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Groß Kölzig
Unruheständler im Schlagerfieber

Harry Winkelmann, Wolfram Schubert und Renate Lemke (v.l.) sind für die Schlagerparty gerüstet.
Harry Winkelmann, Wolfram Schubert und Renate Lemke (v.l.) sind für die Schlagerparty gerüstet. FOTO: Angela Hanschke
Groß Kölzig. Renate Lemke aus Groß Kölzig, Harry Winkelmann aus Forst und Wolfram Schubert aus Klein Kölzig laden am 25. Februar in die Bruchmühle zum musikalischen Seniorennachmittag ein. Von Angela Hanschke

Endlich in Rente! Doch was tun, wenn man sich zwar noch in den besten Jahren fühlt, jedoch der Kollegenkreis wegbricht; die Zahl der Freunde schrumpft und dafür der Wunsch nach Kontakten mit Gleichaltrigen immer größer wird? Renate Lemke aus Groß Kölzig und der Forster Harry Winkelmann haben den Ruhestand bereits erreicht. Wolfram Schubert aus Klein Kölzig steht diese Erfahrung noch bevor.

Alle drei vereint die Liebe zum deutschen Schlager. Die beiden Männer sind bereits seit den Jugendjahren miteinander befreundet, dennoch machten sie unabhängig voneinander die Musik zu ihrem Hobby, sangen bei privaten Gartenpartys Hits aus den 1950er-Jahren oder doubelten etwas augenzwinkernd ihre Lieblingssänger. Auch Renate Lemke, die sich in ihrem Heimatort innerhalb der Volkssolidaritätsortsgruppe für die Kultur engagiert, überraschte deren Mitglieder mit einem Auftritt als Andrea-Berg-Double.

Beim 75. Geburtstag eines Bekannten traf das musikalische Trio erstmals aufeinander. Der Wunsch der Gastgeberin „Ihr könntet doch mal wieder so etwas gemeinsam machen“, brachte die Akteure zum Nachdenken. Großer Überredungskünste bedurfte es nicht. Alle fanden die Idee gut. „Wenn wir auftreten, dann ehrenamtlich und vor allem für Ältere, die meist viel zu wenig aus ihrem Zuhause rauskommen“, schlug der ehemalige Physik- und Mathematiklehrer Harry Winkelmann vor.

Am Sonntag, 25. Februar, lädt das Trio deshalb um 15 Uhr in die Groß Kölziger Gaststätte „Bruchmühle“ zum Seniorennachmittag mit gemütlichem Kaffeetrinken und Plinzen ein. Und natürlich werden dann die Schlager der vergangenen Jahrzehnte nicht fehlen. Jeder ist herzlich dazu eingeladen, sich unter anderem an den Hits von Heino, Peter Alexander und Hansi Hinterseer zu erfreuen.

„Es ist ein Pilotprojekt“, sagt Wolfram Schubert, den die Frage umtreibt: „Werden sich die Gleichaltrigen aus der Reserve locken lassen?“ „Ich bin ein fröhlicher Mensch und will gute Laune verbreiten“, nennt der Klein Kölziger seine Beweggründe. Am Sonntag wird er den Nachmittag in der Bruchmühle mit „Die kleine Kneipe“ eröffnen.

„Ich habe mich schon immer für Musik begeistert“, sagt Harry Winkelmann und setzte nach: „Ich bin ein bekennender Schlagerfuzzi!“. Manchmal singt er auch live. „Vor allem die Roland-Kaiser-Hits rauf und runter“. Oder er nimmt am Keyboard Platz und lässt die Schlager und Chansons von Udo Jürgens auferstehen. Beide Interpreten mag er besonders. Für den Seniorennachmittag übernimmt er nun noch den Part von Tony Marshall. Die Stars aus Österreich sind an jenem Nachmittag klar in der Überzahl. Das sei jedoch purer Zufall, beteuern die Akteure der Doppelgängershow.

„Mein Lohn sind die strahlenden Augen der älteren Menschen. Es kommt so viel Freude von ihnen zurück“, betont Renate Lemke. Die Bezeichnung „Gesangsdouble“ mag sie jedoch nicht. Sie kenne ihre Möglichkeiten und leihe sich die Stimme der Stars aus. „Andrea Berg ist an diesem Sonntag nicht mit von der Partie“, verrät Renate Lemke. Dafür werde sie gemeinsam mit Wolfram Schubert als Duo „Cindi & Bert“ auftreten und die Antonia aus Tirol doubeln, ebenso die Schlagersängerin Lolita, die ihre größten Erfolge in den 1950er- und 1960er-Jahren gefeiert hat. Und natürlich Connie Francis. „Sie war das Idol meiner Jugend. Ich habe immer ihre Ausstrahlung bewundert“, sagt die Groß Kölziger Frohnatur, die sich auch das Outfit des italienischstämmigen Stars – den wippenden Petticoat, das Pünktchenkleid und Lackschuhe - zugelegt hat. Aufs Bühnenoutfit – das aus dem jeweiligen persönlichen Fundus stammt – legen die „Doppelgänger“ großen Wert.

Alle drei waren große Fans der legendären Kuckucks-Oldie-Partys, die Kultstatus genossen und im November 2013 endgültig eingestellt wurden. Vage gab es bereits damals die Idee im Hinterkopf, so etwas Ähnliches selbst auf die Beine zu stellen. Inzwischen ist die Vorbereitung auf den Nachmittag in die heiße Phase getreten. Vor den kritischen Augen der Mitstreiter wird geprobt, damit beim Mitsingen die Texte sicher sitzen und die großen Gesten stimmen. Auch darauf legen die Organisatoren großen Wert.