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| 02:50 Uhr

Auf den Spuren jüdischer Forster

Diese Schüler des Forster Gymnasiums haben in den Archiven geforscht. Angeleitet wurden sie dabei von Referendar Daniel Michaelis (2.v.l.), Lehrer Heiko Wölk (r.), den Lehrerinnen Christin Guttke und Karin Briesemann. Schulleiter Thomas Röger unterstützte das Projekt.
Diese Schüler des Forster Gymnasiums haben in den Archiven geforscht. Angeleitet wurden sie dabei von Referendar Daniel Michaelis (2.v.l.), Lehrer Heiko Wölk (r.), den Lehrerinnen Christin Guttke und Karin Briesemann. Schulleiter Thomas Röger unterstützte das Projekt. FOTO: kkz
Forst. Auf Spurensuche haben sich 26 Schüler des Forster Gymnasiums begeben. Sie forschten in Archiven nach den Spuren jüdischer Menschen, die in Forst lebten und während der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben wurden. Katrin Kunipatz

Den Anstoß gaben Referendar Daniel Michaelis und dessen Mentor und Lehrer am Gymnasium Heiko Wölk. Mit den damaligen Neuntklässlern hatten sie im Unterricht zum Thema Holocaust und Nationalsozialismus gearbeitet und eine kleine schulinterne Ausstellung zu überlebenden Kindern und Jugendlichen jüdischen Glaubens während des Holocausts erarbeitet. "Diese traf auf großes Interesse und ermutigte die Schüler, das Thema weiter zu bearbeiten", sagt Daniel Michaelis. Sein Anspruch ist es, dass sich die Jugendlichen durch entdeckendes, forschendes Lernen selbst ein Geschichtsbewusstsein erarbeiten. Bei Schulleiter Thomas Röger traf die Idee auf offene Ohren.

Die jährlich kurz vor den Winterferien stattfindende Projektwoche bot eine gute Gelegenheit, damit die Schüler intensiv in Archiven arbeiten konnten. "Zeitzeugen gibt es kaum noch. Bei einem ähnlichen 2005 durchgeführten Projekt lebten nur noch wenige", so Schulleiter Röger. Deshalb forschten die 26 Schüler der siebenten bis zehnten Klassen in den Archiven der Städte Forst und Cottbus. Einige verfolgten Spuren auch in der Gedenkstätte Sachsenhausen, in die viele Forster Juden nach der Pogromnacht 1938 gebracht wurden. "Die Schwerpunkte suchten sich die Schüler selbst", sagt Daniel Michaelis. Einem Puzzle gleich fügten sie aus den verschiedenen Dokumenten, Akten und Vereinslisten Steckbriefe für einzelne damals in Forst lebende Juden zusammen. In den Akten des Konzentrationslagers Sachsenhausen fanden die Schüler Spuren der in Forst 1938 verhafteten Juden. Die meisten wurden wieder freigelassen und zur schnellen Ausreise gedrängt. Danach verliert sich ihre Spur. Trotzdem ist es den Schülern gelungen, eine kleine Ausstellung zum Tag der offenen Tür zu gestalten. Neu ist die Öffnung des Projektes für die Öffentlichkeit. Schon während der Projektwoche stellten die Schüler Erarbeitetes und Fotos bei Twitter ein. Wer wollte, konnte im Internet die Arbeit verfolgen. Damit soll nach der Projektwoche nicht Schluss sein, verspricht Daniel Michaelis. "Es gab bereits einige, die uns Material für die weitere Spurensuche zur Verfügung stellen wollen", sagt er. Schulleiter Thomas Röger erklärt: "Die gesammelten Fakten über das Schicksal einzelner Forster Juden wollen wir dem Projekt Stolpersteine zur Verfügung stellen, an dem die Stadt Forst gerade arbeitet."

Noch bis zum Ende seines Referendariats will Daniel Michaelis gemeinsam mit den Schülern an dem Thema arbeiten und auf Twitter über neue Erkenntnisse berichten. Außerdem hofft er, dass das Projekt fortgeführt wird. Es gibt bereits eine Einladung zum Landeshauptarchiv in Potsdam. Und der Schulleiter vermutet, dass weitere Forster Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus im Archiv in Zary liegen. Vielleicht gibt es dort Anhaltspunkte, was mit den aus Sachsenhausen zurückkehrenden Menschen passiert ist. Die Spurensuche ist also noch nicht beendet.

Zum Thema:
Die Schüler haben die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit in den Archiven öffentlich ausgestellt. Einiges ist in Vitrinen einer kleinen Ausstellung im Stadtmuseum Cottbus zu sehen. Der große Teil der Berichte, Fotos der Dokumente und Zusammenfassungen sind bei Twitter-Hashtag #spurensucherforst zu sehen. Hier soll das Geschichtsprojekt durch die Mithilfe weiterer Hinweisgeber aus Forst und Umgebung auch fortgeschrieben werden.