Die Pudelmütze auf dem Kopf, bekleidet mit der blauen Zustellerjacke kommt Sybille Duschka auf den Hof der Friedenstraße 4 gefahren. Der Himmel ist noch stockfinster. Auf den Straßen ist wenig los. Der Hof ist bis auf einige Autos verlassen. Angst im Dunkeln habe die 67-Jährige nicht, erklärt sie. „Was ich schon alles erlebt habe ...“, lacht die Rentnerin. Seit 17 Jahren stellt sie für die Lausitzer Rundschau Zeitungen zu, inzwischen auch die Briefe der Regio Print-Vertrieb GmbH (RPV).

Ihre tägliche Tour startet Sybille Duschka gegen sechs Uhr. Zeitungen und Briefe müssen erst einmal abgeholt werden. Die Zustellerin überprüft mit Trägerbuch und Packzettel, wie viele Zeitungen heute ausgeliefert werden müssen. Bei den Briefen werden noch kurz die Adressen überflogen, um zu schauen, ob diese richtig sortiert wurden, ehe das Fahrrad beladen wird. „Man kennt ja mittlerweile alle und weiß, was zu dem Bereich gehört“, erklärt die ehemalige Finanzbuchhalterin gut gelaunt.

Mit dem Auto im Schnee stecken geblieben

„Das frühe Aufstehen ist kein Problem“, sagt Sybille Duschka. Ihre Tour in Finsterwalde gehört zu den kleineren: 20 Zeitungen und nur wenige Straßen. In 20 Minuten sei das mit dem Rad zu schaffen, erzählt die Rentnerin. Normalerweise sei ein Zusteller für 60 bis 100 Abonnenten zuständig, berichtet der Betriebesleiter der ZG Lausitz GmbH für die Bereiche Ost und Süd, Robert Haberland. Spätestens 4 Uhr sollte mit dem Ausliefern begonnen werden. Auch solche Touren hat Sybille Duschka schon erlebt. Um 3 Uhr morgens habe sie sich an die Arbeit gemacht, damals noch mit dem Auto, von einem Dorf zum anderen.

Vor allem bei Schnee und Eis, wenn das Auto in einer Schneewehe feststeckte und die Straßen nicht geräumt waren, sei das kein Pappenstiel gewesen. Rund 100 Kilometer seien da am Tag schon mal zusammen gekommen. Doch diese Zeiten liegen hinter der Rentnerin. Vertretungen und längere Touren übernehme sie heute nicht mehr. „Man merkt, dass man nicht mehr so fit ist wie vor 17 Jahren.“

Dass ein Zusteller wegen Krankheit spontan ausfalle, sei eines der häufigen Probleme, weiß Robert Haberland. Kein Wunder bei rund 1300 Zeitungslieferanten. In Finsterwalde nebst Speckgürtel seien etwa 50 im Einsatz. Und bei Ausfällen? Dann gelte es, zu morgendlicher Stunde einen Ersatz zu finden. Nachbarzusteller würden oft die Vertretung übernehmen, der Liefergang verzögere sich dennoch, so der Betriebsleiter. „Viele Zusteller sprechen sich auch untereinander ab.“

Wenn die Technik streikt

Doch auch technische Schwierigkeiten könnten verhindern, dass die Zeitung pünktlich zum morgendlichen Kaffee im Briefkasten liegt. Probleme in der Druckerei, wie eine gerissene Papierrolle, oder ein platter Reifen am Lieferfahrzeug, zählt Diana Jahn, Leiterin des Kundenservice, als Hindernisse auf. Unter der Telefonnummer 0355 481 555 können Kunden ihr Problem vortragen.

Schwierigkeiten bei der Zustellung, das soll Sybille Duschka auch in Zukunft nicht passieren. Sie nehme ihrer Arbeit sehr ernst, platziert die Zeitung gewissenhaft im Briefkasten, sodass diese nicht geklaut werden kann. „Ich gehöre noch zur ‚alten Garde’“, schmunzelt die Rentnerin. Nach langen Jahren als Zeitungslieferantin wisse sie auch um die Tücken der Tätigkeit.

Briefschlitz hinter Ornamenten versteckt

Vor einer schweren Eingangstür mit Ornamenten bleibt sie stehen und fragt: „Wo ist hier der Briefkasten?“ Weder Box noch Briefschlitz sind zu sehen, aber Sybille Duschka weiß sich zu helfen und lüftet das Geheimnis: Hinter einer Verzierung verbirgt sich die Klappe. „Man kennt eben alle“, erklärt die 67-Jährige und schiebt ihren Drahtesel zum nächsten Haus.

Nicht nur die Straßen und Briefkästen kenne sie, sondern auch die wenigen Leute, die ihr morgens auf der Straße über den Weg laufen. Bauarbeiter, die sich den ersten Kaffee genehmigen oder Pendler auf dem Weg zum Bahnhof. „Dann grüßt man sich und geht weiter.“ An unangenehme Situationen, etwa mit Betrunkenen oder großen Hunden, könne sich die Zustellerin auch erinnern. In Pöbeleien, wenn irgendwo Mülltonnen umgeschubst werden, mische sie sich nicht ein. „Da muss man ruhig bleiben.“

Hoyerswerda

Schnell leert sich der Fahrrad-Korb, die letzte Zeitung landet auch noch pünktlich im Briefkasten. Geschafft. „Jeden Monat denke ich ‚Ich hör jetzt auf’“, berichtet die Zustellerin lachend und kann sich doch nicht trennen. „Was soll ich Zuhause?“ Auch für die Rente sei es eben ein kleines Plus. Und selbst nach 17 Jahren kann Sybille Duschka immer noch mit augenscheinlicher Begeisterung sagen: „Ich hab es immer gern gemacht.“