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| 15:55 Uhr

Praxistest im Weihnachtstrubel
Zuckerwatte mit Pommes und Ketchup

Pepe auf dem Finsterwalder Weihnachtsmarkt FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde . Alle Jahre wieder, es weihnachtet sehr, festliche Stimmung und doch immer irgendwie dasselbe? Nicht, wenn wir Erwachsenen die Adventszeit mit Kinderaugen sehen. Ich hatte dafür die Gelegenheit, beim Besuch des Finsterwalder Weihnachtsmarktes am vergangenen Samstag. Von Rolf Kühne

„Weißer wird’s nicht“ sagen mir die paar Schneekrümel, die sich am Morgen auf meiner Autoscheibe zusammenfinden und auch am Vormittag vereinzelt zur Erde fallen. Es wird wohl wieder der traditionell grüne Weihnachtsmarkt werden. Aber wer braucht schon Schnee, um sich auf das weihnachtliche Treiben zu freuen? Mein Sohn Pepe (3) jedenfalls nicht.

Wir sind schon am Vormittag unterwegs zum Weihnachtsmarkt-Testlauf. Davor hat aber der Gott des Konsums den Gang zum Geldautomaten gesetzt. Bin gespannt, wie weit die 100 Euro reichen.

Vater und Sohn in bester Gesellschaft mit Ulrike Krause. Sie war eine der beiden Finsterwalder Weihnachtsprinzessinnen.
Vater und Sohn in bester Gesellschaft mit Ulrike Krause. Sie war eine der beiden Finsterwalder Weihnachtsprinzessinnen. FOTO: Jürgen Weser

Beim ersten Blick auf den Markt bekomme ich den Eindruck, dass die Buden weniger geworden sind. Vielleicht liegt es aber auch an der noch frühen Tageszeit. Pepe ist das so ziemlich egal. Hauptsache, das Karussell dreht seine Runden. Mit ihm. Nebenbei beobachte ich, wie die bei Kindern äußerst beliebten Motiv-Luftballons aufgeblasen werden. Kann ich schon mal im Budget einplanen.

Volle Konzentration auf dem Kinderkarussell. Pepe Kühne hat einen Platz in einem Auto ergattert.
Volle Konzentration auf dem Kinderkarussell. Pepe Kühne hat einen Platz in einem Auto ergattert. FOTO: Jürgen Weser

Am Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, folgt dann der „echte“ Weihnachtsmarktbesuch. Pepe ist aufgeregt. „Ist der Weihnachtsmann schon da?“, fragt er. Ist er noch nicht, dafür aber die Weihnachtsprinzessinen Ulrike (Krause) und Linda (Richter). Pepe zieht mich zur Bühne. Immerhin scheint es Geschenke zu geben. Aber ohne den Weihnachtsmann? Der erscheint, nachdem ihn mehr als 30 Kinderkehlen lautstark gerufen haben.

Pepe weicht nicht von seinem Platz an der Bühne und ich habe Gelegenheit, kurz mit Daniel Rudolph zu sprechen. Der 47-Jährige ist im Jungunternehmerverein und Mitorganisator des Weihnachtsmarktes. „Nein, die Buden sind nicht weniger geworden. Im Gegenteil. Uns gelingt es, jedes Jahr immer ein wenig mehr zu bieten. In diesem Jahr zum Beispiel Kunsthandwerk mit Keramik und Töpferei“, erzählt er mir.

Pepe hat inzwischen zwei Geschenktüten ergattert und will jetzt zum Entchenangeln. Lohn dafür ist ein Drachen mit Seifenblasen-Flüssigkeit, der neben den Geschenktüten ebenfalls in Papas Händen landet.

Nun aber zum Karussell, Pepes absoluter Weihnachtsmarktfavorit. Mein Kleiner sichert sich einen Platz in einem Auto. Gar nicht so einfach. Das Karussell ist schwer umlagert. Mit glücklichen Kindern und aufgeregten Eltern. Ich habe durch den Vormittagsbesuch einen Erfahrungsvorsprung und schaue Pepe entspannt beim Rundendrehen zu.Vier Runden a den standardisierten zwei Minuten verbrauchen fünf Euro. Das Geld ist ebenso schnell ausgegeben wie das für den Luftballon, einer Figur aus einer Sendung im Kinderfernsehen. Papa übernimmt auch diesen Transport, während Pepe „Zuckerwatte mit Pommes und Ketchup“ ordert. Zuckerwatte ist nicht aufzutreiben. Die gibt es wohl nur in Eimern, erzählt mir ein anderer Papa.

Pommes mit Ketchup und eine Wurst dazu sind schnell bestellt. Während mein Filius speist, schaue ich über den Weihnachtsmarkt. Er ist gut besucht. 2500 bis 4000 Besucher sollen es jährlich sein, hatte Daniel Rudolph gesagt. Seit vier Jahren bietet der Markt ein einheitliches Gesamtbild. Und auch das Konzept, drei Tage zu feiern, scheint aufzugehen. Essen, trinken, schwatzen und sich irgendwie feierlich fühlen, das macht doch diese Zeit aus. So sehen es auch die Kinder, die, inklusive Pepe, noch ein Abschlusstänzchen vor der Bühne wagen. Hier geht es am Abend noch mit Chorkonzert und Party-Musik weiter.

Wir treten den Heimweg an. Ein Blick ins Portemonnaie sagt: So teuer war es gar nicht. Und wenn schon: Pepes Augen, durch die er diese Zeit sieht, leuchten. Er möchte jetzt jedes Wochenende zum Weihnachtsmarkt.

Wer braucht schon Schnee zum Weihnachtsmarkt? Essen, trinken, schwatzen, dazu ein stimmiges Angebot für Kinder und Erwachsene – der Finsterwalder Weihnachtsmarkt setzte auch in diesem Jahr sein Konzept fort. Immer ein wenig mehr mit gleichbleibendem Erscheinungsbild. 
Wer braucht schon Schnee zum Weihnachtsmarkt? Essen, trinken, schwatzen, dazu ein stimmiges Angebot für Kinder und Erwachsene – der Finsterwalder Weihnachtsmarkt setzte auch in diesem Jahr sein Konzept fort. Immer ein wenig mehr mit gleichbleibendem Erscheinungsbild.  FOTO: Jürgen Weser
Pepe auf dem Finsterwalder Weihnachtsmarkt FOTO: Jürgen Weser