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| 17:40 Uhr

Aufgabe für Jahrzehnte im Spree-Neiße-Kreis
Viele Altlasten schlummern noch im Boden

 An der ehemalige Tankstelle soll in diesem Jahr eine Grundwassersanierung erfolgen. Die Kosten trägt der Tankstellenbetreiber.
An der ehemalige Tankstelle soll in diesem Jahr eine Grundwassersanierung erfolgen. Die Kosten trägt der Tankstellenbetreiber. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Problem beschäftigt Landkreis für Jahrzehnte. Weniger als die Hälfte ist näher untersucht. Von Katrin Kunipatz

Seit Jahren gibt es an der Cottbuser Straße keine Tankstelle mehr. In den Gebäuden auf dem Gelände bietet heute eine Autowerkstatt ihre Dienste an. Die Untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde hat das Grundstück trotzdem im Blick. Der Standort bleibt für immer im Altlastenkataster als Ort, an dem mit umwelt- und wassergefährdenden Stoffen umgegangen wurde, erklärt Sachgebietsleiter Maik Müller. Nach der Stilllegung der Tankstelle folgten verschiedene Untersuchungen. Im Boden wurden Kontaminationen festgestellt, die auf die Tankstelle zurückzuführen sind. Nötig ist eine Grundwassersanierung, die der frühere Tankstellenbetreiber in diesem Jahr fortsetzen werde, so Müller. Der Boden wurde bereits 2012 ausgetauscht.

Im Hinblick auf die insgesamt 2605 Altlastenverdachtsflächen im Landkreis Spree-Neiße, ist die ehemalige Tankstelle ein klarer Fall. Deutlich schwieriger ist es dagegen mit den Altlasten der Textil-, Glas- und Chemieindustrie sowie den militärischen Hinterlassenschaften. Insgesamt 1142 Standort seien bisher in irgendeiner Weise bearbeitet worden, berichtet Maik Müller kürzlich im Umweltausschuss. Als vollständig saniert gilt beispielsweise die ehemalige Deponie für Industrieabfälle bei Groß Kölzig. Sie wird weiter überwacht, betont Müller. Bisher sei alles unauffällig. Anders ist die Lage beim ehemaligen Tanklager am Flugplatz Preschen. Hier war vor zehn Jahren eine Grundwassersanierung durchgeführt worden. „Bei der Sanierung wurden alle Werte eingehalten“, sagt Müller. Trotzdem ist diese Altlast nicht völlig kontaminationslos, weshalb es gut sei, dass das Wasserwerk Jocksdorf geschlossen ist.

Priorität bei der Aufarbeitung haben Altlasten, von deren Auswirkungen die meisten Menschen betroffen sein können, so Müller. Zu diesen Schwerpunkten gehören beispielsweise die Deponie „Schwarzes Loch“ in Klein Kölzig, die Industriedeponie Pulsberg in Spremberg, Bitu-Plast Guben und Trevira in Guben sowie in Forst die ehemalige Textilreinigung und das frühere Gaswerk an der Berliner Straße. Jedoch ziehen sich entsprechende Sanierungsverfahren über Jahrzehnte hin. Im Fall von Bitu-Plast sei jetzt eine Einigung mit der Bahn zur Sanierung des Geländes erlangt worden. Voraussichtlich 2021 könne die Bodensanierung beginnen erst danach sei eine Grundwassersanierung möglich, so Müller.

Am Beispiel der Teerdeponie in Wolfshain erläutert Müller den üblichen Werdegang. Schon 1991 war dort mit Voruntersuchungen und einer Abdeckung begonnen worden. Als die Kostenfrage im Zuge des Haftungsfreistellungsverfahrens geklärt war, konnte sich ein Projektkoordinator mit dem Problem befassen. Es folgten Probennahmen, Analysen und eine Untersuchung der hydrologischen Verhältnisse. „Diese Vorerkundungen des Standorts sind enorm wichtig, sonst bezahlt man die Sanierung doppelt“, sagt Maik Müller. Für die Kosten der Altlastenbeseitigung komme immer der Grundstückseigentümer auf, erklärt Umweltdezernent Olaf Lalk. Im Fall industrieller Hinterlassenschaften aus DDR-Zeiten konnten Haftungsfreistellungen beantragt werden. Wie Müller erläutert, tragen dann Bund und Land 90 Prozent der Kosten und zehn Prozent der Eigentümer. Bisher wurden im Landkreis rund elf Millionen Euro im Bereich Altlasten für Untersuchung, Sicherung oder Sanierung ausgegeben.

Und immer noch warten Standorte auf eine erste Analyse. In diesem Jahr werden die drei Mitarbeiter in der Abfallwirtschaftsbehörde die Deponie Kolkwitz, die ehemalige Ziegelei in Kerkwitz und den Schrotthandel Klein in Forst erstmals untersuchen. Bei letzterem gehe es auch darum zu erfahren, welche Bodenkontamination aus einem DDR-Schrotthandel folgen kann, so Müller.