Vor Kurzem wurden mehrere Anwohner des Noßdorfer Angers knapp nach sieben Uhr auf ein Geräusch aufmerksam, das aus dem derzeit dort herrschenden Baulärm herausstach: „Es klang plötzlich nach Motorsäge“, erinnert sich Marcus Kulke.
Nachbar Thomas Pohl sagt: „Säge, Tieflader, Wurzelfräse – alles war perfekt organisiert.“ In kurzer Zeit sei so die alte Linde auf dem Anger gefällt und restlos verschwunden gewesen.
„Ich habe sofort bei der Stadtverwaltung angerufen, was hier passiert“, erklärt Thomas Pohl. „Doch vor neun Uhr ist da niemand ans Telefon gegangen. Bis dahin war sogar der Wurzelstock weg.“

Noßdorfer Anwohner kritisieren fehlende Informationen

Die Linde wurde im Zuge der Sanierung des Noßdorfer Angers gefällt. Hier soll ein attraktiver Mittelpunkt für den Ortsteil entstehen. Die beiden Anwohner erregt besonders, dass zuvor umfängliche Informationen an die Bürger verteilt wurden. So steht in dem Schreiben zu Fällungen und Neuanpflanzungen sehr detailliert. „...Fällung von drei Linden..., Neuanpflanzung von zwei Linden sowie Pflanzung von neun Zierapfelheistern und 24 Sträuchern...“
„Aber nun wurde ohne jede weitere Information einfach eine vierte Linde gefällt“, beschwert sich Thomas Pohl.
Wie der Fachbereich Bauen auf Nachfrage der Rundschau erklärt, würden Anwohner über Änderungen bei laufenden Baumaßnahmen üblicherweise nicht informiert. Die vierte Linde hätte aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt werden müssen. Diese Notwendigkeit wurde im Bauverlauf festgestellt.

Noßdorfer Anwohner bezweifeln Angaben der Verwaltung zur alten Linde

Ein Argument, dass Thomas Pohl nicht so stehen lassen will: „Ich habe den zersägten Stamm noch fotografiert. Da war nichts morsch. Und im Ernstfall hätte man die Linde mit Baumpflegemaßnahmen sicher retten können.“ Marcus Kulke ergänzt: „Da waren auch immer Vogelnester drin.“
Hierzu merkt die Bauverwaltung an, dass die Linde vor der Fällung einer artenschutzrechtlichen Kontrolle durch die beauftragte Fachfirma unterzogen worden sei. Dabei habe man keine Brut- und Niststätten vorgefunden. Und die Gefährdung der Allgemeinheit infolge der fehlende Stand- und Bruchsicherheit des Baumes hätte auch nicht mehr mit Pflegemaßnahmen abgewendet werden können.
Thomas Pohl meint dazu: „Wenn alles so schlimm gewesen sein soll, warum wurde das dann bei keiner der früheren Begutachtungen festgestellt?“