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| 16:47 Uhr

20 Windräder im Wald
Windpark Bahren birgt viel Diskussionsstoff

 Mit Bürgern sprachen Projektleiter Augustin Köllner (helles Hemd) und Christoph Markl-Meider, Leiter Unternehmenskommunikation bei Ostwind (3.v.r.) vergangene Woche in Jerischke.
Mit Bürgern sprachen Projektleiter Augustin Köllner (helles Hemd) und Christoph Markl-Meider, Leiter Unternehmenskommunikation bei Ostwind (3.v.r.) vergangene Woche in Jerischke. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Neiße-Malxetal. Anwohner fühlen Ostwind auf den Zahn. Der Windparkerbauer erklärt Konzepte für Brandschutz. Auch ein Stromtarif für die Betroffenen ist im Gespräch. Von Katrin Kunipatz

Christoph Markl-Meider nach Jerischke gereist, um im Rahmen einer Informationsausstellung über das Vorhaben zu informieren.

Knapp 20 Einwohner – hauptsächlich aus Raden – sind am Freitagnachmittag im Geopark erschienen. „Eigentlich soll der Windpark gar nicht gebaut werden“, so der 69-jährige Wilfried Vatter. Er hat vor acht Jahren ein Häuschen in Raden gekauft und fürchtet nun um den Wert seiner Immobilie, wenn im Wald nebenan die Windräder aufgestellt werden. So wie ihm geht es auch den anderen Anwesenden. Sie haben große Sorgen.

Hinsichtlich des Brandschutzes entspinnt sich eine hitzige Debatte. Projektleiter Köllner versucht, die Bedenken zu zerstreuen. „Ein Brand in der Anlage ist statistisch unwahrscheinlich“, sagt er. Für diesen Fall gibt es automatische Löschsysteme, bei denen Gas die Flamen erstickt. Außerdem würden im Zuge des Windparkbaus Zufahrten und Brandschutzschneisen hergerichtet, die von der Feuerwehr auch im Fall eines Waldbrandes genutzt werden können. Im Moment sei dies nicht der Fall. Wird der Windpark gebaut, führe dies zu einer Verbesserung des Brandschutzes in diesem Waldgebiet, so Köllner.

Anderen Bedenken der Anwohner hat Ostwind bereits nach der Gemeindevertreterversammlung im November aufgegriffen und beispielsweise die Grundwasserverhältnisse untersucht. Die Radener, versorgen sich über Brunnen mit Trinkwasser und fürchten, dass es durch den Bau verschmutzt werden könnte, beschreibt Peter Böhner die Situation. Gutachter haben ermittelt, dass das Grundwasser in einer Tiefe von fünf Metern und darunter anliegt und in Richtung Neiße fließt. Die Fundamente der Anlagen reichen zwei bis drei Meter in den Boden und würden diesen Bereich nicht berühren.

Für den Havariefall sind außerdem entsprechend große Auffangbecken vorgesehen, die Betriebsstoffe aufnehmen. Während der Bauphase könne es eine ökologische Baubegleitung geben, so das Angebot des Investors. Eine neue Idee entsteht in der Diskussion: Das recht dicht unter der Oberfläche befindliche Grundwasser könnte zum Löschen verwendet werden.

Eine Radenerin wünscht sich eine Entschädigung. Es sei nicht hinnehmbar, sagt sie, wenn die Anwohner den auf Kosten ihrer Gesundheit produzierten Ökostrom auch noch teuer bezahlen müssten. Unternehmenssprecher Markler-Meider bringt einen speziellen Stromtarif ins Gespräch, den der örtliche Energieversorger für Haushalte in einem definierten Umkreis um einen Windpark anbieten könnte. Ostwind würde die Differenz zahlen, für die Betroffenen wäre es ein dauerhafter Vorteil. Mit diesem Gedanken kann sich auch die Radenerin anfreunden. „Wir werden den Windpark nicht verhindern“, so Böhner. „Aber wir wollen so wenig wie möglich Lebensqualität einbüßen.“

Weiterhin werden die Anwohner ermutigt, eigene Projekte vorzuschlagen, wie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in ihren Ortschaften umgesetzt werden können. Insgesamt rund drei Millionen Euro werde Ostwind in den Naturschutzfonds Brandenburg zahlen, schätzt Köllner. Der Radweg zwischen Raden und Bahren könne damit jedoch nicht instand gesetzt werden. Dafür will Ostwind Schotter verwenden, der für die Kranstellflächen auf der Baustelle verwendet wird. Um eine Asphaltierung wolle man sich ebenfalls kümmern, verspricht der Projektleiter.

Nach fast drei Stunden Diskussion sind auch die Themen Rückbau der Anlagen, Artenschutz, Bau der Stromtrasse und der Umspannstation sowie der Transportweg der Windradteile zur Baustelle besprochen.