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Wohmann mit versöhnlichen Tönen zur Stadthalle

Sonnewaldes Ortsvorsteher Axel Große (SPD) war zum ersten Mal dabei.
Sonnewaldes Ortsvorsteher Axel Große (SPD) war zum ersten Mal dabei. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Finsterwalde. Vor mehr als 20 Jahren hatte eine kleine Änderung in der Kommunalverfassung eine große Wirkung: Unliebsame, unbequeme oder unfähige Stadtoberhäupter konnten durch ein vereinfachtes Abwahlverfahren schneller aus dem Amt enthoben werden. Es war die Geburtsstunde des Wortes "Bürgermeisterkegeln". top1

Der damalige Finsterwalder Bürgermeister Johannes Wohmann (FDP) nahm es ganz wörtlich und kreierte sein ganz eigenes "Bürgermeisterkegeln" auf den Bahnen der Kegelbahn "Sieben Brunnen". Am Donnerstagabend fand es seine 22. Auflage - auch wenn Johannes Wohmann längst nicht mehr Stadtoberhaupt ist.

Gedacht als Auftakt ins politische Jahr, wollen die Teilnehmer in zwangloser Runde, über Parteigrenzen und Fraktionen hinweg, beim Kegeln ins unverbindliche Gespräch kommen. Tradition ist es auch, dass die Abgeordneten der Linken aus dem Stadtparlament fehlen. Diesmal war ebenso kein Vertreter der CDU zu sehen. Zur gemischten Kegelrunde gehörten Amtsdirektor Gottfried Richter (parteilos) oder auch Doberlug-Kirchhains Oberhaupt Bodo Broszinski (FDP). Zum ersten Mal war Sonnewaldes Ortsvorsteher Axel Große (SPD) dabei.

Begrüßt wurde auch der stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Martin Neumann. "Wir fühlen uns ja manchmal etwas von der Landespolitik abgehängt. Da ist es uns schon wichtig, solche Leute hier begrüßen zu dürfen", so Alt-Bürgermeister Johannes Wohmann.

Er nutzte natürlich gern noch einmal diese Plattform, um seine Sicht auf die Dinge des vergangenen Jahres zu werfen. "Nichts ist mehr, wie es war. Europa ist gespalten, Deutschland ist gespalten, die Stadt ist gespalten." Beim politischen Diskurs, rund um die zukünftige Stadthalle, machte er einen "bemerkenswerten Verfall der politischen Sitten in der Stadt aus, der symptomatisch für die Zustände im ganzen Land ist." Obwohl einer der schärfsten Gegner der Stadthalle, schlug er dann doch versöhnliche Töne an: "Wir werden sehen, wie sich die Sache entwickeln wird, und ich hoffe, dass alles gut ausgehen wird." Und auch zur geplanten Kreisgebietsreform hatte er eine Meinung: "Persönlich habe ich nichts gegen einen Großkreis Lausitz, wenn es dabei nicht zu einem Demokratieverlust kommt und die Kommunen zu kurz kommen." Ihn störe, dass die Bürger immer öfter vor vollendete Tatsachen gestellt, über die möglichen Konsequenzen aber weitestgehend im Unklaren gelassen werden.

Wohmann gab in seiner kleinen Willkommensrede viele kleine Gesprächsanlässe für den Abend - sei es auf Bundes-, Landes oder auch Stadtebene. Ohne konkrete Namen zu nennen, gab es dabei den einen oder anderen rhetorischen Seitenhieb - so wie man den ehemaligen Finsterwalder Bürgermeister kennt.

Bei den Siegerpreisen ging er dann ganz neue Wege. Gab es sonst immer kleine Handpuppen mit hintergründiger Bedeutung, beugte er sich diesmal "dem Genderwahn der Republik". Und so erhielten die beste Dame Jacqueline Krüger aus Potsdam und der beste Herr Delf Gerlach aus Uebigau je ein völlig identisches Steckspiel. "Mit Figuren in den Farben der politischen Parteien - geeignet für strategische Überlegungen vor Wahlen und das alles mit politisch völlig korrekten Regeln", so Wohmann.