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Döbern-Land
Riesling auch für echte Füchse

Winzer Hubert Marbach und seine Helfer haben in diesem Jahr die Weinlese abgeschlossen  
Winzer Hubert Marbach und seine Helfer haben in diesem Jahr die Weinlese abgeschlossen   FOTO: Angela Hanschke / Hanschke Angela
Jerischke. Die Lese der letzten Trauben am Weinberg in Jerischke feiert die Natur mit einer wahren Farbsymphonie in Gelb und Gold. Von Angela Hanschke

Während am Donnerstag um 8 Uhr zu Füßen von „Marbachs Wolfshügel“ noch dichter Nebel herrscht, heizt die Sonne die exakt nach Süden ausgerichtete Steillage bereits spürbar auf. Einige späte Rosen – Indikatoren für einen möglichen Pilzbefall – blühen noch auf dem Plateau. Mit der Rieslingernte haben Hubert Marbach und seine knapp 20 Helfer ‑ neben den drei angestellten Mitarbeitern auch Freunde und Einwohner aus dem Dorf ‑ die diesjährige Saison abgeschlossen. Es ist die neunte Lese vom Wolfshügel. In den beiden Wochen zuvor wurden die Trauben der Sorten Regent, Johanniter, Roter Riesling und  Cabernet Cortis gelesen. „Aufgrund geringer Frostgrade gab es nur wenige Schäden. Der Sommer-Regen machte zusätzliches Wässern überflüssig, verhinderte aber gleichzeitig eine intensiv entwickelte Blüte“, schätzt Hubert Marbach.

Doch die schönen Herbsttage machten alles wieder wett und bescherten dem Winzer mit einem Zuckergehalt von knapp 90 Grad Öchsle beim Johanniter und Roten Riesling traumhafte Werte, die bei der Lese von Regent und dem Cabernet Cortis noch auf 95 Grad stiegen. Das lässt einen richtig kräftigen roten Wein erwarten. Doch bis zum Donnerstag schritt die Reife beim Riesling mit Hilfe der durch einen Pilz hervorgerufen Edelbotrytis beinahe bis zur Rosinenbildung fort. Sorgsam werden faule Trauben mit der feinen Klinge der Rebschere entfernt. „Solch Wein ist in Bezug auf Struktur und Qualität mit einer Auslese gleichzusetzen und passt ganz hervorragend zu süßen Desserts“, erläutert Marbach, der im Ort nach 150-jähriger Pause die Winzertradition wieder aufleben ließ.  Eimer um Eimer wurde am Donnerstag zu Füßen der eiszeitlich geformten Höhe in die Erntecontainer gefüllt.

Die zuckersüßen Trauben weckten auch Begehrlichkeiten bei einigen Anwohnern. Die Vogelschreckanlage vergrämte mit dem Notruf von Amsel und Star sowie dem Jagdschrei von Greifvögeln die ungebetenen gefiederten Gäste. Ausgerechnet das „Wappentier“ des Weinbergs konnte nicht zu den gut umzäunten Rebstöcken am Rande des Waldes durchdringen.  Doch junge Füchse und Waschbären hinterließen ihre Pfotenabdrücke zwischen den rund 150 Meter langen Rebzeilen.

Bereits zur Mittagszeit begleitet Hubert Marbach die kostbare Fracht nach Ottendorf bei Meißen, zum Hauptkeller des sächsischen  „Weingut Schloss Proschwitz – Prinz Georg zur Lippe“, in die Obhut von Kellermeister Jacques Du Preez. Der Spross einer hugenottischen Familie hat lange Zeit in Südafrika gearbeitet und dort Spitzenweine entwickelt. „Ich bin angesichts der nachgedunkelten Rieslingtrauben auf das Ergebnis äußerst gespannt“, sagt der Jerischker Winzer hoffnungsvoll. „Ich lege mehr Wert auf Qualität als auf Quantität.“

Im Jahre 2015 konnten 18 Tonnen geerntet werden. Zwölf Monate später wurde ein Spitzenwert von 21 Tonnen eingefahren. Noch immer lagern vier Flaschen von der kleinen Jungfernlese des Jahres 2009 wohltemperiert im Keller. Rotweine sind ein bis zwei Jahrzehnte lagerfähig. Und Riesling – von der Natur mit mehr Säure bedacht – kann noch länger als der übliche Weißwein aufbewahrt werden. Ein Vergleich der Jahrgänge scheint  reizvoll. „Diese Flaschen sind für eine Entwicklungsprobe mit interessierten und vor allem fachkundigen Besuchern bestimmt“, kündigt  der Weinexperte an. Und noch etwas stellt er für Liebhaber in Aussicht: „Zum ersten Mal können wir im kommenden Jahr einen Rieslingssekt aus Flaschengärung von der 2016er-Lese präsentieren.“