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| 02:35 Uhr

Alles auf eine Karte – Ehrenamtler wägen ab

Volles Haus beim Workshop zum Ehrenamt in Forst.
Volles Haus beim Workshop zum Ehrenamt in Forst. FOTO: Beate Möschl
Forst. Ein Wörtchen mitreden, diese Chance haben aktive Vereinsmitglieder und Vereinschefs am Donnerstagabend beim Workshop in Forst genutzt. In lockerer Runde ging es zur Sache und jede Idee kam in die Punktewertung. Beate Möschl

Das Geschehen erinnerte an die ersten Festkomiteesitzungen zu 750 Jahre Forst. Das nahm nicht Wunder, kannten sich die meisten doch aus diesem Kreis. Zudem war der 750-Jahre-Forst-Cheforganisator Sven Zuber auch Leiter des Workshops zur Würdigung des ehrenamtlichen Engagements im Versammlungsraum der Feuerwehr Mitte.

Er aktivierte nach der Eröffnung des Workshops durch Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) routiniert die ganze Truppe: Nach einem kurzen Überblick über den bereits im November 2015 im Kultur- und Sozialausschuss vorgestellten Entwurf des Konzeptes zur Weiterentwicklung der Würdigung des ehrenamtlichen Engagements in Forst, teilten sich die Anwesenden in vier Arbeitsgruppen auf. In Gruppe C fand sich die RUNDSCHAU wieder und begleitete Aktive wie den PSV-Präsidenten Gerd Suschowk, Manuela Kohlbacher vom Verein Wertewandel, Andreas Wolff, Vorsitzender des Gewerbevereins Rosenstadt Forst, Uwe Kohn vom Bezirksverband der Gartenfreunde Forst und Umgebung, und Sigrid Hennig, Vorsitzende des Forster Vereins Zukunft, Aktivität, Kreativität.

Alle machten überwiegend klar, dass Wertschätzung fürs Ehrenamt nicht erst bei Auszeichnungen beginnt, sondern in der täglichen Arbeit für Verein und Region. Anschauliche Beispiele waren schnell beigebracht: "Wenn ich in die Verwaltung komme, muss es doch ausreichen, dass ich mich als Ehrenamtler vorstelle. Wenn ich auf einen unwilligen Mitarbeiter treffe, nützt mir doch auch ein Anstecker oder eine Ehrenamtsweste nichts", so Uwe Kohn. Gerd Suschowk machte deutlich, was er meint, wenn er sich für eine bessere Kommunikation zwischen Vereinen und Verwaltung einsetzt: "Wenn wir bei der Stadt eine Sondernutzung beantragen, um für unsere Veranstaltungen werben zu können, bemühen wir uns immer, die Plakate rechtzeitig zum Termin wieder abzunehmen. Aber wenn dann doch mal eins hängenbleibt, gibt es nicht etwa einen kurzen Anruf oder Hinweis von der Verwaltung, sondern gleich ein Schreiben mit Mahngebühr." Das müsse anders gehen, fand auch Andreas Wolff.

Manuela Kohlbacher nannte drei Ansätze für eine Würdigung des Ehrenamtes: Erstens die Unterstützung der Vereine bei der Öffentlichkeitsarbeit, zweitens die Nutzung der Vereine als Kompetenzorte, drittens die Ehrenamtler auf Augenhöhe ansehen und behandeln in der Verwaltung. "Ich möchte keinen Rabatt auf den Eintritt ins Freibad. Weil ich weiß, die Eintrittspreise sind schon moderat, und dafür finde ich auch ein ordentliches Angebot vor", argumentierte sie: "Mir würde es eher helfen, wenn ich in der Verwaltung schneller bedient werde und bestimmte Anträge und Verfahrensweisen vereinfacht werden." Eine der Patinnen vom Netzwerk Gesunde Kinder des Paul-Gerhardt-Werkes schlug vor, die Ehrenamtskarte an die Parkkarte zu binden als Signal, hier ist ein Ehrenamtler unterwegs, der darf notfalls eine halbe Stunde länger parken. Egal ob beim Landkreis oder in der Stadtverwaltung, es komme oft vor, dass ein Behördengang länger dauere und es dann Knöllchen gebe.

Alle Vorschläge aus den Arbeitsgruppen wurden vorgetragen. Beim Punkt "Würdigung für besondere Leistungen" konnte jeder Teilnehmer bewerten, was ihm besonders wichtig ist. Ergebnis: 35 Punkte gab es für den Tag des Ehrenamtes, 26 Punkte für den Eintrag ins "Goldene Buch der Stadt Forst" und 25 Punkte für den Vorschlag, Ehrenamtler zur Würdigung ihres Engagments zu besonderen Anlässen der Stadt einzuladen. Auf den Plätzen vier, fünf und sechs landeten die Ehrung mit einer Ehrennadel, die Nutzung der Ehrenamtskarte als Parkticket und der Vorschlag, als Vip-Gast zu Veranstaltungen zugelassen zu werden.

Zuber fasste zusammen: "Das ist die Bestätigung und Aufforderung für uns, dass wir die Brandenburger Ehrenamtskarte weiterverfolgen und für Forst stärker nutzbar machen, das Goldene Buch als wichtiges Instrument der Würdigung qualifizieren und uns Gedanken machen über Ehrennadeln und Pins." Das schließe den Ehrenamtsag ein. Einen Tag der Vereine gab es schon mal in Forst, erinnerte er und kündigte an, dass die Tradition unter der Überschrift "Wir für Forst" wiederbelebt werden soll.

Auch die Hinweise zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Ehrenamtlern und Verwaltung will Zuber mitnehmen. Die Konzeption werde überarbeitet und zur Beschlussempfehlung in die Fachausschüsse gegeben. Bürgermeister Philipp Wesemann ermunterte die Ehrenamtler nicht nachzulassen, sie seien die Kraft, die die Gesellschaft zusammenhält.