ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:43 Uhr

Zum Jahresende noch ein herber Knacks für die Tröbitzer Badminton-Hochburg

Tröbitz. Für die Badminton-Hochburg Tröbitz geht das Jahr 2012 mit einem deutlichen Bruch zur Neige. Ab Januar hat der Leistungsstützpunkt keinen Landestrainer mehr. Landessportbund und Landesfachverband setzen nach dem abgelaufenen Olympiazyklus andere Prioritäten, heißt es. Für die Talenteförderung im Tröbitzer Verein eine schwierige Situation. Heike Lehmann

Seit mehr als 55 Jahren wird in Tröbitz erfolgreich Federball, das heute Badminton heißt, gespielt. Die 1. Mannschaft hält sich in der Berlin-Brandenburgliga. "Derzeit sind wir 80 Mitglieder, davon sind 30 Kinder. Sie kommen aus Tröbitz und einem Umkreis von etwa 35 Kilometern", erklärt der Vereinsvorsitzende Michael Lenk. Vor allem in den letzten acht Jahren hat er Wert auf eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit gelegt. "Wir haben die Grundschulen in Uebigau, Bad Liebenwerda, Rückersdorf und die Evangelische Grundschule Tröbitz über Arbeitsgemeinschaften und Kooperationsverträge eingebunden", sagt er.

Erfolgreiche Talentsuche

Ein Weg, der sich für die Talentsuche bewährt hat. Viele Sportler des Vereins haben durch ihre Erfolge bei "Jugend trainiert für Olympia" (Elsterschloss-Gymnasium und Sängerstadt-Gymnasium) anderen Schülern diese Sportart näher gebracht. Mit dem Erfolg, dass einige von ihnen nun ebenfalls im Verein trainieren. Von den Eltern, der Gemeinde Tröbitz und dem Landkreis genießt der Verein eine "hervorragende Unterstützung", sagt Lenk, seit 14 Jahren Vorsitzender. Noch könne Tröbitz auf gewachsene Strukturen bauen. "Großeltern, Eltern, alle haben hier mal Badminton gespielt."

Die stetige Leistungssteigerung in der jüngsten Zeit ist nicht zuletzt auf die erfolgreiche Arbeit des Landestrainers Thomas Riese, ein Tröbitzer Eigengewächs, zurückzuführen. "In Hamburg oder am Bodensee weiß man, dass man sich vor Tröbitzer Spielern in Acht nehmen muss", umschreibt Lenk die sportlichen Erfolge seiner Spieler. "Unsere Kaderspieler sind Spitze auf norddeutscher Ebene." In der Gruppe Nord (Schleswig-Holstein, Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg) und auf deutscher Ebene errangen Leistungsträger wie Natalie Wendt, Anton Kopsch, Tom Stromowski und Hannah Sprenger vordere Plätze. Die U12 holt 2012 den DBV-Gruppenpokal nach Tröbitz, Tom Stromowski einen dritten Platz in der Klasse U15 bei den deutschen Meisterschaften.

Seit 2003 hat Riese einen sehr guten Job gemacht. Über die letzten fünf Jahre hat er ein Konzept entwickelt, dem jetzt mit dem Wegfall der Cheftrainerstelle quasi die Basis genommen wird. Er hat auf Landesebene den Wettkampfbetrieb mitorganisiert und abgesichert, war an verschiedenen Standorten in Brandenburg als Trainer aktiv, in Potsdam und Fürstenwalde, zum Schluss aber fast ausschließlich in Tröbitz. "Die Cheftrainerposten in Brandenburg sind deutschlandweit beispielhaft", sagt Riese dennoch. Acht Top-Spieler hat er zuletzt in Tröbitz trainiert. Inklusive Talente waren zwanzig Spieler im Alter von acht bis 16 Jahren unter den Fittichen des Übungsleiters mit der Trainer-A-Lizenz. Sie hängen jetzt in der Luft. Sein Vereinschef sagt: "Dass die Trainerstelle gestrichen ist, tut emotional sehr weh."

Umzug nicht ausgeschlossen

Dem 37-jährigen Thomas Riese bleibt nur, sich beruflich umzuorientieren, weil er auch an seine Familie, seine zwei Kinder, denken müsse. Je nachdem, wo er einen Job findet, kann er einen Wohnortwechsel nicht ausschließen.

Für den Badmintonverein Tröbitz bedeutet das ab Januar Einschränkungen im Trainingsbetrieb für den Leistungsbereich. "Nicht betroffen sind das reguläre Training für Kinder und Senioren sowie die 1. Mannschaft", betont Michael Lenk. Letztere aber wird es zumindest indirekt spüren, wenn auf absehbare Zeit kein Nachwuchs von den Leistungskadern mehr aufrückt.

Antrag wird gestellt

Den Status als Landesleistungsstützpunkt hat Tröbitz noch bis zum 30. Juni 2013. "Gemeinsam mit dem Fachverband Badminton Berlin-Brandenburg sind wir dabei, bis zum 15. Januar den Antrag auf Fortbestand zu formulieren", erklärt Lenk, der für seinen Verein kämpft, um ab 2013 weiter stabile Strukturen aufbauen zu können.

Wie, das ist noch ein großes Fragezeichen. Trainingseinheiten in Berlin - dort wird die Trainerstelle weiter finanziert — sind aufgrund der Entfernung keine Alternative für Kinder aus dem entfernten Südbrandenburg. Der Landessportbund habe signalisiert, Badminton in Südbrandenburg weiter zu unterstützen - in abgespeckter Form, sagt Lenk leicht verbittert.