Heiligabend Wenn am Heiligabend beim Essen etwas unter den Tisch fällt, so darf man es nicht aufheben, denn man sagt: „Dann passiert ein Unglück!“
Heiligabend werden so genannte „Mohnpielen“ gegessen. Die Alten sagen: „So viel Hielichen, soviel Pielichen!“
Meine Mutter macht zu Heiligabend Heringssalat. Ich fragte sie, was das zu bedeuten hätte. Sie antwortete: „Heiligabend muss es Hering geben, dann hat man das ganze Jahr über Geld.“
Am Heiligen Abend gibt es Kartoffelsalat und Fisch, dann soll man nie knapp Geld haben. Deshalb legen sich einige sogar Fischschuppen ins Portemonnaie. Derjenige hofft nun, so lange Geld zu haben, wie die Schuppen im Portemonnaie bleiben.
In manchen Familien glaubt man, dass diese im nächsten Jahr getrennt und zerrissen lebt, wenn ein Angehöriger am Heiligen Abend weggeht.
Am Heiligen Abend werden die Kerzen am Weihnachtsbaum zum ersten Mal angebrannt. Werden sie vorher angezündet, so überlebt man keine gesunden Feiertage.
Nachts um zwölf Uhr soll man drei Kreuze an drei Stalltüren machen, damit das Vieh nicht verhext werden kann.
Heiligabend haben wir angenässten Sand in einen Fingerhut getan und dann auf den Tisch gestülpt. Bis zum ersten Feiertag haben wir den Sand liegen lassen. Ist das Sandhäufchen eingefallen, so stirbt jemand in der Familie.

1. Feiertag Am ersten Feiertag soll man nicht stricken, stopfen oder nähen, sonst bekommt man viele Geschwüre.

In den 12 Nächten Was man in der Zeit der zwölf Nächte nach Weihnachten träumt, soll in Erfüllung gehen. Jeder Tag bedeutet einen Monat des neuen Jahres.
Wie das Wetter in der Zeit der zwölf Nächte ist, so wird das Wetter in den folgenden zwölf Monaten.
Außerdem soll man in diesen zwölf Nächten nicht waschen, sonst muss man viel weinen.
In den zwölf Nächten soll man auch keine Wäsche aufhängen, sonst erhängt sich jemand im Haus.
Manche Leute legen sich in diesen Nächten ein Gesangsbuch unter das Kissen. Wird am Morgen ein Sterbelied aufgeschlagen, so stirbt ein Verwandter.

Neujahr In der Neujahrsnacht gießen die Leute geschmolzenes Blei ins Wasser. Die Figuren werden von phantasievollen Menschen gedeutet.
Unter vier auf den Tisch gestülpte Tassen werden je ein Stück Brot, ein Ring, ein Stück Lumpen und ein Groschen gelegt. Personen mit verbundenen Augen müssen je eine Tasse aufdecken. Das Brot bedeutet ein gutes Erntejahr, der Ring eine bevorstehende Heirat, die Lumpen, dass Unglück geschieht, und mit dem Groschen steht dem Reichtum nichts im Wege.
Werden am Neujahrstag Klöße gekocht, dann gibt es im folgenden Jahr viel Geld. Wird aber Reis zubereitet, so bedeutet dies das Gegenteil.
Kommen Neujahr zuerst Kinder zu Besuch, so verheißt dies Glück. Ist es ein Junge, so sind viele Bullenkälber im Folgejahr zu erwarten. Ist es ein Mädchen, so hat man mit Färsenkälbern zu rechnen.