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| 12:22 Uhr

Schiedsrichter-Buch vorgestellt
90 Minuten voller skurriler Erlebnisse und Anekdoten

 Ex-Schiedsrichter Neubert (l.) im Gespräch mit dem Döberner Ex-Verteidiger Jens Sonntag.
Ex-Schiedsrichter Neubert (l.) im Gespräch mit dem Döberner Ex-Verteidiger Jens Sonntag. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Frank Neubert stellt Buch „Schwarze Sau“ in Forst vor.

Unvergleichliche Eindrücke aus dem Alltag eines Fußballschiedsrichters haben am Samstagabend knapp 40 Zuhörer im Brandenburgischen Textilmuseum gewonnen, als Frank Neubert sein Buch „Schwarze Sau“ vorstellte. Hinter dem martialischen Buchtitel verberge sich eine auf dem grünen Rasen durchaus übliche Beschimpfung für den schwarzgekleideten Schiedsrichter, erklärte der Autor, der zwischen 1974 und 2016 mehr als 2500 Mal in fünf Bundesländern Spiele geleitet hatte und die Forster Veranstaltung noch einmal in seiner alten dunklen Dienstkleidung anpfiff. Inzwischen würden die Schiedsrichter jedoch oft papageienbunt „durch die Kante schießen“, verkündete er. Ein kabarettistisches Naturtalent, dessen Vortrag die Gäste mit Kopfschütteln und Lachfalten begleiteten.

Kaum zu glauben, dass der 58-jährige Ex-Referee, der bereits während seiner aktiven Zeit Kultstatus besaß, einst seine Brötchen als Fliesenleger verdiente, nach der Wende studierte, später als Wirtschaftsförderer das Geschick der Stadt Senftenberg lenkte und seit einigen Monaten Verwaltungschef im Amt Altdöbern ist. Sein unterhaltsames Buch umfasst mehr als 40 Kapitel, aus denen die Zuhörer auf Zuruf ihre Favoriten auswählen durften. „Frauenhooligans“, „Anschiss auf Kauderwelschpolnisch“, „Schlampe in Schwarz (Gelb)“ und „Abendessen im Akkord“ waren einige davon. Skurrile Erlebnisse und Anekdoten servierte er 90 Minuten lang, quasi innerhalb der regulären Spielzeit, im atemberaubenden Tempo.

Und natürlich hatte Frank Neubert seine legendären Karten mitgebracht. Auch die Blaue – einen bei seiner Mutter stibitzten und zweckentfremdeten Kuchenkratzer –, mit der er bei einem Spiel an einem 1. April in Döbern nach Absprache mit dem dortigen Trainer einen etwas verbal aus dem Rahmen fallenden Spieler in große Verwirrung stürzte. „Damit bin ich der einzige Schiedsrichter, der in Deutschland während eines Punktspiels eine blaue Karte zeigte“, sagte er. Für die schwarze, selbst gebastelte Karte ließe sich das nicht belegen. Die vergab er an einen hochemotionalen Trainer aus Südbrandenburg, „der sich wie Rumpelstilzchen gebärdete“. Ein heilsamer Erziehungseffekt.

Eine Pointe jagte am Samstag die andere. Sieben Geschichten fanden noch keinen Eingang in sein Buch. Ob noch ein zweiter Teil folgen werde, ließ Frank Neubert offen und präsentierte zum Abschluss noch einen der raren Schiedsrichter-Witze.

Der Abend erwies sich nicht nur für Experten, sondern auch für Fußballregelunkundige und Literaturfreunde als echter Genuss. „Ganz große Klasse“, urteilte begeistert Werner Zeißer, nach eigenen Angaben „großer Energie-Fußballfan aus Cottbus“, und ließ sich eines der Bücher signieren. Gleich zwei Exemplare nahm Jens Sonntag (44), bis vor fünf Jahren Verteidiger beim SV Döbern, mit in seine Heimatstadt. Bei vielen der Ereignisse war er Augenzeuge. „Ein cooler Typ“, lobte der Döberner.

Das Buch ist im Fachhandel sowie übers Internet erhältlich. Mehr Informationen gibt es unter
www.frank-neubert.info