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Stadtgeschichte
Alter Orwo-Film erinnert an Döberns IGA

Der Vortrag des Döbener Heimatvereins war sehr gut besucht.
Der Vortrag des Döbener Heimatvereins war sehr gut besucht. FOTO: Angela Hanschke
Döbern. Heimatverein lässt Tradition des Obst- und Gartenbaus aufleben und stößt damit auf großes Interesse. Von Angela Hanschke

Was verbindet die altehrwürdige Großstadt Erfurt und das kleine Döbern, das erst im Jahre 1969 das Stadtrecht erhielt? Antworten erhielten die zahlreichen Besucher eines Vortrags der Döbener Heimatfreunde. Beide Städte richteten einst eine Gartenausstellung aus. In Erfurt gab es seit dem April 1961 die IGA (Internationale Gartenbauausstellung) und eine erheblich kleinere, aber dennoch feine Ausstellung des 1908 gegründeten Obst- und Gartenbauvereins Döbern und Umgebung, der später unter dem Namen „Obst- und Gartenbauverein Sonnenschein“ eine der vier Döberner Sparten im Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) bildete.

Dessen zweijährig ausgerichtete Obst- und Gemüseschauen fanden anfangs im Döberner „Lindengarten“ statt. Die erste gab es 1949. Die Kleingärtner argwöhnten, das ausgestellte Gemüse könnte beschlagnahmt werden und bewachten es auch nachts. Ab 1962 war für jeweils drei Tage im Jahr das damalige Haus des Friedens (heute Deutsches Haus) Ausstellungsort der „kleinen IGA“. Diese genoss einen weit über die damaligen Kreis- und Bezirksgrenzen hinaus reichenden ausgezeichneten Ruf und zog auch Schulklassen aus der Region an. „Ein schöner Garten muss ein produktiver Garten sein“, hieß es. Ziel war, auf 130 Quadratmetern Gartenfläche 130 Kilogramm Obst zu ernten, um mit dem frischen Erntegut die HO- und Konsum-Einrichtungen zu beliefern. Im August 1980, am Eröffnungstag der 14. grünen Lehr- und Leistungsschau, wurde die 773. Folge der Radio-Sendereihe „Ihre Melodie am Samstagmorgen“ in der Glasmacherstadt Döbern aufgezeichnet. Die Mitarbeiter des Senders Cottbus hatten ihr Quartier auf der Terrasse des Sportlerheims aufgeschlagen. Nicht nur die Döberner verfolgten die Übertragung, als früh um 6 Uhr der damalige Vereinsvorsitzende Eberhard Vatter interviewt wurde. 130 Mitglieder waren damals im VKSK organisiert. Dennoch sorgte sich der Vorsitzende um die Nachwuchsgewinnung. Zu Wort kamen auch der einstige Groß Kölziger Gärtnermeister Karl-Heinz Kätzmer, ebenso Kurt Paulik, bis 1972 Vorsitzender des Vereins, und fotografisch verewigt wurde Rudolf Dottke, der von seinen Legehennen jährlich 10 000 bis 12 000 Eier abliefern konnte. Und nicht zuletzt würdigte der damalige Bürgermeister Heinz Zedler „die vorbildlichen Leistungen im Mach-mit-Wettbewerb“. Einst wurde der Bericht auf einer Magnetbandkassettte vom Typ Orwo K 60 aufgezeichnet. Die gab es zum Preis von 20 Mark der DDR im „HO – Haus der Technik“. Ein Exemplar aus dem Fundus des Döberner Heimatmuseums wurde jetzt durch Rüdiger Hirsch auf einer CD gesichert und durch Ralf Klekar mit Fotomaterial aus jener Zeit ergänzt.

1989 gab es die letzte „kleine IGA“ in Döbern. Als „Ausstellung der Superlative“ bezeichnet und dem Anlass „40 Jahre DDR – 30 Jahre VKSK – 20 Jahre Stadtrecht Döbern“ gewidmet. Im November 2008 begingen die Kleingärtner das 100. Gründungsjubiläum ihres Vereins. Nur wenig später löste sich dieser auf.