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| 02:48 Uhr

Yvonne Sehmisch Dritte in Berlin

Yvonne Sehmisch ist beim Marathon in Berlin gestartet. Foto: Imago
Yvonne Sehmisch ist beim Marathon in Berlin gestartet. Foto: Imago FOTO: Imago
Herzberg. Bei der Herzberger Rollstuhlathletin Yvonne Sehmisch sind die Tränen über die Nichtnominierung für die Paralympics in London getrocknet. Am vergangenen Wochenende hat sie sich wieder in das Wettkampfgeschehen gestürzt und beim Berlin-Marathon den dritten Platz bei den Rollstuhlfahrerinnen in einer Zeit von 2:06,26 Stunden belegt. ru

"Nachdem die Absage für London da war, habe ich mich entschlossen, in Berlin zu starten. Die Vorbereitung war etwas chaotisch, denn mein Training war auf die Sprints in London ausgerichtet. Innerhalb von zwei Monaten musste ich nun für einen Marathon fit sein. Dafür bin ich mit meinem Ergebnis ganz zufrieden", so die Herzbergerin.

Auch wenn sie sagt, dass die Wut darüber, nicht für die Paralympics berücksichtigt worden zu sein, verraucht ist, nagt es innerlich doch noch an ihr. "Bis heute habe ich vom Verband keine klare Begründung für die Nichtnominierung erhalten", sagt sie. Am meisten habe sie sich darüber geärgert, dass einige Medien verkündet hätten, sie hätte die Norm nicht geschafft. "Das stimmt nicht. Ich hatte die Norm erreicht. Ich war für die laufende Saison sogar Weltranglistenvierte", stellt sie klar. Wahrscheinlich hätte es im Sprint bei der starken Konkurrenz nicht zu einer Medaille gereicht, aber das Finale wäre drin gewesen, meint sie in einem Gespräch mit der RUNDSCHAU. "Die Spiele in London waren genial. Diesmal wurde so viel von den Paralympics im Fernsehen und den anderen Medien berichtet, wie noch nie zuvor. Da war ich manchmal doch traurig, nicht dabei zu sein", räumt sie ein.

Mit dem Berlin-Marathon am 30. September wollte sie es sich und der Öffentlichkeit in dieser Saison aber noch einmal zeigen. Doch auch diese Veranstaltung endete für Yvonne Sehmisch mit einer Enttäuschung. Nicht über die eigene Leistung, sondern über den Veranstalter. "Da wurde ich im Ziel doch glatt von einem Offiziellen gefragt, ob ich den Pokal gleich haben will oder ob man ihn mir nach Hause schicken soll. Für eine Siegerehrung sei keine Zeit mehr", so die Rollstuhlathletin. Yvonne Sehmisch empfand dieses Verhalten als takt- und respektlos. "Ich hatte wirklich gedacht, mit den Spielen von London hätten wir Behindertensportler den Durchbruch geschafft. Aber jetzt werden wir schon wieder in die Ecke gestellt", ist sie entrüstet. "Ich frage mich auch, was ausländische Behindertensportler davon halten sollen", so die Sportlerin.

Für Yvonne Sehmisch ist die Wettkampfsaison in diesem Jahr zu Ende. "Ich mache erstmal etwas Winterschlaf", umschreibt die 37-Jährige den geringeren Trainigsumfang. Wie es mit ihrer Karriere weiter geht, weiß sie noch nicht genau. "Ich bin für alles offen. Vielleicht ist ja auch das Bike eine Alternative. Aber darüber muss ich noch intensiv nachdenken", so die Herzberger Rollstuhlathletin.