| 17:27 Uhr

Europaweiten Aktion
Abfälle vor der Grenze gestoppt

Statt wie deklariert Gummi und Kunststoff entdecken die Kontrolleure auch Holz und Stoff in den gepressten Ballen.
Statt wie deklariert Gummi und Kunststoff entdecken die Kontrolleure auch Holz und Stoff in den gepressten Ballen. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Bademeusel / A 15. Kontrolle bei Forst ist Teil einer europaweiten Aktion, um illegale Abfalltransporte aufzudecken. Von Katrin Kunipatz

Auf dem letzten Parkplatz vor der polnischen Grenze hat die Polizei am Donnerstag einen Kontrollpunkt eingerichtet. Das Augenmerk gilt Lkw und Kleintransportern. „Schwerpunkt sind grenzüberschreitende Abfalltransporte“, erklärt Harry Jäkel vom Landeskriminalamt (LKA). „Ziel sei es, illegale Abfallströme herauszuarbeiten. „Europaweit gibt es deshalb im November ähnliche Kontrollen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, Rumänien und Spanien, so Jäkel.“ Aber auch Verkehrssicherheit sowie die Lenk- und Ruhezeiten werden kontrolliert. Deshalb sind neben dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) und der Sonderabfallgesellschaft Brandenburg / Berlin (SBB) auch Zoll und Verkehrspolizei vor Ort.

Der Parkplatz füllt sich. Einige Transporter dürfen schon nach wenigen Minuten weiterfahren. Ihre Papiere sind in Ordnung und auch sonst werden keine Mängel festgestellt. Ein 40-Tonner parkt dagegen schon seit einer Weile am Rand der Durchfahrt. Gestartet ist der Lkw bei einer Recyclingfirma im Münsterland. Sein Ziel ist Polen. Der Fahrer hat die Heckklappen geöffnet und die Experten inspizieren die Ladung.

Der gesamte Lkw ist mit nicht korrekt deklariertem Müll beladen.
Der gesamte Lkw ist mit nicht korrekt deklariertem Müll beladen. FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Die zusammengepressten Ballen auf der Ladefläche verströmen den typischen Müllgeruch. Zu erkennen sind Plastetüten, Flaschen und Teile von Verpackungen, aber auch Holzreste und Stoff. Nachdem der Lkw-Fahrer die Plane an der Längsseite weggezogen hat, wird der Befund noch klarer. „Es sieht aus wie gepresste Gelbe Tonne“, äußert einer der Beamten. Deklariert ist die Ladung jedoch als Kunststoff und Gummi. „So etwas haben wir öfter“, sagt ein Mitarbeiter des BAG. Weiterfahren darf der Lkw nicht. Vielmehr müssen die Abfälle wieder zurück nach Nordrhein-Westfalen.

Außerdem werde ein Strafverfahren wegen des Verbringens ungefährlicher Abfälle ins Ausland eingeleitet, erläutert Harry Jäkel vom LKA. Das Problem in diesem Fall ist die falsche Deklaration der Ladung. Tatsächlich sei es nicht ungewöhnlich, dass auch zertifizierte Recyclingunternehmen Müll nach Osteuropa transportieren, weil die Entsorgungskosten dort niedriger seien, so Jäkel. Der Gewinn lasse sich natürlich noch erhöhen, wenn man bei der Genehmigung trickst.

Der Kleintransporter mit dem eingesammeltem Sperrmüll und Elektronikschrott darf nicht weiterfahren.
Der Kleintransporter mit dem eingesammeltem Sperrmüll und Elektronikschrott darf nicht weiterfahren. FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Auf zwei Kleintransportern entdecken die Polizisten zwischen Sperrmüll und Elektronikschrott, ein rostiges Moped und einen Kühlschrank. Eingesammelt wurden die Dinge in Teltow, nachdem die Einwohner per Wurfzettel dazu aufgefordert wurden. „Es handelt sich um gefährliche Abfälle, die ohne Genehmigung gar nicht über die Grenze gebracht werden dürfen“, erklärt Sabine Fankhänel vom SBB. Außerdem seien die Kommunen für die Entsorgung des Elektronikschrotts verantwortlich, so Jäkel. Illegale Sammlungen entziehen den hiesigen Entsorgungsunternehmen Wertstoffe, wie Kupfer oder Zink. Entladen werden die Transporter später im Beisein der Polizei auf einem kommunalen Wertstoffhof, wo auch die Betriebsstoffe korrekt entsorgt werden.

Auf seine Weiterfahrt warten muss auch ein Autotransporter. Vier Spanngurte sind verschlissen oder angerissen. Der Kollege sei in drei Stunden hier, versichert der Fahrer dem Polizisten. Also blieb er auf dem Parkplatz, als nach vier Stunden die Kontrolle beendet war. „Über 80 Fahrzeuge haben wir überprüft, mehrere Ordnungswidrigkeiten festgestellt und drei Strafverfahren eingeleitet“, fast Harry Jäkel zusammen.