Eröffnung des Grenzüberganges Forst-Sacro wurde an der Stelle eines der Bauernhäuser ein Haus mit dem „Night-Club Europa“ errichtet. Auf der linken Straßenseite stand ebenfalls eine Bauernwirtschaft und heute der größte Teil des ehemaligen Gutes. In dem einstöckigen Wohnhaus wohnte nach Angaben von Elfriede Gadsch bis 1945 Gutsverwalter Julius Eberhard mit Familie. Heute bewohnen es zwei Familien. Auf dem Gut war nur ein Traktor stationiert, ansonsten Pferdegespanne. Das Haus für die Pferdeställe steht noch. Am Kuhstallgebäudes wurde vor 1945 eine Molkerei angebaut, die ebenso verschwunden ist wie die Gutsschmiede. An der Scheune vor der Gutsverwaltung hing eine Glocke, die zum Arbeitsbeginn aufrief. Kleine Wohnhäuser beherbergten die Arbeiterfamilien. Bis 1945 wohnten am und auf dem Gut 45 Personen. Die Kinder besuchten die Volksschulen in Berge.
Von der Jähnsdorfer Straße führte der „Gutsweg Berge“ bis auf den Gutshof. In Polen wurden die Flächen genossenschaftlich bewirtschaftet. Es folgten Flächenstilllegungen. Heute wird nur noch ein Teil der Ackerfläche individuell genutzt.