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| 19:46 Uhr

Forster Geschichtsstammtisch
Auf den Spuren der „Schwarzen Jule“

Die Teilnehmer des Forster Gechichtsstammtisches erkunden das Areal des ehemaligen Stadtbahnhofes.
Die Teilnehmer des Forster Gechichtsstammtisches erkunden das Areal des ehemaligen Stadtbahnhofes. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Rund 80 Besucher haben den Forster Geschichtsstammtisch genutzt, um mehr über die Stadtbahn und den noch erhaltenen Gebäudekomplex zu erfahren.

„Es ist heute ein geschichtsträchtiger Tag“, wies Uwe Zeihser, Leiter der Arbeitsgruppe „Stadteisenbahn“ im Museumsverein, zu Beginn seiner Ausführungen auf die Bedeutung des 31. Mai hin. Auf den Tag genau vor 125 Jahren wurde die Forster Stadteisenbahn feierlich eingeweiht. Zuvor wurden innerhalb von acht Monaten mehr als 17 Kilometer Gleise mit einer Spurweite von 1000 mm im Forster Stadtgebiet verlegt. Gleich neben dem Staatsbahnhof entstand der Betriebsbahnhof der Forster Stadteisenbahn. „Es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit damals gebaut wurde. Man denke nur daran, wie lange die Baufirmen für die paar Hundert Meter in der Spremberger Straße benötigt haben“, zog Uwe Zeihser einen Vergleich zur Gegenwart.

Anhand von Fotos und Plänen bekamen die Zuhörer einen kleinen Einblick in die Abläufe auf dem Betriebsbahnhof der Jule. Zum Zeitpunkt der Eröffnung waren die wichtigsten Gebäude fertig gestellt. Neben mehreren Schuppen für die Schmalspur- und Regelspur-Lokomotiven gab es ein Verwaltungsgebäude, eine Reparaturwerkstatt, ein Lagerhaus und ein Maschinenhaus. 1907 kam noch das Zollgebäude dazu. Auf dem Gelände des Stadtbahnhofes befanden sich zum damaligen Zeitpunkt außerdem 1300 Meter Regelspurgleise, 1800 Meter Schmalspurgleise, 29 Weichen und drei Rollbockgruben. Zum Fuhrpark gehörten anfangs 20 offene und fünf gedeckte Waggons in Schmalspurgröße, 30 Paar Rollböcke, sechs Schmalspur- und zwei Regelspur-Lokomotiven.

Das europäisch nahezu einmalige Ensemble von Teilen des denkmalgeschützten Betriebsbahnhofes ist weitgehend noch erhalten geblieben und steht derzeit unter Insolvenzverwaltung. Ein den Besuchern des Geschichtsstammtisches exklusiv gezeigter Film mit Innenaufnahmen der Gebäude bezeugt jedoch den langsam beginnenden Zerfall der Gebäude. Schimmel im Dachgebälk und undichte Dächer sind für den Forster Museumsverein alarmierende Vorboten. „Wenn nicht bald damit begonnen wird, wenigstens den derzeitigen Ist-Zustand zu sichern, geht uns in wenigen Jahren ein historisch bedeutsamer Teil der Forster Stadt- und Industriegeschichte für immer unwiederbringlich verloren“, betont Uwe Zeihser die Dringlichkeit zum Handeln. Gerne würde er dafür auch die Stadt Forst mit ins Boot holen. Zwar habe der Denkmalschutz ein gehöriges Wort mitzureden, so Uwe Zeihser, allerdings besäße der Gebäudekomplex auch jede Menge Potential für eine sinnvolle Nachnutzung.

Bevor es zu einer kurzen Führung über das Gelände ging, wies Uwe Zeihser auf eine große Informationstafel hin, die der Museumsverein im vorderen Teil des Lokschuppens aufgestellt hatte. Darauf zu erkennen sind die Anordnungen der Gebäude sowie ein Gleisplan des Stadtbahnhofes. Gesponsert wurde diese Infotafel von der Firma Forwerk GmbH aus Forst.

Von den Rollbockgruben ist auf dem Freigelände nichts mehr vorhanden. Die Auswertung der Daten, für die eine Spezialfirma vor kurzem elektromagnetische Messungen des Untergrundes vornahm und von denen man sich Aufschlüsse über eventuelle  Reste der Rollböcke erhofft, dauert noch an. Beim abschließenden Rundgang zeigte Uwe Zeihser die einstige Lage der drei Gruben. Vorbei am Lagergebäude und am Verladegleis ging es anschließend weiter bis zum ehemaligen Sozialgebäude, in dem sich damals Umkleideräume und ein Aufenthaltsraum befanden.

Der Dresdner Ralf Hauptvogel, Eisenbahnexperte und bekennender „Jule-Fan“, hatte für die Besucher des Stammtisches noch eine kleine Überraschung parat. Wer wollte, konnte sich eine Gedenkkarte zum Geburtstag der Schwarzen Jule mit nach Hause nehmen. Auf dieser Karte befinden sich zwei Original-Stempel – je einer der „Forster Stadteisenbahn“ und der „Forster Verkehrsbetriebe“.

Der nächste Geschichtsstammtisch findet am 28. Juni in Preschen statt. Auf einer Wanderung durch den Ort und durch den Mühlenbusch mit seinen Quellen gibt es viel Interessantes über Geschichte, Flora und Fauna dieses kleinen Dörfchens zu erfahren.