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Angel-AG weist Peta-Kritik zurück

Angeleitet von Christian Klar (2.v.l.) bereiten Paul (l.), Leo (2.v.r.) und Florian Angeln mit Haken und Pose für den Einsatz vor.
Angeleitet von Christian Klar (2.v.l.) bereiten Paul (l.), Leo (2.v.r.) und Florian Angeln mit Haken und Pose für den Einsatz vor. FOTO: kkz
Forst. Die Tierrechtsorganisation Peta wirft der Gutenberg-Oberschule vor, mit der Angel-Arbeitsgruppe Schülern das natürliche Mitgefühl abzutrainieren. AG-Leiter Hartmut Sterz weist die Kritik zurück. Gelehrt werde der respektvolle Umgang mit den Fischen. Katrin Kunipatz

Seit die Gutenberg-Oberschule vor neun Jahren Ganztagsschule wurde, gibt es die Angel-AG. "Es ist eine Wahl-AG, die vor allem von Jungen der siebenten bis neunten Klasse stark frequentiert wird", sagt Kerstin Schwarzer. Sie ist die stellvertretende Schulleiterin.

Im November hatte die Schule von Peta Deutschland, der weltweit aktiven Tierrechtsorganisation, einen Brief bekommen. Darin wurde die Schule aufgefordert, die Angel-AG durch ein tier- und kinderfreundliches Angebot zu ersetzen. "Denn im Angelunterricht wird den Schülern ihr natürliches Mitgefühl abtrainiert", so Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta. Eine Antwort erhielten die Tierschützer nicht und machten ihre Kritik deshalb zum Jahresbeginn öffentlich.

Hartmut Sterz leitet die Angel-AG an der Gutenberg-Oberschule. Er ist Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Forst und offen für eine Diskussion. "Ich respektiere Menschen, die sich um das Wohl der Tiere Gedanken machen", sagt er. "Sie können gern zu mir kommen, sich kundig machen und mit uns in einen Dialog eintreten." Auch mit den Eltern der Schüler diskutiert er, was in der Angel-AG passiert. Denn dieser Unterricht ziele darauf ab, den Schülern den respektvollen Umgang mit dem Fisch und der Natur zu vermitteln.

Im Winterhalbjahr steht Theorie auf dem Plan. "Bei uns lernen die Schüler beim Angeln, den Naturschutz zu beachten", sagt Hartmut Sterz. Unterstützt wird er von Christian Klar. Er ist Angler und Mitglied im Nix-Verein Forst. Gemeinsam vermitteln sie, welche Fische in den Gewässern der Umgebung leben, welche Schonzeiten eingehalten werden müssen und welche Fische geschützt sind. Themen im Unterricht sind auch Mindestmaße, die Fangmenge und das richtige Verhalten am Angelgewässer. Ähnlich wie beim Jagen geht es auch beim Angeln um die Hege. "Wir fangen die großen Fische heraus, damit die kleinen eine Überlebenschance haben", erklärt der AG-Leiter. "Wir vermitteln, dass Angeln ein Hobby ist, kein Wettbewerb."

Bei den Schülern kommt die Angel AG an. Maximilian Schenk ist seit zwei Jahren bei der Angel-AG dabei und war zuvor schon mit seinem Onkel angeln. "Es entspannt vom Schulstress", sagt der 15-Jährige. Er betont, dass Angler nicht jeden Fisch töten, sondern unter Beachtung von Schonzeiten und Mindestmaßen Fische auch wieder ins Wasser zurücksetzen. Der Achtklässler Florian Kulbe erklärt Neuling Leo Grätz aus der siebenten Klasse, wie Haken, Pose und Gewichte richtig an der Angel befestigt werden. Denn sobald es das Wetter zulässt, gehen die beiden Betreuer der AG mit den Schülern zum Angeln ans Gewässer. Oft seien auch zwei oder drei Erwachsene aus Angelvereinen dabei. Dann bekommen die Schüler gezeigt, wie der gerade gefangene Fisch abgehakt und weidgerecht getötet wird, so Hartmut Sterz. Wichtig ist ihm auch, den respektvollen Umgang mit dem Lebewesen Fisch zu vermitteln - egal ob es sich um große oder kleine handelt.

Diese gemeinsamen Angelerlebnisse gehören zum Unterricht genauso wie die Hege und Pflege der Gewässer. In diesem Jahr werden die Schüler wieder an den Gewässern Gras mähen und an der Richardmulde in Groß Kölzig einen Teil des Damms auffüllen. Außerdem begleitet die Angel-AG einen Projekttag der siebenten Klassen, die an den Euloer Teichen das Zusammenspiel von Teichwirtschaft, Jagd und Naturschutz hautnah erleben.