Was die GWB letztlich bewogen hat, auf den geplanten Bau der City-Galerie zu verzichten, das wollte Geschäftsführer Dr. Norbert Herrmann der Cottbuser Öffentlichkeit auch gestern noch nicht verraten. Auf RUNDSCHAU-Anfrage verwies er auf eine Presseerklärung, die am Montag abgegeben werden soll. Nur so viel sagte der Geschäftsführer: „Die Gründe dafür liegen nicht bei uns und nicht bei der Stadt.“
Oberbürgermeisterin Karin Rätzel hatte tags zuvor erklärt, es sei Sache des Investors selbst, die Gründe für seinen Verzicht zu erklären. Nach Informationen der RUNDSCHAU hängt der Rückzieher der GWB mit großer Wahrscheinlichkeit damit zusammen, dass es Meinungsverschiedenheiten mit Galeria Kaufhof, dem unmittelbaren Nachbarn des geplanten Einkaufszentrums, gab. Von der Cottbuser Kaufhof-Geschäftsführung war gestern niemand erreichbar.
„Ich bin total traurig. Ich hatte davon nichts geahnt. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“ - dies war gestern die Reaktion der CDU-Fraktionsvorsitzenden Marion Hadzik , „die CDU war von Anfang an für die City-Galerie. Die jetzige Entwicklung ist allerdings völlig entmutigend. Wenn schon zwei Große abgesprungen sind, wird es bestimmt nicht einfacher.“
„Es wird sehr kompliziert sein, jetzt überhaupt noch einen Investor zu finden“ , glaubt auch SPD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Drogla . Er rät dazu, nicht immer nur auf Hilfe von außen zu warten. „Für mich stellt sich die Frage: Wie viel Investitionsvolumen können der Cottbuser Mittelstand und die Unternehmerschaft aufbringen. Dieses Potenzial ist wahrscheinlich größer, als wir uns denken. Darüber zu sprechen setzt aber ein Klima des Vertrauens voraus, so dass nicht alles von vornherein zerredet wird.“
„Wir hatten uns alle für die City-Galerie entschieden und waren voller Hoffnung. Die jetzige Situation wird wieder die Leute auf den Plan rufen, die sowieso dagegen waren“ , sagte PDS-Fraktionschefin Gundula Schmidt . „Im Urlaub habe ich mir einige Center in anderen Städten angeschaut und bin persönlich zu der Überzeugng gelangt, dass es nur geht, wenn man es großräumig plant. Wenn wir etwas tun, sollten wir uns jetzt nicht auf Halbheiten einlassen.“
„Ich hätte kein Problem mit einer kleineren Bebauung“ , sagte Grünen-Stadtverordneter Dr. Ralf Fischer , „wenn alle, die sich so vehement für die Blechenschule und das Sternchen ausgesprochen haben, jetzt für deren Sanierung und den Betrieb sorgen würden.“ Für problematisch hält er, dass es nun auch für die Instandsetzung des Hauptkanals unter der Stadtpromenade, die der Investor mit übernehmen wollte, keine Lösung gebe. Fischer: „Kein Investor wird nur die Wünsche der Stadt erfüllen. Es ist doch sein Geld, das er investiert.“
Die AUB (Aktive Unabhängige Bürger) fordern die baldige Umsetzung des von der Firma Geprobau ins Gespräch gebrachte Carl-Blechen-Carrees. AUB-Vorstandsvorsitzender Sven Pautz : „Das Konzept ist aus unserer Sicht sehr innovativ und sofort realisierbar. Es integriert die Bauhülle der Blechenschule, Kauf- und Freizeitangebote in einem Komplex.“ Auch das Sternchen könne erhalten bleiben.
„Das ist die nächste Katastrophe für Cottbus. Wir sollten schnell und flexibel nach neuen Lösungen suchen“ , rät Matthias Schulze (FDP), „viele Alternativen haben wir nicht, aber die sollten wir schnellstens in Angriff nehmen.“
„Nachfrage in dieser Größenordnung gibt es in Cottbus eben nicht. Die Stadt sollte jetzt die Kapazitäten in der Sprem und im Altmarktbereich erweitern und an den kleinen Dingen feilen,“ sagte Hansjörg Sika , Centermanager der Spree Galerie, „ich bin überzeugt, dass auch dieser Investor Schwierigkeiten mit der Größe des Projekts bekommen hätte. Es ist schon erstaunlich, dass sich überhaupt noch jemand herantraut.“
Eine „schnellstmögliche Reaktion“ der Stadtverwaltung hat die Industrie- und Handelskammer Cottbus gefordert. Die von der Oberbürgermeisterin vorgeschlagene Aufhebung des Bebauungsplanes für die City-Galerie dürfe „keinesfalls zu langen Verfahren und weiteren Verzögerungen führen. Jeder weitere Zeitverztug schadet den Perspektiven der Stadt.“
Cottbus müsse sich nun „mit vereinten Kräften um ein zukunftsweisendes Innenstadtkonzept bemühen“ , heißt es in einer Erklärung der Cottbuser Wirtschaftsjunoren. Geschäftsführer Dan Hoffmann : „Die Stadt und die Region stehen vor einem Scherbenhaufen im Bemühen um eine belebte Innenstadt.“ Der Verfall der Stadtpromenade müsse endlich beendet werden. Die geplante Stadtmarketing-Gresellschaft könne eine führende Rolle spielen, um die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen.