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Emotionen beim Abschied
Abschied von ihren Omis

Erika Glowna (r.) verabschiedet als Vertreterin der Hausgemeinschaft  Saskia Stahn. Zur Erinnerung bekommt sie ein Foto, für das alle Bewohner .der Wohnanlage des DRK in Döbern zusammengekommen sind.
Erika Glowna (r.) verabschiedet als Vertreterin der Hausgemeinschaft Saskia Stahn. Zur Erinnerung bekommt sie ein Foto, für das alle Bewohner .der Wohnanlage des DRK in Döbern zusammengekommen sind. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Döbern. Saskia Stahn verlässt nach 18 Jahren als Leiterin die DRK-Seniorenwohnanlage in Döbern.

Ihr mitreißendes Lachen klingt auch zur Verabschiedung durch die Begegnungsstätte der DRK-Wohnanlage in Döbern. „Vielleicht sollte ich mein Lachen auf eine CD aufnehmen, dann könnte ihr es immer wieder hören“, schlägt Saskia Stahn scherzhaft vor.  Stattdessen überreichen ihr die Damen und Herren Blumen, Geschenke und ein Bild der Hausgemeinschaft.

Saskia Stahn ist ist gerührt.

Nach 18 Jahren als Leiterin verlässt sie die DRK-Seniorenwohnanlage in Döbern. „Es fällt mir schwer die Bewohner zurück zu lassen“, sagt die 49-Jährige. Am 1. April wird sie beim Bestatter Bartsch und Pfeiffer neu anfangen. Erlernt hat sie diesen Beruf nicht. Dafür kann die Simmersdorferin etwas viel Wichtigeres: Sie kann mit Menschen umgehen. Egal ob als Betreuerin der Senioren, Moderatorin oder seit einem Jahr als Trauerrednerin – Saskia Stahn trifft den richtigen Ton. Sie erspürt im Gespräch sogar Dinge, die unausgesprochen bleiben.

Vor allem ist die Saskia Stahn eine Frau der Tat. Sie handelt getreu dem Motto, was man nicht kann, muss man lernen und üben. Also nutzte sie die letzten Urlaubstage, um sich auf den neuen Beruf vorzubereiten. „Den ersten Toten habe ich schon angezogen“, sagt Stahn wie immer direkt heraus. Tatsächlich sei ihr der Umgang mit dem Tod nicht fremd. „Ich kam durch die Arbeit in der Seniorenwohnanlage und privat viel mit ihm in Berührung“, erzählt sie. Vor etwa einem Jahr hielt sie für eine Kameradin der Rettungshundestaffel, die mit 35 Jahren gestorben war, einen Teil der Trauerrede. Dies war für sie der Auslöser, um nebenberuflich als Trauerrednerin zu arbeiten. „Ich habe gemerkt, dass es mir gelingt, Angehörigen in den letzten Stunden des Abschieds Trost und Beistand zu geben“, so Stahn.

Eine Vertraute wurde Saskia Stahn auch für die Bewohner der DRK-Seniorenwohnanlage. Der damalige DRK-Geschäftsführer Ulrich Schöpel hatte Stahn im Jahr 2000 als Leiterin nach Döbern geholt. Insgesamt 30 Wohnungen hat das 1995 gebaute Haus. Und Saskia Stahn setzte sich dafür ein, dass ein Raum im Dach der Wohnanlage zur Begegnungsstätte ausgebaut wurde. Seitdem ist er für die Senioren des Hauses und des Ortes zu einem festen Treffpunkt geworden. Hier finden regelmäßig Kaffeenachmittage statt. Es gibt einen Computerkurs für Senioren, den Handarbeitszirkel, die Bastelgruppe und die Seniorensportgruppe.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabine Gerling betreute die 49-Jährige die Senioren. „Es fängt an bei der Begleitung von Behördengängen, Fahrdiensten und die Umsorgung im Haus“, sagt Stahn. Ihre Telefonnummer war für Notfälle im Haus hinterlegt. Wenn also die Heizung nicht warm wurde oder etwas anderes nicht funktionierte, kümmerte sie sich darum – auch am Wochenende oder abends. Dabei ist es keine einseitige Sache. „Meine Omis“, sagt Saskia Stahn liebevoll, „passen auf, dass ich mittags etwas esse oder meinen Urlaub nehme.“

Der Abschied fällt nicht leicht. Nicht nur in den Augen der Leiterin glitzern Tränen, auch die Bewohner sind ergriffen. Gern wäre Saskia Stahn geblieben, aber nicht mehr beim DRK Kreisverband Forst Spree-Neiße. Auch wenn sie selbst noch nicht betroffen war, stört sich Saskia Stahn am Umgang des DRK mit seinen Mitarbeitern. Im Sommer vergangenen Jahres begannen Tarifverhandlungen, die nur langsam vorankommen. Mitglieder des Betriebsrats berichten gegenüber der RUNDSCHAU von unzutreffenden Anschuldigungen und Abmahnungen, die krankmachen.

Ganz loslassen könne sie ihre Senioren nicht, gesteht Saskia Stahn. Wie schon seit fünf Jahren will sie die Leitung des Seniorenbeirats Döbern ehrenamtlich weiterführen. Der bisher beim DRK angesiedelte Theaterring soll in die Arbeit des Seniorenbeirats der Stadt Döbern integriert werden. Und die Arbeit des Döberner Netzwerks für Vielfalt möchte Stahn als Privatperson ebenfalls weiter unterstützen.

In der Wohnanlage wird sich Sabine Gerling um die Betreuung der Bewohner kümmern.