Von Sven Hering

Die geplante Wahl des neuen Döberner Amtsdirektors ist am Montagabend auch im dritten Anlauf gescheitert. Der Grund: Unter den vier Bewerbern, die sich dem Amtsausschuss vorgestellt haben, war mit Martin Bleidießel (SPD) auch ein Mitglied des Amtsausschusses. „Ich bin aus der Mitte des Amtausschusses gebeten worden, mich zu bewerben“, begründete Bleidießel seine Kandidatur. Seine Bewerbungsunterlagen hatte er erst am Montag abgegeben. Die Bedenken eines Ausschussmitgliedes, ob Bleidießel durch seine Mitgliedschaft im Ausschuss einen möglichen Vorteil im Auswahlverfahren erlangt habe, konnten an diesem Abend nicht ausgeräumt werden. Amtausschuss-Chef Egbert S. Piosik wollte diesen Punkt deshalb mit der Kommunalaufsicht abklären. Da dies am Montag nicht mehr möglich war, durften sich die Bewerber zwar dem Amtsausschuss vorstellen, die Wahl selbst wurde allerdings verschoben.

Für die zweite Überraschung des Abends sorgte Detlev Kehl, der sich erneut an dem Ausschreibungsverfahren beteiligt hatte, nachdem er im vergangenen Jahr bereits gescheitert war. „Helmut Kohl hat vier Anläufe gebraucht, um Bundeskanzler zu werden“, sagte der Mannheimer.

Rechtsanwältin Anja Redlow, die in Cottbus eine Kanzlei betreibt und seit 15 Jahren in Wiesengrund lebt, nannte die Themen Wirtschaft, Tourismus und Infrastruktur als Hauptfelder der möglichen künftigen Arbeit an der Spitze der Amtsverwaltung. Nach dem Wegbrechen der Glasindustrie stehe die Region mit dem Kohleausstieg jetzt vor der nächsten einschneidenden Veränderung.

„Wir müssen von den 17 Milliarden Euro, die der Bund jetzt vergibt, einen Stück vom Kuchen abbekommen“, forderte mit Stephan Willerding aus Dessau der vierte Bewerber um den Posten des Amtsdirektors. Döbern-Land stehe dabei in harter Konkurrenz zu anderen Ämtern, betonte er.

Die Wahl soll jetzt am 9. Mai um 16.30 Uhr stattfinden.