„Wir wollen die Jugendlichen nicht vertreiben“ , sagt Siegbert Kalz, aber diese müssten sich entsprechend benehmen, wenn sie sich auf öffentlichen Plätzen in der Stadt aufhielten. In den vergangenen Wochen haben er und Stephan Münzer (42) vom Ordnungsamt gezielt Jugendliche angesprochen, wenn sie sich in Gruppen auf Spielplätzen, dem Friedhof oder auf öffentlichen Bänken aufgehalten haben. Auch vor den Schulen sind sie regelmäßig präsent. Bislang war diese Arbeit weniger intensiv betrieben worden.
„Wir können das Elternhaus nicht ersetzen“ , sagt Stephan Münzer. Aber die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass die Jugendlichen lernwillig seien. Regelmäßig würden diese dazu aufgefordert, ihren Müll in die Papierkörbe zu tun und die Flaschen wieder mitzunehmen. „Wenn man vernünftig mit denen spricht, dann folgen sie einem auch“ , sagt Siegbert Kalz. Das sei eben wie mit dem Sprichwort, dass es aus dem Wald herausschalle, so wie man hineinrufe. „Reden hilft immer“ , sagt der Beamte, der seit drei Jahren Revierpolizist in Forst ist. Genauso wie sechs weitere Kollegen ist er regelmäßig im Stadtgebiet unterwegs.
Die Zusammenarbeit der Verbundstreifen mit dem Ordnungsamt haben sich bewährt, wie der stellvertretende Wachleiter Reinhard Dockter sagt. Dadurch, dass sich die Aufgabenbereiche von Polizei und Ordnungsamt teilweise überschneiden, sei eine gemeinsame Streife sinnvoll.

Zeitersparnis durch Zusammenarbeit
„Das spart uns Zeit“ , sagt Siegbert Kalz. Beispielsweise müsse er jetzt nicht, wenn er eine wilde Müllkippe sehe, diesen Vorgang erst aufnehmen und dann weiterleiten. In diesem Falle könne sich Stepahn Münzer als Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Sache sofort annehmen. Andererseits sieht auch Münzer Vorteile: „Früher hat es schon mal Probleme gegeben, wenn ich mir den Personalausweis von jemanden habe zeigen lassen.“ Jetzt mit einem uniformierten Kollegen der Polizei klappe dies besser. Auch könne er alleine nicht einfach einen Radfahrer anhalten, der sich falsch verhält. „Das wäre ein Eingriff in den fließenden Verkehr, das darf auch nur die Polizei“ , sagt Stephan Münzer, der seit 2001 für das Ordnungsamt im Außendienst tätig ist.
Sowohl Siegbert Kalz als auch Stephan Münzer betonen, dass die „Schmutzfinken“ in der Stadt nicht ausschließlich Jugendliche sind. Man dürfe den jungen Menschen da auch nicht Unrecht tun. Allerdings sei für sie auch sehr bedauerlich, dass es am vergangenen Wochenende an der Kaufland-Baustelle zu erheblichen Randaliererien gekommen ist. „Das waren aber vermutlich keine Jugendliche, mit denen wir regelmäßig zu tun haben“ , sagt Siegbert Kalz, der auch schon früher als Jugendstreife in Diskotheken unterwegs war.
In den vergangenen Wochen hätten er und seine Kollegen für mehr Ordnung auf den öffentlichen Plätzen gesorgt. Dies habe ganz entscheidend damit zu tun, mit den Jugendlichen zu sprechen, sagt Kalz. „Die wollen Grenzen aufgezeigt bekommen“ , ergänzt Stephan Münzer. Teilweise würden sich die Gruppen aber mittlerweile gegenseitig erziehen, hat er beobachtet. Da würde auf das Alkoholverbot für unter 14-Jährige geachtet und auch der Müll vernünftig entsorgt.

Nur selten „harte Gangart“
Nicht mehr so oft wie noch vor einigen Wochen, müssen die beiden Kollegen „eine härtere Gangart fahren“ . „Dann werden die Personalien aufgenommen und ein Ordnungsgeld angedroht“ , sagt Stephan Münzer. Meistens kommen es aber gar nicht dazu. „Stress erzeugt Gegenstress“ , sagt Siegbert Kalz, aber das wüssten auch die Jugendlichen. Für ihn sei wichtig, dass die Menschen ihn in der Stadt zumindest vom Gesicht her kennen. Und da drückt er dann auch schon mal ein Auge zu, wenn jemand mit dem Rad auf dem Fußweg fährt. „Wenn sie einsichtig sind.“ Genauso wünscht er sich aber auch, von den Jugendlichen Ernst genommen zu werden.