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| 15:02 Uhr

Im Schloss Doberlug
Zwei Schönborns – eine Ausstellung

Die Eröffnung der Ausstellung „Paralleldörfer – Leben in zwei Schönborns“ im Schloss Doberlug ist auf reges interesse gestoßen.
Die Eröffnung der Ausstellung „Paralleldörfer – Leben in zwei Schönborns“ im Schloss Doberlug ist auf reges interesse gestoßen.
Schönborn. Neue Sonderausstellung im Museum Schloss Doberlug verbindet die beiden europäischen Dörfer auf eine beeindruckende Weise. Von Silvia Dedek

Am Anfang war es die Idee eines Filmemachers. Maxim Melnyk stammt aus der Nähe des ukrainischen Dorfs Schönborn und sah im Fernsehen einen Bericht über den gleichnamigen Ort im Elbe-Elster-Kreis. Er wollte einen Film über die beiden Dörfer drehen und fand in der Radioautorin Christiane Seiler bald eine kreative Partnerin für das Projekt. Im Oktober 2015 weilten beide das erste Mal im ukrainischen Schönborn, einen Monat später das erste Mal im deutschen Ort.

„Ich war am Anfang ziemlich skeptisch, was das für ein Projekt werden sollte“, gesteht Daniel Mende, Bürgermeister im deutschen Schönborn, heute. „Das, was nun aber daraus geworden ist, ist fantastisch. Das hätte ich nie erwartet.“ Über 50 Tage drehten und recherchierten Melnyk und Seiler in beiden Schönborns. Im Jahr 2017 kommt es zu einem ersten Besuch einer deutschen Delegation in der Ukraine. Neben Bürgermeister Daniel Mende ist auch die Band „Flying Rockets“ mit von der Partie. „Das Filmteam wollte gern eine Sequenz mit uns an einer Bushaltestelle dort drehen, so wie wir hier schon eine gedreht hatten“, erklärt Bassist Steven Demmel „Also haben wir einfach den Bus vollgeladen und sind dorthin gefahren, knapp 2000 Kilometer in vier Tagen.“ Christian Beyer ergänzt lachend: „Es war ein bisschen Abenteuerurlaub für Erwachsene. Wir wussten nicht, worauf wir uns einlassen, aber es war eine echt unglaubliche Erfahrung.“ Besonders war dabei nicht nur ihr Auftritt vor dem Kulturhaus des ukrainischen Schönborn, zu welchem sogar regionale und überregionale ukrainische Fernsehteams anreisten, sondern auch die besondere Verbindung zu den Gastgebern. „Die Gemeinschaft dort ist fantastisch und wir wurden mit offenen Armen empfangen.“ Ein Gefühl, dass die Musiker am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung im Doberluger Schloss „Paralleldörfer – Leben in zwei Schönborns“ zurückgeben konnten. So bedankte sich Bürgermeister Viktor Legesa aus dem ukrainischen Schönborn ausdrücklich bei der Band: „Als ihr gespielt habt, habe ich mich gleich wieder ein Stück wie zu Hause gefühlt.“

Das Team von Maxim Melnyk und Christiane Seiler wird durch die kanadische Fotografin Alexa Vachon komplettiert. „Die Idee einer Ausstellung zusätzlich zum Filmprojekt kam uns gewissermaßen im Vorbeifahren, als wir das schöne Schloss in Doberlug-Kirchhain gesehen haben“, erklärt Christiane Seiler. „Und zu unserem Glück hat man unsere recht blauäugige Idee hier hervorragend aufgenommen.“ Die Leiterin des Museumsverbunds Babette Weber betont, wie wichtig es ihr sei im Schloss Doberlug die Region einzubeziehen, mit der man hier verwurzelt ist. Daher habe ihr die Idee zu den beiden Schönborns besonders gut gefallen.

Die gelungene Ausstellung verteilt sich über fünf Räume und bietet neben den wunderbaren Fotografien Alexa Vachons auch einige Filmsequenzen, Objekte und Klanginstallationen. Der Gedanke, in die Akustik eines Dorfes eintauchen zu können, war für Radioautorin Christiane Seiler eine Herzensangelegenheit, deren Umsetzung wie die gesamte Ausstellung von großem persönlichen Einsatz und einer tiefen Verbindung zu den Protagonisten zeugt. „Die Ausstellung ist sehr gelungen, weil sie die Leute ins Gespräch bringt. Ich muss gar nicht aus einem der Schönborns kommen, damit mich die Ausstellung berührt. Es ergeben sich von ganz allein Anknüpfungspunkte zu meinem eigenen Leben“, lobt Elbe-Elster-Kulturdezernent Roland Neumann die Präsentation.