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| 14:44 Uhr

Aktion
Aufräumen an historischer Stätte

Die Teilnehmer des Parkseminars werden von der neuen Leiterin Monika Edyta Drozdek (2.v.r.) in die Arbeiten eingewiesen.
Die Teilnehmer des Parkseminars werden von der neuen Leiterin Monika Edyta Drozdek (2.v.r.) in die Arbeiten eingewiesen. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Brody. Etwa 120 Teilnehmer arbeiten beim 6. Polnisch-Deutschen Parkseminar im Schlosspark von Brody – darunter auch Nachfahren Brühls. Von Steffi Ludwig

Arne Nostitz-Rieneck hatte wohl die weiteste Anreise nach Brody. Der 34-Jährige ist bis aus Wien gekommen – und sieht zum ersten Mal die Heimat seiner Vorfahren. „Meine Großmutter Maria Victoria hat noch hier im Schloss gelebt und hier geheiratet“, berichtet er, während der Tross der rund 120 Teilnehmer des Parkseminars am Freitagvormittag durch den Schlosspark marschiert, um die Stellen zu besichtigen, an denen später Hand angelegt werden soll.

Denn genau wie in den fünf Parkseminaren, die seit 2009 veranstaltet wurden, sollen auch diesmal in dem Gartendenkmal unter anderem Wildwuchs entfernt und Bäume gepflanzt werden. Erstmals hat dieses Mal nicht mehr Claudius Wecke, der Parkleiter des Branitzer Parks, die Fäden in der Hand, sondern Monika Edyta Drozdek von der Stiftung für Kulturerbe und Natur in Lubuskie. „Wir haben den Park in verschiedene Sektoren eingeteilt, in denen wir noch nicht gearbeitet haben“, erklärt sie. Sie hat die Teilnehmer in elf Gruppen aufgeteilt, die an zwei Tagen an verschiedenen Stellen des Schlossparks tätig sind. Der Parkmanager des Forster Rosengartens Stefan Palm leitet beispielsweise eine Gruppe, die neun neue Bäume setzen will. Auch am Südboskett sollen die Arbeiten der vorherigen Seminare weitergeführt werden.

Mit Feuereifer dabei ist auch wieder Gunhild Hoffmeister, Olympiamedaillengewinnerin im Mittelstreckenlauf. Die 73-Jährige ist in Forst geboren, aber in Cottbus aufgewachsen und lebt in Berlin. „Mein Großvater war Koch bei Graf Brühl“, erzählt sie. „Es macht mir einen Riesenspaß hier, wir schaffen etwas und man trifft Gleichgesinnte.“

Auch eine ganze Reihe Forster inklusive der Mitarbeiter des Betriebsamtes sind wieder mit dabei. Stefan Buss vom Museumsverein war bisher bei jedem Parkseminar in Brody: „Über eine Ausstellung im Textilmuseum über die Standesherrschaft Pförten bin ich in Kontakt mit Berta von Brühl und hierher gekommen.“

Von Brühls Nachfahren mit dabei ist zum zweiten Mal Gangolf von Brühl, der in Bad Dürkheim lebt. „1980 war ich das erste Mal hier, und vor zwei Jahren hat meine Schwester hier ihren 60. Geburtstag gefeiert.“ Auch er schwingt später die Heckenschere. Die Stadtspitzen von Brody und Forst sind gesundheitlich gebeutel: Brodys Bürgermeister Ryszard Kowalczuk ist krank und hat Stellvertreter Juliusz Dudziak geschickt, und auch der Forster Verwaltungsvorstand Sven Zuber kann erkältet nur den Rundgang mitmachen. Brody habe demnächst vor, die Fontäne und das Tor des Schlosses in Ordnung zu bringen, sagt Dudziak und dankt für die gute Zusammenarbeit mit der deutschen Seite.

Vorträge, unter anderem von Christine von Brühl, die ihr Buch „Out of Adel“ vorstellt, runden das Parkseminar ab. Der ­Schlosspark Brody ist Mitglied des Europäischen Parkverbundes Lausitz, zu dem auch der Branitzer Park, der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und der Rosengarten Forst gehören. 2018 sollen fünf Parks hinzukommen.

Brühl-Nachfahre Arne Nostiz-Rieneck mit Gangolf von Brühl und dem Forster Verwaltungsvorstand Sven Zuber (v.r.) vor dem Schloss in Brody.
Brühl-Nachfahre Arne Nostiz-Rieneck mit Gangolf von Brühl und dem Forster Verwaltungsvorstand Sven Zuber (v.r.) vor dem Schloss in Brody. FOTO: Steffi Ludwig / LR