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| 02:35 Uhr

Alte Schätze und harte Arbeit

Eine echte Kunst – das akkurate Beladen eines Leiterwagens.
Eine echte Kunst – das akkurate Beladen eines Leiterwagens. FOTO: Angela Hanschke/aha1
Groß Schacksdorf-Simmersdorf. Mehr als 1000 Besucher und Schlepperfahrer haben die Oldtimer- und Schlepperfreunde aus Groß Schacksdorf-Simmersdorf am Samstag bei ihrem siebten Treffen empfangen können. Auf dem Vereinsgelände nahmen rund 160 historische PS-starke Fahrzeuge Aufstellung. Angela Hanschke / aha1

Mit nur zwei PS reiste Gespannführer Eberhard Hein aus Groß Kölzig an. Vertreten waren auch zahlreiche Zweiräder, darunter mit den Marken Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht alle Vertreter der Suhler Vogelserie sowie lack- und chromblitzende Pkw wie der Tatra, Baujahr 1972, der einst in Prag zur Fahrzeugflotte der DDR-Botschaft gehörte.

Etliche Schlepperpiloten reisten mit weiterer Technik auf der Ladefläche an, wie Andreas Schötzig aus Drehnow, der auf dem Tieflader seines Scania R450 einen ZT323 und eine betagte Raupe transportierte. Hunderte Schaulustige bildeten das Spalier, als all diese Oldies bei der Ausfahrt durch die Gemeinde rollten.

"Ein schönes heimatnahes Treffen mit Rahmenprogramm auch für die Kinder und alles sehr gut durchorganisiert", lobte Enrico Laugksch von der zum siebten Mal vertretenen Interessengemeinschaft der Lausitzer Oldtimerfreunde "Die Kurbelwelle".

Aus einer fixen Idee vor elf Jahren sei mittlerweile eine weit über die Gemeinde hinaus anerkannte Veranstaltung geworden, zog der Vereinsvorsitzende Hans-Jürgen Christoph bei der offiziellen Begrüßung Bilanz. Spannend ging es zu, als zahlreiche Schlepperfahrer umringt von Hunderten Zuschauern, ihr Können unter Beweis stellten, um eine zwei Meter tiefe Grube zu durchfahren. Viele mussten vor diesem Hindernis kapitulieren. Hauptattraktion war am Samstag jedoch die "Heuernte im Wandel der Zeiten".

Gezeigt wurde sie auf einer ein Hektar - das entspricht vier preußischen Morgen - großen Wiese der Agrargenossenschaft Gahry. Bevor jedoch die ersten Halme des Rispengrases fielen, demonstrierten Rudolf Schönrock (68), Karl-Heinz Jakob (78) und der gleichaltrige Egon Hähnchen die aussterbende Kunst des Dengelns. Im Einsatz: Raritäten wie ein Wetzfass aus Horn, eine Dengelbank aus dem niederschlesischen Raum und ein Wanderdengelstein, den einst die Schnitter vor mehr als einem Jahrhundert mit sich führten.

Dabei gab es auch ein Wiedersehen mit Rüdiger Budek, der vor zwei Jahren als Kartoffelkönig Friedrich II. über den Acker paradierte. In diesem Jahr erwies er sich nicht nur beim Moderieren, sondern auch beim Umgang mit Sense und der Kenntnis sämtlicher Schleppertypen als Vollprofi. Das Besucherinteresse zeige, dass man sich in der Region der Landwirtschaft noch immer verbunden fühle.

"Die Sense ist das Zeichen bäuerlicher Arbeit", betonte der Landwirt aus Hornow und appellierte an "alle Gäste aus Nah und Fern", insbesondere jedoch an die Jugend, die alten Traditionen beim Sensedengeln und Heumähen zu bewahren.

"Heuernte war jedoch nicht nur Freude, sondern auch eine Schinderei", sagte er im Hinblick auf hochsommerliche Hitze, drohende Gewitter und Pferdebremsen, die Mensch und Pferd gleichermaßen plagten. Ideales Heuwetter - Sonnenschein mit einem Lüftchen - stellte sich noch ein, als nach der Handmahd die ersten Schlepper übernahmen.

Den Reigen eröffnete Hans-Jürgen Christoph mit dem Lanz-Bulldog aus dem Jahre 1939. Zur Erbauungszeit kostete das Schmuckstück rund 6000 Reichsmark, so viel wie ein Einfamilienhaus. Auch ein RS08 mit Mittelschnittbalken, eine von Arnim Mettke gesteuerte Brockenhexe aus dem Jahre 1955, ein RS30 und ein Famulus mit Günter Krätsch, 1965 und 1967 DDR-Meister im Leistungspflügen, konnten ebenso wie ein knapp 80 Jahre alter Normag, ein unverwüstlicher Belarus, ein "Eigenbau" von Dieter Jeschke sowie ein Traktor Fendt samt Sternwender von Ingo Jeschke bestaunt werden.

Zum Abschluss war wieder Muskelkraft gefragt, als drei Männer und eine Frau bei schweißtreibendem Einsatz mit Harke und Erntegabel den hölzernen Leiterwagen in eine Heufuhre verwandelten.