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| 02:37 Uhr

Abrissflächen werden zu wichtigen Trainingsmöglichkeiten

Trümmerlandschaft in Forst: Gemeinsam erkunden Schäferhund Diego und Hundeführer Thomas Baumgart das Gelände.
Trümmerlandschaft in Forst: Gemeinsam erkunden Schäferhund Diego und Hundeführer Thomas Baumgart das Gelände. FOTO: Margit Jahn/mjn1
Spree-Neiße. Die Kulisse gleicht einem Erdbebengebiet. Dabei ist die Rettungshundestaffel des Katastrophenschutzes mitten in Forst. Zum dritten Mal proben 13 Hundeführer mit ihren Tieren auf einem großen Abrissgelände in der Straße "Am Haag". Margit Jahn / mjn1

Und während Staffelleiterin Saskia Stahn ihre Mannschaft instruiert, warten Lea, Spunky, Carlos, Lennox und weitere neun erfahrene oder sich in Ausbildung befindende Hunde auf ihren Einsatz.

Der zweijährige Carlos nimmt am Eingang des ehemaligen Pflegeheimes die Spur auf. Als der Australian Shepherd Melanie Bagehorn in Richtung Neiße führt, gibt Ausbilderin Solveig Neumann ein Zeichen; das ist nicht die richtige Spur. Daraufhin bekommt er nochmals den Geruch zum Aufnehmen - und dieses Mal klappt es. Nach wenigen Metern hat er die gesuchte Person hinter einem Baum aufgespürt, setzt sich und verbellt den Gefundenen. Zur Belohnung gibt es ein Leckerli.

"Mantrailing" heißt diese spezialisierte Suche. "Die Königsklasse", sagt Saskia Stahn. Denn die Hunde nehmen über den Boden Duftmoleküle auf, kleinste Bestandteile aus Hautpartikeln, von denen jeder Mensch Tausende pro Minute verliert. Nur Hunde mit einem hervorragenden Geruchssinn sind dafür geeignet. Der noch junge Carlos hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Wenn auch mit etwas Hilfe.

Nun ist der achtjährige Border Collie Lennox an der Reihe. Er soll gleich drei Personen in den Trümmern finden, nimmt den Geruch auf und prescht auf den Trümmerhaufen los, rennt mehrere Runden drum herum, nach oben, nach unten, sucht verzweifelt den Zugang zu Kristin Doneth, die als Vermisste inmitten der zusammengefallenen Platten ausharrt. Auch ihm hilft Saskia Stahn ein wenig, motiviert Lennox, die treppenartigen Stufen der Platten zu benutzen. Die Strategie hat Erfolg, Lennox findet zuerst Kristin Doneth und binnen 20 Minuten auch Lutz Panketat sowie Nadine Schicketanz in den Trümmern. Von seiner Hundeführerin Sissy gibt es dafür eine kleine Belohnung.

Noch weit von diesen Fähigkeiten entfernt ist Schäferhund Diego. Der anderthalbjährige Begleiter von Thomas Baumgart soll erst einmal lernen, sich auf einem unebenen, wackeligen oder rutschigen Untergrund sicher zu bewegen. Doch ohne Geduld und gegenseitige Achtung geht bei der Rettungshundestaffel gar nichts. Ist ein Hund für eine bestimmte Sektion nicht geeignet, gibt es keinen Zwang; man findet eine Aufgabe, für die sich der Hund besser eignet.

Das könnte zum Beispiel der Einsatz als Trümmersuchhund sein, wie bei der siebenjährigen Lea von Kathrin Goldmann. Bereits drei Mal wurde jeweils in einem anderthalbjährigen Abstand überprüft, ob Hund und Hundeführer noch geeignet sind, um in Trümmer gehen zu dürfen. Doch ohne Training keine Prüfung. Wann immer sich Gelegenheit ergibt, und die Eigentümer es gestatten, ist Saskia Stahn mit ihrer Staffel vor Ort, um in Abrisstrümmern, die bevorzugt aus Platten bestehen sollten, zu trainieren. "Die großen Platten haben den Vorteil, das wir Personen gut darin verstecken können."

23 Rettungshunde mit ihren ehrenamtlich arbeitenden Hundeführern stehen dem Landkreis Spree-Neiße zur Verfügung. Diese werden von sechs Ausbildern ausgebildet und betreut, die sich wiederum selbst spezialisiert haben auf verschiedene Bereiche. "Ein zeitaufwendiges, aber schönes Hobby", sagt Staffelleiterin Saskia Stahn. Und doch ist es mehr: "Das Ziel ist, Menschenleben zu retten." 17 Mal kam ihr Team im vergangenen Jahr zum Einsatz - über Ländergrenzen hinweg.

Unvergessen sind Einsätze wie 2012 beim Zugunglück in Hosena oder der tödliche Reitunfall 2007 bei Forst. "Die Last zwischen Hoffnung und Verantwortung wiegt schwer", sagt Saskia Stahn. "Der Respekt vor der Stille bis zum erlösenden Aufatmen, wenn der Hund bellt - das sind Momente, die man nicht vergisst."

Kontakt: Telefon 0172 3530401