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| 18:40 Uhr

Altes Handwerk
Älter als das Rad – die Seilerei

Die Besucher der Ausstellungseröffnung bildeten an der Seilbahn eine dichte Traube um Kurator Detlev Langmann.
Die Besucher der Ausstellungseröffnung bildeten an der Seilbahn eine dichte Traube um Kurator Detlev Langmann. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Neue Sonderausstellung widmet sich im Textilmuseum dem alten Handwerk und der Forster Tradition. Von Angela Hanschke

Rund 50 Besucher haben am Donnerstagabend die Eröffnung der Sonderausstellung „Seilzeitalter – Von der Erfindung der Verwindung“ im Brandenburgischen Textilmuseum besucht. Eine zweihundertjährige Familientradition bewahrt Dr. Detlev Langmann aus dem Kirchhainer Teil der Doppelstadt Doberlug-Kirchhain, vor dem Vergessen.

In jahrzehntelanger Sammeltätigkeit ergänzte er Gerätschaften aus der Werkstatt seines Vaters Rainer Langmann durch weitere historische Maschinen, Zeichnungen, Holzschnitte, Gemälde, Fachzeitschriften, Fachbücher und Mitbringsel aus fernen Regionen. Obgleich der Kurator der Ausstellung selbst mit der beruflichen Tradition gebrochen hat, wurden die Besucher beim gemeinsamen Rundgang Zeugen seines beinahe enzyklopädischen Wissens zur Geschichte und Technologie dieses aussterbenden Handwerks.

Sämtliche Gerätschaften zur Flachsverarbeitung waren vertreten. Ebenso eine imposante Seilzugmaschine, an deren Bahn ein Seiler zur Herstellung der Tagesproduktion von 35 Seilen rund zehn Kilometer zurücklegen musste. In einer separaten Vitrine werden Zeugnisse der Handwerkstradition gezeigt. Darunter zwei mit Siegeln versehene Wanderbücher von Seilergesellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Wohl kaum ein Besucher war sich anfangs bewusst, dass die Seilerei eines der ältesten Handwerke ist. Lange vor der Erfindung des Rades wurden Seile bereits beim Bau der Pyramiden eingesetzt. Einige Funde entstanden vor rund 12000 Jahren. „Ohne Seile ging und geht nichts. Weder Erkundungen in Bergwerken, noch Schiffsverkehr, Luftschifffahrt und Fallschirm“, umriss Detlev Langmann ihre Bedeutung.

Musikalisch untermalt wurden seine Ausführungen durch den Hamburger Musiker Holger Mantey am Klavier und der russischen Ravdrum. Geradezu verblüffend ist die Bandbreite der gezeigten Seilerei-Erzeugnisse. Auch am ehemaligen Textilstandort  Forst waren Seile unverzichtbar. „Bereits im Jahre 1693 sicherten sich die Vertreter dieser Zunft in der Region ihre Privilegien“, informierte Museumsleiterin Michaela Zuber. Im Jahre 1814 arbeiteten sechs Seiler in der Stadt. Bis 1939 existierten die Werkstätten von Oswald Dunkel, Emil Kurz, Otto Schaar und Jean Weber. Noch im Jahre 1968 existierte eine private, von Käte Dunkel geführte Seilerwerkstatt samt Geschäft.

Einer der letzten Vertreter übte sein Handwerk bis zur politischen Wende im einstigen VEB Web- und Strickwaren aus. „Damals ging die Forster Seilertradition zu Ende. Man dachte nicht daran, die Maschinen zu sichern, um sie zu erhalten. Damit ging auch das Wissen um das Handwerk verloren“, sagte Michaela Zuber bedauernd. Die Sammlung, die bis zum 18. November gezeigt wird, ist deshalb eine wertvolle Ergänzung zur  Forster Dauerausstellung.