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| 02:48 Uhr

Altlasten beschäftigen Landkreis

FOTO: LR-Archiv
Forst/Spree-Neiße. Altlasten, also durch Industriestandorte, Tanklager oder Militärflächen verunreinigte Böden, beschäftigen den Landkreis Spree-Neiße noch immer. "Die Sanierung der meisten Standorte werde ich wohl nicht mehr erleben", sagte Maik Müller, Sachgebietsleiter der Unteren Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde, jüngst vor dem Landwirtschafts- und Umweltausschuss Spree-Neiße – obwohl er noch 17 Jahre bis zur Rente habe. Steffi Ludwig

Vier Mitarbeiter seines Sachgebietes beschäftigten sich mit dem Thema. Insgesamt 2571 Altlastverdächtige Flächen (ALVF) seien im Landkreis bekannt, das sind rund 300 mehr als noch vor sechs Jahren. Dies komme daher, dass nun auch mehr als 300 stofflich schädliche Bodenveränderungen aufgenommen wurden, die erst nach 1990 entstanden sind: an Orten, an denen ein Betrieb dahinter stehe wie beispielsweise bei der Fläche der ehemaligen Aral-Tankstelle in Forst Richtung Guben, wo eine Grundwasser-Kontamination festgestellt wurde. Die Fläche werde seit fünf Jahren saniert und dies werde auch noch weitere fünf Jahre dauern, so Müller.

Dass die Vorhaben sehr langwierig sind, zeigt auch die Tatsache, dass sich an der Zahl der untersuchten ALVF mit 544 und der sanierten ALVF mit 472 im Vergleich zu 2011 nichts geändert hat. "Die Zahlen sind jedoch dynamisch", so der Sachgebietsleiter.

Der behördliche Weg dauere oft einfach sehr lange, zudem gebe es bei einigen Altlasten gar keinen Eigentümer mehr, der die Kosten der Sanierung tragen müsste. Hier müsse dann der Landkreis oder der Staat einspringen. "Zudem ist eine gute Planung der Sanierung im Vorfeld besser, als bei der Sanierung dann Millionen in den Sand zu setzen", so Maik Müller.

Seit 1996 beschäftige die Kreisverwaltung bereits die ehemalige chemische Textilreinigung in Forst. Diese ist seit 1992 stillgelegt, die Fläche an der Frankfurter Straße wurde 1997 mit einer Einkaufspassage bebaut. Das Grundwasser ist jedoch erheblich geschädigt, eine rund drei Kilometer lange stabile Grundwasserschadstofffahne, die nördlich bis in den Stadtteil Sacro reicht, war entstanden. Deshalb sei dort die Nutzung von gefördertem Grundwasser als Trink- oder Badewasser oder zur Gartenbewässerung untersagt. Die Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde habe eine mögliche Sanierung untersucht und die Schadstoffströmung modelliert.

Voraussichtlich im März soll der Sanierungsplan fertig sein: Das Messstellennetz des Grundwassers soll verdichtet werden und Grundwasser, Bodenluft und atmosphärische Luft für 200 Jahre überwacht werden. Alle drei bis fünf Jahre solle geprüft werden, ob eine andere Art der Sanierung möglich ist, so Müller.

Bei einem anderen Altlasten-Schwerpunkt, dem ehemaligen Dachpappe-Werk Bitu-Plast in Guben, ist eine Bodensanierung voraussichtlich 2019/2020 geplant. Bis 2018 sollen ergänzende Standortuntersuchungen ausgewertet werden sowie eine Sanierungsvorplanung fertig sein.

Und bei der ehemaligen Recyclinganlage Munitzk in Eichow, wo seit 1994 Bauschutt und nach der Insolvenz 1997 unkontrolliert abgelagert wurde, habe es 2016 weitere Untersuchungen von Grundwasser und Boden gegeben. Nun gebe es die Varianten, einen Teil oder die ganze Fläche zu beräumen und wiederherzustellen. Letzteres würde rund 800 000 bis eine Million Euro kosten.

Für Untersuchung und Sanierung der Altlasten hat der Landkreis seit 1990 rund 4,65 Millionen Euro ausgegeben.

Zum Thema:
Nach Branchen sortiert ergibt sich folgende Verteilung der Altlast-Flächen: Militär: 30 Prozent, Hausmülldeponien: 24 Prozent, Landwirtschaft: acht Prozent, Werkstätten/Technikstützpunkte: acht Prozent, Tankstellen/Tanklager: sechs Prozent, Brikettfabriken/Kraftwerke: vier Prozent, Erdöl-Erdgas-Sonden: vier Prozent, Textilindustrie: drei Prozent. Glasindustrie/Düngemittellager/Industriemülldeponien: jeweils zwei Prozent. Hinzu kommen mit jeweils einem Prozent: Güllelager, Giftlager/Giftmischstationen, Chemieindustrie, Metallindustrie, Maschinenbau, Transport- und Fuhrunternehmen, Einrichtungen der Bahn, Schrottplätze, Bauschuttdeponien und sonstige Flächen.