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Wohnung zum Museum gemacht

Bei einer Sammler-Ausstellung im Kreismuseum stellt Jürgen Schlinger sein Hobby vor.
Bei einer Sammler-Ausstellung im Kreismuseum stellt Jürgen Schlinger sein Hobby vor. FOTO: Dietmar Seidel
Finsterwalde.. Bis 1826 gab es kein einziges Foto auf der Welt. Das erste hat der Franzose Joseph Nicéphore Nièpce im Jahre 1826 geschossen – ein verschwommener Blick aus seinem Arbeitszimmer. Acht Stunden betrug dazu die Belichtungszeit. Louis Jacques Mandé Daguerre ist es zu verdanken, dass Bilder auch fixiert werden konnten. Fast zeitgleich entwickelte der Engländer William Fox Talbot ein Negativ-Positiv-Verfahren, Bilder konnten so vervielfältigt werden. „Die Drei werden als die Erfinder der Fotografie bezeichnet“ , weiß Jürgen Schlinger. Und bei der Fotografie kennt sich der Finsterwalder bestens aus. Dietmar Seidel


Mit fünf Jahren machte ihn Vaters Plattenkamera neugierig. Er war acht, da bekam er den ersten Fotoapparat geschenkt, eine Codak 620, erinnert sich Jürgen Schlinger noch. Das Fotografieren hat den heute 76-jährigen Mann fortan nicht mehr losgelassen. Nach dem Krieg, als es ihn vom schlesischen Langenbielau ins erzgebirgische Freiberg verschlug, pflegte er beim Kulturbund sein Hobby - beruflich ist der gelernte Tischler aber dem Holz treu geblieben. Jürgen Schlinger ist viel auf Reisen, lernte zahlreiche Länder kennen und hat neben seiner Frau immer auch die Kamera an seiner Seite. Tausende Fotos sind zu Vorträgen zusammenstellt, mit denen er seit Jahren auch andere an seinen Erlebnissen teilhaben lässt. Dabei hat Jürgen Schlinger auch ein waches Auge für die sich verändernde heimische Region - wo etwas abgerissen wird, wie jetzt bei der Tischfabrik, wo er Jahrzehnte zuerst als Meister und dann in der Produktionsleitung arbeitete, oder wo Neues entsteht, da ist er mit seiner Kamera vor Ort. Allein fast 30 Reportagen berichten über Land und Leute zwischen Elbe und Elster.
„Dabei geht es mir nicht nur um den Schnappschuss, um das gute Foto, mich interessiert auch immer die Fototechnik und ihre Geschichte.“ Etwa 160 verschiedene Fotoapparate und dazu viele Gerätschaften hat er in all den Jahren zusammengesammelt, dazu Fachbücher in großer Zahl. So kann er lange und leidenschaftlich über Nièpce, Daguerre und Talbot und ihre Pionierleistungen auf dem Gebiet der Fotografie berichten. Die kleine Wohnung am Klingmühler Eck ist längst zu einem Museum geworden - „zuerst kommt das Hobby meines Mannes, dann komme ich“ , meint schmunzelnd seine Frau Ruth, die sich nicht nur im Wohnzimmer einschränken muss.
Etwas Sorgen macht sich Jürgen Schlinger um die Zukunft seiner reichen Sammlung. „Bei den Kindern vermisse ich die Begeisterung dafür“ , bedauert er - und hat überlegt, mit dem Förderverein von Schloss Doberlug zu sprechen. Dort hätte die Sammlung einen würdigen Platz, meint Jürgen Schlinger: „Aus Doberlug stammt Hermann Wilhelm Vogel. Der hat Bahnbrechendes in der Farbfotografie geleistet . . .“
Wer mehr über Jürgen Schlinger und seine Leidenschaft erfahren möchte, sollte die Hobby-Ausstellung des Kreismuseums besuchen, die am 20. Mai eröffnet wird. Man wird dann staunen, was manche alles sammeln: Fingerhüte, Ofenkacheln, Wetterfrösche, Bier- und Weinetiketten und Goethe-Briefmarken. Wer noch etwas Besonderes zusammengetragen hat und das anderen zeigen möchte, kann sich beim Museum melden. (-db-)