ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Zwei starke Frauen aus dem Schatten eines Genies geholt

Gisela M. Gulu (l.) und Beatrice Bergner als Jenny und Eleanor Marx.
Gisela M. Gulu (l.) und Beatrice Bergner als Jenny und Eleanor Marx. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. ,,Wie ein Rausch an seiner Seite" empfand Jenny das Leben mit ihrem Karl, dem Mohr, trotz Verfolgung, aller Entbehrungen und der persönlichen Verletzungen. All diese Facetten erzählte die szenische Lesung ,,Jenny und Eleanor Marx – zwei Frauen im Schatten eines Genies" Jürgen Weser/jgw1

zum Abschluss der 24. Brandenburgischen Frauenwoche am Mittwoch im Elbe-Elster-Kreis. ,,Gemeinsam - Lebendig - Widerständig" - zu diesem Thema hatte Gleichstellungsbeauftragte Ute Miething die Journalistin Gisela M. Gulu, Schauspielerin Beatrice Bergner und Musikerin Petra Patzer vom Berliner ,,Kalliope-Team" mit ihrem Programm aus Anlass des 200. Geburtstages von Jenny Marx nach Finsterwalde eingeladen. Im Kreismuseum holten sie zwei starke und kluge Frauen aus dem Schatten des großen Philosophen Karl Marx. Dabei erfuhr das Publikum - meist Zuhörerinnen - aus dem fiktiven Gespräch zwischen Jenny und ihrer jüngsten Tochter Eleanor viel Persönliches. Gleichzeitig wurde Historie des 19. Jahrhunderts lebendig und eher nebenbei ein sehr menschliches Bild von Karl Marx auch mit seinen menschlichen Schwächen gezeichnet.

"Männer sind keine Götter"

,,Die Maßlosigkeit ihrer Liebe" half Jenny als einstiger ,,Ballkönigin Jenny von Westphalen von Trier", das schwere, unstete Leben zwischen Deutschland, Paris, Brüssel und London an Karls Seite durchzustehen. Einfühlsam und liebevoll spüren Gisela Gulu und Beatrice Bergner in dem klug inszenierten Gespräch dem Leben der beiden Frauen nach. Sie holen Glück, Ängste und Erinnerungen aus Tagebüchern, Briefen und Gesprächen mit Freunden wie Heinrich Heine und Wilhelm Liebknecht hervor. Es geht um den Lieblingsdichter Shakespeare, um Jennys Lieblingsfarbe Blau, um Karls Liebesgedichte für Jenny ebenso um die ständigen Geldsorgen, die Hilfe von Friedrich Engels und die Trauer um den verstorbenen Lieblingssohn ,,Musch". Dabei kristallisiert sich ihre eigene aktive Rolle heraus, denn ,,Männer sind keine Götter".

Sisyphusarbeit fürs "Kapital"

,,Er hat dir so viel Kummer gemacht … aber er hat dich unendlich geliebt", schreibt Eleanor, genannt Tussi. Sie wird nach dem Tod des Vaters selbst zur glühenden Kämpferin für soziale Rechte und die Gleichstellung der Frauen, wird als Eleanor Marx-Abeling nicht glücklich und nimmt sich das Leben. ,,Ohne dich hätten das ,Kapital' und andere Werke von Karl nie erscheinen können", erinnert sie die Mutter an ihre Sisyphusarbeit der Abschriften als Sekretärin ihres genialen Mannes mit der ,,krakeligen" unleserlichen Handschrift.

Die Lesung, einfühlsam musikalisch auf der Gitarre begleitet, machte Lust, mehr über das Leben der beiden klugen, starken und schönen Frauen zu erfahren. Gisela M. Gulu war mit ,,Kalliope" schon mehrfach gern in Finsterwalde. Sie ist hier als Tochter von ,,Mäxchen" Edlich, dem ,,Bilderkönig von Nehesdorf", aufgewachsen. Gitarristin Petra Patzer hat Finsterwalder Luft geschnuppert und freut sich auf ihr Konzert mit dem Gitarren-Quartett Cuarteto beim Finsterwalder Kammermusikfestival am 18. Mai im Logenhaus.