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Vorgestellt
Forsterin im Nobelpreisjubel

Die Forsterin Anne Balzer bei der Pressekonferenz zur Verleihung des Friedensnobelpreises in Berlin.
Die Forsterin Anne Balzer bei der Pressekonferenz zur Verleihung des Friedensnobelpreises in Berlin. FOTO: Stephan Roehl / LR
Forst/Berlin. Anne Balzer arbeitet für Ican, die Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen – die den Friedensnobelpreis bekommt. Von Steffi Ludwig

Inzwischen kann Anne Balzer wieder etwas durchatmen und hat auch Zeit, am Telefon mit der RUNDSCHAU zu sprechen. Aber die Zeit seit dem 6. Oktober sei schon sehr hektisch und aufregend gewesen, berichtet sie. Denn die Forsterin arbeitet für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Ican, der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen – und Ican bekam am 6. Oktober den diesjährigen Friedensnobelpreis zugesprochen.

„Das ist wirklich verrückt, denn ich bin erst seit Anfang März dabei“, erzählt die 26-Jährige. „Wir haben mit den anderen Mitarbeitern nicht wirklich damit gerechnet.“ Sie wollten sich live die Vergabe der Nobelpreise in der Heinrich-Böll-Stiftung, die Ican seit Jahren unterstützt, ansehen und nachher direkt in die Bibliothek – denn Anne Balzer studiert in Berlin Politikwissenschaften. Doch aus der Bibliothek wurde nichts, als der laute Ruf eines Stiftungsmitarbeiters ertönte: „Das sind wir!“

Nun durfte sie, die noch gar nicht lange dabei ist, Glückwünsche entgegennehmen. „Wir haben dann ganz schnell unsere private Telefonnummer von der Homepage genommen und stattdessen ein Diensthandy angegeben, da in den ersten Minuten so viele anriefen“, erinnert sie sich. Sofort seien Interviewanfragen großer Zeitungen und Sender eingegangen, schnell wurde eine Pressekonferenz einberufen. Auch Anne Balzer gab am Telefon ein Interview für die Deutsche Welle, das online veröffentlicht wurde – und ihren Vater zu einem Anruf bei ihr veranlasste: „Meine Familie in Forst hat sich total gefreut.“

Auch in der Woche danach ebbte der Rummel nicht ab, sodass Anne Balzer kurz überlegte, ihr Masterstudium zu unterbrechen und sich ganz auf Ican zu konzentrieren: „Denn so etwas wie den Friedensnobelpreis erlebt man nur einmal.“ Aber sie entschied sich dann, ihr Studium fortzusetzen. Schließlich sei sie im letzten Semester und müsse nur noch die Masterarbeit schreiben. Danach, etwa im April, könnte sie sich dann ganz auf Ican konzentrieren, je nach den Möglichkeiten, die sich jetzt durch den Friedensnobelpreis vielleicht bieten.

Dabei sei es ein großer Zufall gewesen, dass sie bei Ican gelandet sei, so Anne Balzer. Die Forsterin war gerade auf Kuba, als sie im Internet nach Studentenjobs in der Heimat suchte – und auf Ican stieß, die Hilfe bei Workshops für Studenten suchte. Sie begann als studentische Hilfskraft. „Da es aber so viel zu tun gab, bin ich länger geblieben“, sagt sie. Denn in Berlin gebe es nur ein Kernteam von sechs Mitarbeitern. Anne Balzer, die nach ihrem Abitur 2011 am Forster Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium einige Zeit als freie Mitarbeiterin für die RUNDSCHAU arbeitete, ist in einem Dreierteam für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig: betreut die Homepage von Ican sowie die sozialen Medien, schreibt Texte, beteiligt sich an der Organisation von Kundgebungen und Protesten und veranstaltet Workshops an Schulen und Universitäten, um junge Leute für das Thema zu sensibilisieren. „Denn auch ich dachte früher, dass Atomwaffen nur mit dem Kalten Krieg zusammenhingen, und wusste nicht, welche Arsenale auch jetzt auf der Welt schlummern.“ Gerade durch Nordkorea habe das Thema eine traurige Aktualität bekommen.

Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember in Oslo wird Anne Balzer höchstwahrscheinlich nicht dabei sein, da die Plätze dort begrenzt seien.