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Ambrosia-Alarm jetzt auch im Spree-Neiße-Kreis

In Forst mäht Angelika Domke von der Agrargenossenschaft Forst Ambrosiapflanzen mit der Motorsense um.
In Forst mäht Angelika Domke von der Agrargenossenschaft Forst Ambrosiapflanzen mit der Motorsense um. FOTO: kkz
Forst / Döbern-Land. Mit Motorsense und Rasenmäher rücken die beiden Mitarbeiterinnen der Agrargenossenschaft Forst den Ambrosia-Pflanzen zu Leibe. Am Rand eines Maisfeldes an der Euloer Straße in Forst hatte vor wenigen Tagen eine Bürgerin die Pflanzen entdeckt und sich bei der Stadtverwaltung Forst gemeldet. K. Kunipatz und A. Igel-Allzeit

Diese informierte den Eigentümer des Grundstücks, die Agrargenossenschaft Forst. Reik Kasper, Leiter der Rekultivierung bei der Genossenschaft, organisiert den Arbeitseinsatz. Nach einer halben Stunde waren alle Ambrosia-Pflanzen beseitigt. In zwei bis drei Wochen werde er bei einer Nachkontrolle prüfen, ob neue Pflanzen nachgewachsen sind.

Im vergangenen Jahr zählte die Stadt Forst insgesamt 48 Ambrosia-Funde im Stadtgebiet, teilt Sabine Jahnke vom zuständigen Fachbereich Bauen mit. Für dieses Jahr registriert der Ambrosia-Atlas der Freien Universität Berlin in Forst bereits ein Dutzend Fälle. Meist handelt es sich um einzelne Pflanzen, die nach Angaben des Meldenden bereits ausgerissen wurden. Reik Kasper begrüßt diese Eigeninitiative: "So helfen uns die Anwohner die Verbreitung der Ambrosia einzudämmen." Ansonsten bemüht sich die Agrargenossenschaft, das gefährliche Kraut an ihren Feldern noch vor der Blüte unschädlich zu machen. An der Euloer Straße ist es am Dienstag passiert. Bei einem Feld in Klein Jamno soll noch in dieser Woche gemäht werden. In anderen Fällen habe die Agrargenossenschaft mit den Anwohnern vereinbart, dass diese Grünstreifen an ihren Grundstücke kurz halten und so die Blüte und später auch die Samenausbildung stoppen. Diese Strategie hat Erfolg. Im Klinger Weg in Forst gab es im vergangenen Jahr Ambrosia-Pflanzen, die sofort bekämpft wurden. "In diesem Jahr wächst dort keine Ambrosia mehr", freut sich Raik Kasper.

Die Gefahr ist damit nicht gebannt. Denn auch in anderen Gebieten des Landkreises Spree-Neiße wächst die Pflanze. Zwischen Wolfshain und Tschernitz in der Nähe des Lohnteiches hat Familie Donath Ambrosia im Feld entdeckt und das Vorkommen sofort der Amtsverwaltung gemeldet. "Es ist die erste Meldung, die wir in diesem Jahr von Bürgern haben. Wir haben den Landwirt auch schon informiert", so der amtierende Amtsdirektor Mike Lenke. Denn einfach auf fremde Grundstücke stiefeln und die Pflanzen herausreißen, das dürfen die Mitarbeiter der Verwaltung nicht. "Eine Ambrosia ist kein Munitions- und Bombenfund", sagt Lenke. Trotzdem werden die Meldungen durchaus ernst genommen und abgeklärt, ob es sich tatsächlich um eine Ambrosia handelt und wie groß das Vorkommen ist. Zu der Meldung zwischen Wolfshain und Tschernitz gibt es heute einen Vor-Ort-Termin.

"Ein größeres Problem haben wir in Friedrichhain, da wächst die Ambrosia seit einer Erdaufschüttung nach einem Straßenausbau auch in diesem Jahr wieder, der Bauhof ist dran. Die Erde kam damals aus Forst", sagt Lenke. Auf öffentlichen Flächen reißen die Mitarbeiter des Bauhofes die Ambrosia heraus und verbrennen sie anschließend in einer Feuerschale. "Sie im Restmüll zu entsorgen, davon halte ich nicht viel - weil die Gefahr, die von der Pflanze ausgehen kann, dann noch nicht ganz gebannt ist", sagt Lenke.

Auch die Mitarbeiter des Spremberger Betriebshofes beseitigen die Ambrosia, wenn sie ihnen bei ihrer Arbeit auffällt. "Allerdings", so Doritha Drews vom Grünwesen der Stadtverwaltung, "haben wir in diesem Jahr noch keinen Ambrosia-Fall oder Verdacht gemeldet bekommen."

Mike Lenke denkt, dass die Bürger auch von der Möglichkeit Gebrauch machen, die Fälle gleich beim Landkreis zu melden. Auch den Ambrosia-Atlas des Landes Brandenburg können Bürger über das Internet nutzen. Im Vorjahr waren dem Amt Döbern-Land übrigens vier Fälle gemeldet worden.

"In Guben ist der Verwaltung nach wie vor kein Fall bekannt", sagt Stadtsprecher Bernhard Schulz. Man sei froh darüber. Auch in den zurückliegenden Jahren gab es keine Ambrosia-Sichtungen. Grundsätzlich sei man aber vorbereitet, um zu reagieren. Einen kleinen Leitfaden für den Umgang mit Ambrosia hat die Stadt Forst ihrer Internetseite formuliert. Detaillierte wird doch die nötige Bekämpfung des Gewächses beschrieben. "Wir sind auf die Hilfe der Bürger angewiesen", so Sabine Jahnke vom Fachbereich Bauen. "Dabei geht es um die schnelle Meldung von Verdachtsflächen, die Beseitigung und die Nachkontrolle."

Zum Thema:
Die ursprünglich aus Amerika stammende Pflanze ist seit einigen Jahren auch in der Lausitz zu finden. Es gibt zwei verschiedene Arten. Die Einjährige verbreitet sich über Samen, hat deshalb mehr Blüten mit dem allergieauslösenden Pollen. Die Mehrjährige verbreitet sich über die Wurzeln und gilt als weniger gefährlich. In Mengen kommt Ambrosia vor allem bei Drebkau, um Vetschau und Calau vor. Bei Allergikern können schon geringe Mengen Ambrosia-Pollen Reaktionen wie Heuschnupfen, Augentränen, Kopfschmerzen oder sogar Asthma auslösen. Die einjährige Pflanze lässt sich leicht bekämpfen. Die Stadt Forst empfiehlt: Jungpflanzen vor der Blüte ausreißen und regelmäßiges Mähen der Grün- und Brachflächen.