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Auch Talente haben ein wenig Lampenfieber

Groß Bademeusel.. Eigentlich spielte der Zufall gehörig mit, dass Cindy Nökel ihren Weg zum Faustball fand. Dem Zufall hat die SG Bademeusel aber eines ihrer größten Talente zu verdanken. Zum ersten Mal seit 1990 wurde mit der 17-Jährigen wieder ein SG-Sportler in eine deutsche Nationalmannschaft berufen. Am Wochenende wird Cindy Nökel bei der Europameisterschaft der weiblichen Jugend im italienischen Bozen antreten. Von Simone Herrmann und Jürgen Scholz

Da darf man schon etwas aufgeregt sein. Zuhause übt die 17-jährige Gymnasiastin, ärgert sich, wenn etwas nicht klappt. Hofft, dass ihr diese Fehler in Bozen nicht passieren, „dass ich nicht vorzeitig vom Feld genommen werde“ . Lampenfieber. Dabei gehört Cindy Nökel zu den Stützen der Bademeuseler Mannschaft, die in der zweiten Bundesliga spielt. Als erste Angreiferin macht sie die Punkte, die spielentscheidend sein können. Beim fünften Sichtungslehrgang war es soweit, wurde sie zum Auswahllehrgang der Jugendnationalmannschaft eingeladen, musste zwei Tage lang Schwerstarbeit leisten, die sich lohnte. Morgen tritt sie die Fahrt nach Italien an, begleitet von ihrem Vater und einer zehnköpfigen Faustballergruppe aus Groß Bademeusel.
Dass ihr Trainer Charlie Herrmann schon am Anfang in ihr ein Talent schlummern sah, erfuhr sie erst jetzt von ihrem Vater im RUNDSCHAU-Gespräch. „Das kann mal eine Große werden“ , habe der Trainer zu ihm gesagt, erinnert sich Jürgen Nökel heute. Die so Gelobte hat das erst acht Jahre später zu Gehör bekommen. „Das ist manchmal besser so“ , meint der Vater.

Nach Stürze zum Faustball
Damals war Cindy neun Jahre alt und drehte zum Leidwesen ihres Vaters gerade dem Reitsport den Rücken zu, Jürgen Nökel, der Sektionsleiter der Bademeuseler Reiter, sah es mit einem gewissen Bedauern: „Sie hatte auch da Talent.“ Aber zwei Stürze hatten sich wohl irgendwo tief ins Unterbewusstsein eingegraben. Als die Familie von Forst nach Groß Bademeusel zog, bot sich dort der Mannschaftssport Faustball an. „Die Gemeinschaft, das Mitorganisieren“ , das waren Gründe für das junge Mädchen, sich in den Faustballsport zu knien, erinnert sich die junge Frau heute. Es spielten also einige Zufälle mit, dass die Faustball-Hochburg Bademeusel ein neues Talent in ihre Reihen bekam. Ihre Mannschaft wurde im vergangenen Jahr erstmals in der Vereinsgeschichte ostdeutscher Meister der weiblichen Jugend.
Am Freitag werden sich die deutschen Mädchen erst einmal miteinander einspielen. Am Samstag und Sonntag wird es dann richtig ernst. Denn die Gruppe ist zwar relativ klein, die Konkurrenz ist aber hart: Die Schweiz ist amtierender Europameister, Deutschland war beim letzten Mal Zweiter, Österreich Dritter. Eine Herausforderung. Nach der Meisterschaft geht es für die junge Nationalmannschaft noch weiter. Die zehn besten Jugendfaustballerinnen Deutschlands werden anschließend am internationalen Jugendlager teilnehmen.
Noch zwei Jahre, dann steht das Abitur an. Und was kommt danach? „Am liebsten“ , so Cindy Nökel, „hier bleiben.“ Oder zumindest dahin, wo man Faustball spielt.

Hintergrund Weltmeister kommen
 Im Rahmen der Feier zum 50-jährigen Bestehen der SG Bademeusel werden auch die ganz Großen aus dem Faustballsport kommen. Beim Nationen-Cup treten am 16. August Weltmeister Brasilien, Vize-Weltmeister Deutschland und Europameister Österreich in Groß Bademeusel an. Es ist eines der letzten Vorbereitungsturniere vor der WM im November.