"Es liegen noch nicht alle Zahlen vor, die für eine Statistik wie die der Bundesagentur für Arbeit benötigt werden. Diese schon seit einigen Monaten bekannten Probleme sind kurzfristig nicht zu lösen, sonst müssten wir die Hälfte der Mitarbeiter für die Statistik einsetzen und das wollen wir nicht. Vorrang hat die Betreuung der Menschen und dabei haben wir erhebliche Erfolge zu verzeichnen", sagte Kostrewa gestern in Guben. Ohnehin hält er die derzeitige Arbeitslosenstatistik für wenig aussagekräftig. Schon die Schaffung einer größeren Zahl an Ein-Euro-Jobs ohne Sozialversicherungspflicht würde das statistische Bild ohne durchgreifende Wirtschaftseffekte für die Region wesentlich verändern. Auch Landrat Dieter Friese (SPD) sieht die Diskussion um die Zahlen des Landkreises eher gelassen und als Chance, über die Aussagekraft der Arbeitslosenstatistik und andere ähnliche Zahlenwerke eine politische Diskussion anzustoßen. Langfristig würde der Landkreis gern seine eigene, an den regionalen Bedingungen orientierte Arbeitslosenstatistik erstellen. Als Ursachen für den Statistikstreit nannte Kostrewa unklare Kriterien, wie die Zahlen erhoben werden, unterschiedliche und wenig kompatible Computerprogramme und eine möglicherweise verschiedene Interpretation durch die Bundesagentur. Wie es zu diesen Unvereinbarkeiten kommen konnte ließen der Landrat und der Dezernent offen. Möglicherweise wird es erst einheitliche Zahlen und Betrachtungsweisen geben, wenn bei der Bundesagentur neue Software eingeführt wird. Probleme für die Region wegen der unsicheren Angaben bei der Beantragung von EU- und Bundesförderprogrammen und durch die mangelnde Transparenz des Modellversuches erwartet die Kreisverwaltung nicht. "Von den in den ersten Arbeitsmarkt oder in Programme vermittelten Menschen und den daran beteiligten Unternehmen gibt es viel Lob für die Tätigkeit des Eigenbetriebes Grundsicherung. Dazu gehört die zielgenaue Vermittlung. Einer Firma, die uns einen freien Arbeitsplatz meldet, werden ein bis maximal drei Bewerber vorgeschlagen, die vorher durch den Eigenbetrieb auf ausreichende Mobilität, gesicherte Kinderbetreuung und ausreichende Fertigkeiten geprüft werden. Damit entsprechen wir den Vorstellungen der Unternehmen, das wurde mir heute beispielsweise durch den Gubener Trevira-Werkleiter Dirk Theis ausdrücklich bestätigt ", sagte Friese. Trevira hat in den vergangenen Monaten 43 neue Stellen auf diese Weise besetzt. Im Oktober wurden durch den Eigenbetrieb 135 Menschen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Mit Blick auf die Bilanz seit Januar bestätigte Kostrewa dem Eigenbetrieb bessere Ergebnisse im Vergleich zur Bundesagentur für Arbeit. Nach dem Anstieg zu Jahresbeginn sinke durch Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt, in Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramme die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Landkreis.ALG-II im Landkreis /H4>Im Spree-Neiße-Kreis bezogen im Oktober 17 309 Menschen Leistungen vom Eigenbetrieb. Im Januar waren es noch 18 829. Seit Jahresbeginn durchliefen 4635 Menschen Förderprogramme. Derzeit werden 2665 Betroffene auf diese Weise betreut. Seit Januar wurden 1172 Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Die Zahl der diesjährigen Schulabgänger ohne Lehrstelle wurde im Spree-Neiße-Kreis von 353 auf derzeit 20 verringert.