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| 01:04 Uhr

Zehn Jahre Restaurierung sind gerechtfertigt

SCHÖNEWALDE.. Der Geruch von altem Leder, Holz und Zwei-Takt-Gemisch lag am Sonntag zur 6. Kfz-Oldtimer-Rallye vom Motorradmuseum Schönewalde in der Luft. Reger Andrang herrschte, denn es gab viel zu sehen, was so manches Liebhaberherz höher schlagen ließ. Die Mischung aus Motorengeknatter und Oldtimer- Anekdoten, Ausrufen des Entzückens und Vogelgezwitscher ließen eine ganz besondere Atmosphäre entstehen. Von Katalin Vales

Trotz der hohen Temperaturen fanden sich bereits in den frühen Morgenstunden zahlreiche - vorwiegend männliche - Besucher und Teilnehmer ein. Hier und da sah man jedoch auch einige Ehefrauen, die aus Anstand mitgekommen waren. Die Eheleute Kressner aus Friedersdorf schwärmen: „Die alten Kisten sind ja quasi unser Jahrgang, und da werden Erinnerungen wieder wach.“

Kein alter Hut
Aber während die einen in Nostalgie schwelgten, sind Oldtimer für andere noch längst kein alter Hut, sondern top aktuell. Was fasziniert an den alten Wagen„ Karl-Heinz Schurich aus Kröben beschreibt es so: „Das Tüfteln und Bauen begeistert uns. Man muss sich das wie eine Art Therapie vorstellen. Denn es ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die von Kummer und Sorgen ablenkt.“ Außerdem mag er die anderen kontaktfreudigen Oldtimer-Liebhaber, mit denen man über dies und das fachsimpeln kann, denn jeder Wagen hat seine eigene Geschichte und Besonderheit.
Wie zum Beispiel der Opel 4/20, Baujahr 1929, von Horst Müller aus Cottbus. In seinem Kofferraum befindet sich, wenn man ihn öffnet, eine Sitzgelegenheit. „Das ist der so genannte Schwiegermuttersitz“ , lacht der stolze Besitzer, der das Staunen der Vorbeigehenden bemerkt. „An diesem Wagen hängt tatsächlich auch ein Stück Familiengeschichte, den hat noch mein Vater gekauft“ , erzählt der Cottbuser weiter. 6000 Stunden hat er gebraucht, um das gute Stück wieder herzurichten.
Ging man weiter über den Platz, so sah man unter anderem einen Mercedes 220 Sb, Baujahr 1959, sowie zahlreiche Wartburgs. Besonders schön das Modell 312/500 aus dem Jahr 1967 oder der 311er/300, ein Coupé. Auch Trabis fanden sich zum Oldtimertreff ein. Erhard Hausmann aus Dahme fährt seinen Liebling, einen Trabant 600, Baujahr 1963, die ganze Sommersaison. „Warum““ , lacht er, „weil das was Besonderes ist, formschön und anders eben. Es macht mir viel Freude“ , erklärt er.
Anders Gerhard Richter aus Finsterwalde - er fährt nur zu Veranstaltungen mit seinem Citroen Typ AC 4, ein auffallend schöner Wagen aus dem Jahr 1928, der sogar mit einem historischen Kennzeichen zugelassen ist. Drei Jahre jünger ist der Brennabor Typ C. Das Besondere: Es gibt wohl weltweit nur noch drei Exemplare. Da sind die zehn Jahre Restaurierung durchaus gerechtfertigt.

Pannonia mit Beiwagen
Doch nicht nur Autos waren zu bestaunen, sondern auch zahlreiche Motorräder. So sah man zum Beispiel eine Pannonia mit Beiwagen und neben vielen anderen auch einige Jawas. Doch der interessanteste Teil des Tages war wohl für alle Teilnehmer die Rallye. Die führte die Fahrer über Sonnewalde nach Massen, Groß Me ßow, Crinitz, Weißack, Großkrausnik und Waldrehna wieder nach Schönewalde - eine Strecke von insgesamt 75,9 Kilometern laut Bordbuch.
Dies bekam ein jeder mit detaillierter Streckenbeschreibung, wohl eher als Andenken, denn Walter Mahl, Leiter des Motorrad-Museums, brachte an der gesamten Strecke Schilder an, sodass niemand Karte lesen brauchte. So durfte sich jeder ganz und gar dem Fahrspaß hingeben und konnte dabei, den warmen Sommerwind um die Nase, in den Sonntag fahren. Bei Sonderprüfungen wie Geschwindigkeitskontrolle, Spurbrett fahren und Klötzergasse mussten die Fahrer ihr Können unter Beweis stellen.
„Im Großen und Ganzen können wir mit der Veranstaltung zufrieden sein“ , zieht Edith Mahl ein Fazit. „Nur bei der Siegerehrung dauerte es ziemlich lange. Da werden wir uns im nächsten Jahr ein anderes System ausdenken“ , verspricht sie. Denn 89 Fahrer zu platzieren, das dauert seine Zeit.