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| 21:09 Uhr

Spree-Neiße-Dezernent Hermann Kostrewa verabschiedet
Fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze des Kreises

 Hermann Kostrewa (l.) hat am Freitag auf Gut Neu Sacro zahlreiche Gäste anlässlich seines Abschieds aus der Kreisverwaltung Spree-Neiße begrüßt, hier den Forster Stadtverordneten Klaus-Dieter Stenzel (SPD).
Hermann Kostrewa (l.) hat am Freitag auf Gut Neu Sacro zahlreiche Gäste anlässlich seines Abschieds aus der Kreisverwaltung Spree-Neiße begrüßt, hier den Forster Stadtverordneten Klaus-Dieter Stenzel (SPD). FOTO: LR / Daniel Schauff
Forst. Erster Beigeordneter, Vize-Landrat, Sozialdezernent – nach 24 Jahren für Spree-Neiße hat sich Hermann Kostrewa am Freitag verabschiedet. Von Daniel Schauff

Gut Neu Sacro – wie hätte es auch anders sein sollen. Forst, das war nicht nur Hermann Kostrewas (SPD) Arbeitsplatz in den vergangenen 24 Jahren, sondern auch der Ort, an dem er sich sein Zuhause aufgebaut hat. In Klein Jamno lebt er und stellt am Freitag klar: Er wird auch weiterhin in der Region bleiben, weiterhin sichtbar sein, jetzt als Vorsitzender der Forster SPD, nicht mehr aber als Mitglied der Landratsamtsspitze.

Kostrewas Amtszeit endet mit dem heutigen Tag. Und sie ist gesäumt von Meilensteinen, so zumindest nennt Kostrewa sie. Und das mit einer gewissen Bescheidenheit – mit jedem Meilenstein nennt er gleich die Namen der Menschen, ohne die er den jeweiligen Stein wohl nicht erreicht hätte. Ja, das will Kostrewa dann doch loswerden: Die Zeit im Landratsamt war „eine recht erfolgreiche Zeit“.

Einer dieser Meilensteine sei die Zusammenführung der vier Landkreise, die heute gemeinsam Spree-Neiße sind. Es sei gelungen, alle Kultureinrichtungen im Bestand zu sichern, sagt Kostrewa. Wichtig sei auch die Neuordnung des Schulwesens gewesen – Stichwort: Oberschulen. Gerade in der heutigen Diskussion um den Fachkräftemangel sei es bedeutend, dass im Kreis Nachwuchs ausgebildet werde.

Das Schulbauprogramm, die Wahrung der sorbisch/wendischen Tradition im Kreis, die deutsch-polnische Zusammenarbeit, die Neuorganisation der sozialen Dienste, die Errichtung des regionalen Jobcenters ... Viel hat in die 24 Jahre gepasst, in der Kostrewa im Landkreis gewirkt hat.

Und mehr noch: Er habe auch ein Stück weit dafür gesorgt, dass nach dem Mauerfall 1989 auch die noch verbliebene Mauer in den Köpfen der Menschen ein Stück kleiner geworden sei, sagt Michael Garske, ehemaliger Dezernent im Landkreis Oberhavel. Kostrewa ist Ostfriese, ist kurz nach der Wende nach Spree-Neiße gekommen. Zuvor hatte er 17 Jahre lang in seiner Heimat Emden gewirkt. Der Ostfriese schwingt noch in seiner Sprache mit, auch nach so vielen Jahren am östlichsten Rand von Brandenburg.

Von dort aus hat sich der Dezernent den Hut der Kreise und kreisfreien Städte aufgesetzt, um sie gegenüber den Sozialkassen zu vertreten. „Serviceeinheit Entgeltwesen“ – ein sperriger Name für ebendiese Vertretung, die ihren Sitz im Forster Kreishaus hat. Nicht nur, aber auch daher der gute Draht zu Garske, zu anderen Dezernenten aus anderen Landkreisen Brandenburgs, die nach und nach am Freitag auf Gut Sacro eintrudeln, Hände schütteln, Präsente überreichen. Bürgermeister sind dabei, die Cottbuser Sozialdezernentin Maren Dieckmann, Vertreter aus Potsdam, Kostrewas Chef Harald Altekrüger. Ein regionales und überregionales Netzwerk habe sein Erster Beigeordneter gesponnen.

Wahrscheinlich, so der Wahl-Forster, werde er jetzt ein wenig mehr Zeit mit seinem Motorrad verbringen. Seit den 80er-Jahren fährt er es, Grund für Kostrewa, sich auf die ersten warmen Tage im März zu freuen. Und vielleicht auch darüber, dass er nicht mehr ganz so viel Arbeit auf dem Tisch haben wird. „Ich hinterlasse auch die eine oder andere Baustelle“, sagt Kostrewa. Neues Geld aus dem Investitionsprogramm Schule soll im Kreis ausgegeben werden, der innere Zusammenhalt in der Verwaltung gehalten, sogar verstärkt werden. Glaubt man seinen Mitarbeiterinnen, hat Kostrewa im Kreishaus zumindest für gute Stimmung gesorgt. Das zumindest geht aus dem Gedicht hervor, dass sie ihrem Chef zum Abschied vorlesen. Dann aber, so Kostrewa könne es endlich ans Buffet gehen.