Ich bin also "Betroffener”. Der Artikel lässt insbesondere die in der Diskussion gehörten Stimmen der Eltern der Musikschüler außer Acht, die ja die eigentlich "Betroffenen” der Entgelterhöhung sein würden. Die Eltern lobten die Arbeit der Musikschullehrer in den höchsten Tönen, deren großes fachliches Können und persönliches Engagement, das häufig weit über die bezahlten Stunden hinausgeht. (…) Der Artikel vermittelt den Eindruck, die politischen Akteure (oder gar der Musikschulleiter) hätten an diesem Abend den Eltern eine neue Entgeltordnung für ihr städtisches Luxus-Projekt "Musikschule” aufzwingen wollen oder müssen. Das stellt die Diskussion auf den Kopf: die Eltern versuchten vielmehr die Abgeordneten davon zu überzeugen, dass diese die neue Entgeltordnung doch bitte verabschieden mögen, um die bestehende Angebotsvielfalt und hohe Qualität der Musikschule zu erhalten. (…) Meine Befürchtung ist, dass Ihr Artikel zu einer Polarisierung des Themas beiträgt und damit die konstruktiven Bemühungen konterkariert, die durch die Einberufung der Diskussionsrunde unternommen wurden. Schon die plakative Überschrift weckt beim Leser Widerstand. Die Stadtverordneten (…) könnten sich durch die so erzeugte Stimmung veranlasst sehen, der neuen Entgeltordnung zu widersprechen, um dem Ärger des Wahlvolks zu entgehen. Dabei würden sie paradoxerweise gegen den Willen des Großteils der Betroffenen (Eltern) handeln. Jede Verzögerung oder Stufung der neuen Entgeltordnung (z. B. nach Elterneinkommen) würde zudem zu 100 Prozent auf dem Rücken der bis zur Schamgrenze ausgebeuteten Honorarkräfte ausgetragen. (…)

Ruhig, aber unmissverständlich

Dorothea Röger schreibt zum Abschied des Forster Polizeirevierleiters Reinhard Dockter (RUNDSCHAU vom 30. Januar):

Ich habe Herrn Dockter vor über zwei Jahren bei der Gründung des Flüchtlingsnetzwerks kennengelernt, ich vertrete dort die Forster Brücke, er die Polizei. Als es zwei ganz konkrete Probleme gab, die ich zur Sprache brachte - tschetschenische Frauen hatten sich in der Öffentlichkeit bedrängt und diffamiert gefühlt - war Herr Dockter sofort bereit, der Sache auf den Grund zu gehen und darüber hinaus die Frauen zu ermutigen, sich an die Polizei zu wenden, wenn etwas vorfällt, das sie als beleidigend oder bedrohlich empfinden. Von seiner ruhigen aber unmissverständlich deutlichen Art war ich schon damals sehr beeindruckt. Darum hat es mich sehr gefreut, als Herr Dockter vor einigen Monaten im Flüchtlingsnetzwerk die Idee einbrachte, eine Informationsveranstaltung für geflüchtete Frauen zum Thema Gewalt und Rechtslage in Deutschland anzubieten. Nach kurzer Überlegung haben wir (…) uns verständigt, ein Frauenfrühstück mit diesem Themenschwerpunkt anzubieten. Am Samstag fanden sich dann an die 30 Menschen im Kompetenzzentrum ein (…). Bei seinem kleinen Vortrag und der anschließenden Fragerunde habe ich wieder erlebt, was es für ein Geschenk ist, einen so besonnenen, erfahrenen und von einem unverbrüchlichen Rechtsbewusstsein getragenen Polizeibeamten in Forst zu wissen. Wenn er jetzt in den Ruhestand überwechselt, bleibt er dem Flüchtlingsnetzwerk als ehrenamtlich Engagierter erhalten. Darüber bin ich sehr froh.