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Zwei tote Jungtiere
Wolf reißt Kalb in Frankena

Frankena. Die Agrargenossenschaft Frankena macht Bekanntschaft mit dem Raubtier – zwei tote Jungtiere sind zu beklagen. Wirksamer Schutz der Mutterkuhherde ist jetzt notwendig. Heike Lehmann

Axel Schulze ist beunruhigt. Innerhalb weniger Tage hat offenbar ein Wolf die Mutterkuhherde der Agrargenossenschaft Frankena aufgesucht und gerade erst geborenen Kälbchen gerissen. Das erste tote Tier wurde am Freitag nach Himmelfahrt gefunden und jetzt in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag schon das zweite. Den Wolf hat keiner gesehen. Im ersten Fall kam er sogar am Tage. "Die Zeit lässt sich eingrenzen auf 12.30 bis 16.30 Uhr, in der er ein Kalb gerissen und zu 80 Prozent gefressen hat. Er nutzt die Schwäche der Jungtiere aus", erklärt Schulze. Beim zweiten Mal kam der Angreifer über Nacht. Das tote Kalb wurde am Morgen gegen 7.30 Uhr gefunden.

Wenn ein Wolfsübergriff auf Nutztiere vermutet wird, gibt es klare Regeln, will der Halter Entschädigung vom Land bekommen. Innerhalb von 24 Stunden ist die Zentrale Schadenshotline zu verständigen. Die Tierkadaver dürfen nicht angefasst oder gar entfernt werden und müssen vor anderen Tieren geschützt werden. Spuren dürfen nicht verfälscht werden. Ob ein Wolf da war und ob er ursächlich für den Tod des Nutztieres verantwortlich war, beurteilt ein sogenannter Rissgutachter.

Axel Schulze hat alles richtig gemacht. Der Rissgutachter betritt am Donnerstagnachmittag zum zweiten Mal in kurzer Zeit die Weide. Aufgeregt schildert Jens Kollesser, verantwortlich für die Mutterkuhhaltung, wann er das zweite Kälbchen aufgefunden hat. Mit geschultem Blick und konkreten Fragen macht der Gutachter sich ein Bild vom Geschehen, sichert und dokumentiert Spuren, nimmt Genetikproben vom Kadaver, um zweifelsfrei bestätigen zu können, was augenscheinlich passiert ist: Hier hat ein Wolf gefressen. "Wolfstypische Nutzung" heißt das offiziell. Aber postmortal. Denn: Getötet hat der Wolf dieses Jungtier nach großer Wahrscheinlichkeit nicht, weil es offenbar tot zur Welt kam. Auch dafür gibt es untrügliche Zeichen. Für die Bauern heißt das, in diesem Fall gibt's keine Chance auf einen Schadensausgleich.

Für die Agrargenossenschaft bleibt aber ein deutliches Ausrufezeichen: Der Wolf war da und er wird vermutlich wiederkommen. "Wir wollen keine Panik machen und keine Partei ergreifen", sagt Schulze. "Wir brauchen schnellen Schutz unserer Herde und vor wirtschaftlichem Schaden. Wolfssichere Zäune sind teuer und verhindern zudem das Weiterkoppeln." Schulze kontaktiert die zuständige Beraterin vom Landesamt für Umwelt, erhofft sich von ihr Aussagen über wirksame Prävention und mögliche Förderung.