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| 16:24 Uhr

Bürgermeisterwahl
Antworten auf kritische Fragen

Beim politischen Frühschoppen im großen Saal der Musikschule stellten sich die fünf Bürgermeisterkandidaten (v.r.) Simone Taubenek, Ingo Paeschke, Thomas Engwicht, Helge Bayer und Aimo Bartel den Fragen und Aufgaben von Moderator Andreas Wolff.
Beim politischen Frühschoppen im großen Saal der Musikschule stellten sich die fünf Bürgermeisterkandidaten (v.r.) Simone Taubenek, Ingo Paeschke, Thomas Engwicht, Helge Bayer und Aimo Bartel den Fragen und Aufgaben von Moderator Andreas Wolff. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Überraschendes entlockt Andreas Wolff den Forster Bürgermeisterkandidaten beim politischen Frühschoppen. Noch etwa drei Viertel der Zuhörer sind unentschlossen. Von Katrin Kunipatz

Der politische Frühschoppen ist für eine Überraschung gut. Moderator Andreas Wolff forderte die fünf Bürgermeisterkandidaten auf, nicht sich selbst, sondern ihren linken Nachbarn vorzustellen. Aimo Bartel, Helge Bayer, Thomas Engwicht, Ingo Paeschke und Simone Taubenek wussten die wichtigsten Fakten über ihre Konkurrenten zu nennen. Einzig Thomas Engwicht korrigierte eine Aussage Bayers: „Ich bin der Urenkel des Rosengartengründers“, sagte er.

Persönlich wurde es bei den Fragen nach der größten Niederlage und dem größten Erfolg. Den wahrscheinlich schwersten Moment seines Lebens teilte Aimo Bartel (parteilos) mit dem Publikum und nannte den Tod seines Sohnes im Jahr 2013 als größte Niederlage. Erfolge seien für den bekennenden Kaffeetrinker das mit der Note sehr gut bestandene Fernstudium vor zehn Jahren und das diesjährige Jubiläum des Johannes Gaudiums. Leichtathletin Simone Taubenek (parteilos) verbucht ihr ganzes Leben als Erfolg. Niederlagen kenne sie aus dem Sport und von Verfahren vor Gericht. „Nach einer Niederlage muss man immer wieder aufstehen“, betonte die bei der Polizei tätige Juristin. Die Bürgermeisterwahl vor drei Jahren nannte Ingo Paeschke (Die Linke) als größte Niederlage. Stolz sei er auf seine beiden Töchter, die über 30-jährige Ehe mit seiner Frau und berufliche und kommunalpolitische Erfolge. Für Rechtsanwalt Helge Bayer (CDU) sei es eine Niederlage, „bei einem Rechtsstreit von Mandanten hinters Licht geführt zu werden“. Er betonte, dass es entscheidend sei, wie man mit einer Niederlage umgehe und danach wieder aufstehe. Deshalb schaue er nach vorn und wolle nach einem Erfolg den nächsten erarbeiten. Dem stimmte Thomas Engwicht (parteilos) zu. Erfolge seien für ihn die guten Dinge, die in Forst erreicht wurden. Als Beispiel nannte der 40-Jährige die Rosengartenfesttage, bei denen Verwaltung, Stadtverordnete und seine Familie – vor allem Vater Hans-Rainer Engwicht – stark eingebunden waren. „Als aktiver Sportler kenne ich Niederlagen, komme aber gut damit zurecht“, ergänzte Engwicht.

Kritisch trat Moderator Andreas Wolff an jeden Kandidaten einzeln heran. Simone Taubenek fragte er zu ihrer Freundschaft mit Bauverwaltungsvorstand Heike Korittke und Ehemann Olaf Taubenek, der als Rechtsanwalt für Forst arbeitet. „Ich muss seit 23 Jahren Privates und Berufliches trennen“, erklärte sie. Die Frage nach der Vetternwirtschaft stelle sich nach ihrer Auffassung dagegen erst, wenn sie als Bürgermeisterin ihren Mann dort einstellen würde. Gärtnermeister und Firmeninhaber Thomas Engwicht musste erklären, wie die städtische Auftragsvergabe erfolgen werde. „Wenn ich Bürgermeister wäre, würden keine städtischen Aufträge an die Firma Gartenbau Engwicht vergeben“, sagte er. Bisher habe er sich als Unternehmer auf Ausschreibungen beworben und mal den Zuschlag bekommen und mal nicht. Von Aimo Bartel wollte Wolff wissen, ob er sich ohne entsprechende Erfahrung der Aufgabenvielfalt eines Bürgermeisters bewusst sei. Bartel erläuterte, dass er die Verwaltung als Firma und den Bürgermeister als Betriebsleiter verstehe, aber angebotene Schulungen zur Weiterbildung nutzen wolle. Ingo Paeschke bat Wolff zu erklären, welche Hoffnung er habe, wo es der Linken bisher selten gelang, Mehrheiten zu bündeln. „Die Zeiten haben sich geändert“, so Paeschke. Statt der Parteizugehörigkeit stünden jetzt eher inhaltliche Aspekte im Mittelpunkt. Ob Rechtsanwalt Helge Bayer seine Klienten jetzt allein lasse, fragte Wolff. Bayer erläuterte, dass er seine Kanzlei nicht einfach an einen Dritten übertragen könne und als Bürgermeister seine Anwaltstätigkeit niederlegen müsse, so Bayer.

Moderator Andreas Wolff begnügte sich am Sonntagvormittag nicht allein mit Erklärungen. Er ließ die fünf Bürgermeisterkandidaten pantomimisch darstellen, wie ihre erste Amtshandlung aussehen würde. Daraufhin schüttelte Simone Taubenek beherzt dem neben ihr sitzenden Ingo Paeschke die Hand. Der wiederum stand auf und deutete das Unterschreiben von Papieren an. Thomas Engwicht legte die Hand ans Ohr, um zuzuhören. Helge Bayer verbeugte sich dankbar vor den rund 120 anwesenden Gästen im großen Saal der Musikschule. Und Aimo Bartel äußerte – mit dem Verweis auf Taubenek – auch er würde die Mitarbeiter begrüßen.

Die Zuhörer fragten zur Lösung des Alkoholproblems in der Innenstadt, der Sicherheit am Bahnhof, einer Brücke nach Polen, Gesprächsmöglichkeiten mit dem Bürgermeister, dem Standort der „Schwarzen Jule“ und der „Grünen Mitte“. Nach zweieinhalb Stunden gab es keine Fragen mehr, aber auch nicht viele entschiedene Wähler. Etwa ein Viertel der Anwesenden hob die Hand, als Andreas Wolff fragte, wer weiß, wo er am 22. April sein Kreuz machen werde.